Im Gespräch: Deutsche Börse & Börse Stuttgart

Deutsche Börse und Börse Stuttgart im Gespräch über ETFs, Handelsmöglichkeiten, Kosten, Service und vieles mehr

Zwei Börsen, viele Fragen

Der ETF-Markt ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Die Anzahl der ETFs steigt stetig und somit auch die Investitionsmöglichkeiten der Anleger. Mit dem Wachstum steigt allerdings auch die Komplexität der Produkte. Entsprechend sorgfältig muss die Wahl des passenden ETF vorbereitet und getroffen werden. Wer sich für einen ETF von ComStage entschieden hat, kann diesen auf verschiedenen Wegen erwerben. Grundsätzlich können alle ComStage ETFs sowohl börslich als auch außerbörslich gehandelt werden. Dabei sind die Orderwege mit spezifischen Möglichkeiten verbunden. Der Investor kann sich somit individuell für den für ihn vorteilhaften Kauf- oder Verkaufsweg entscheiden.

Neben dem reinen Handel haben vor allem die bekannten Börsenplätze in Frankfurt und Stuttgart noch einiges mehr zu bieten. Im Gespräch mit den ETF-Experten der Börse Stuttgart und der Deutschen Börse erfahren Sie mehr über ETFs, Handelsmöglichkeiten, Kosten, Service und vieles mehr.

Was sind aus Ihrer Sicht die Unterschiede bzw. die Vor- und Nachteile des börslichen gegenüber dem außerbörslichen ETF-Handel?
Stephan Kraus: Wie sich schon aus der Bezeichnung Exchange Traded Funds ableiten lässt, spielen ETFs ihre Vorteile vor allem im börslichen Handel aus. Nur dort wird Anlegern ein hohes Maß an Vor- und Nachhandelstransparenz geboten. Anleger können sich bereits vor Orderaufgabe ein Bild von der Liquidität des ETF machen und finden ihre Orderausführung anschließend in der Kurskette des jeweiligen Handelstages wieder. Weiterhin sorgt der Wettbewerb zwischen Liquiditätsspendern und Handelsteilnehmern für eine außerordentlich hohe Preisqualität im Handel. Diese Wettbewerbskomponente geht im außerbörslichen Handel mit nur einer Gegenpartei vollständig verloren.
Michael Görgens: Da kann ich mich Herrn Kraus nur anschließen. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist das Thema Handelsüberwachung. An einer regulierten Börse zu handeln, bringt Anlegern ein höheres Maß an Sicherheit. So kontrolliert die Handelsüberwachungsstelle als unabhängige Instanz alle Geschäfte. Die Preisermittlung verläuft fair und nach einem klaren Regelwerk.

Die Anzahl an Börsen in Deutschland ist groß. Warum soll ein Investor gerade an Ihrer Börse ETFs kaufen und verkaufen?
Michael Görgens: Die Börse Stuttgart bietet ein Höchstmaß an Preisqualität und Ausführungssicherheit. Dafür sorgen unsere Handelsexperten, die neben Market Makern in den elektronischen Handel eingebunden sind. Sie spenden in besonderen Marktphasen und Orderbuchsituationen zusätzliche Liquidität und gleichen Angebot und Nachfrage auch innerhalb der Market-Maker-Preisspanne aus. Eine weitere Stärke der Börse Stuttgart liegt darin, dass risikobegrenzende Orders wie etwa Stop-Loss losgelöst von Preisfeststellungen aktiv ausgelöst werden. Denn die überwiegende Mehrzahl aller ETFs wird nicht täglich gehandelt. Nur durch die aktive Betreuung von Orders ist sichergestellt, dass eine Ausführung möglichst nah am vom Anleger gewählten Stop-Limit erfolgt und dem aktuellen Marktniveau entspricht.
Stephan Kraus: Die Deutsche Börse bietet mit dem Handelsplatz Xetra den größten ETF-Marktplatz Europas an. Auf Xetra wird so viel Volumen in ETFs umgesetzt wie an keiner anderen deutschen oder europäischen Börse – davon übrigens rund ein Drittel von Privatanlegern. Zudem bietet Xetra mit aktuell rund 1.150 Produkten die größte Auswahl an börsennotierten ETFs in Europa. Der Handel auf Xetra zeichnet sich durch ein hohes Maß an Transparenz aus. So erhalten Anleger auf Xetra Einblick in das Orderbuch und können diese Informationen zur Bewertung der Liquidität und Platzierung von Orders nutzen. Darüber hinaus profitieren Anleger von der engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit allen ETF-Emittenten sowie rund 20 Designated Sponsors, die als Liquiditätsspender auf Xetra auftreten. Die Kombination aus hohem Handelsvolumen und fortlaufender Liquiditätsbereitstellung kommt letztendlich voll und ganz den Anlegern zugute.

Was sind aus Anlegersicht die Hauptunterschiede zwischen Xetra und Börse Frankfurt Parkett?
Stephan Kraus: Beide Handelsplätze ermöglichen Anlegern einen effizienten Zugang zum Handel von ETFs. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Xetra und Börse Frankfurt liegt im Handelsmodell: Auf Xetra findet der Handel vollelektronisch in einem offenen Orderbuch mit Designated Sponsors als liquiditätsspendenden Handelsteilnehmern statt. Diese stehen sowohl untereinander als auch mit allen weiteren Handelsteilnehmern im direkten Wettbewerb um den besten Preis, sodass während der Xetra-Handelszeit von 09.00 bis 17.30 Uhr ein hochliquider Marktplatz bereitsteht. In einzelnen ETFs gibt es Unterstützung von bis zu elf Designated Sponsors gleichzeitig. Auf Börse Frankfurt werden ETFs dagegen von sogenannten Spezialisten als exklusiven Liquiditätsspendern betreut. Die Spezialisten stellen dazu täglich von 08.00 bis 20.00 Uhr Liquidität bereit. Anleger können somit auch vor und nach der Xetra-Handelszeit auf aktuelle Marktentwicklungen reagieren. Das Handelsmodell von Börse Frankfurt entspricht dabei im Wesentlichen dem der anderen deutschen Regionalbörsen. Darüber hinaus profitieren Anleger auf Börse Frankfurt von unserer Qualitätsgarantie, wonach alle ETF-Orders bis zu einer Auftragsgröße von 7.500 Euro mindestens so gut wie auf Xetra ausgeführt werden.

Die Börse Stuttgart positioniert sich als DIE Privatanlegerbörse in Deutschland. Was macht Sie so speziell für Privatanleger?
Michael Görgens: In Stuttgart finden private Anleger Handelsbedingungen, die gezielt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die besonders engen Handelsspannen, für die unsere Handelsexperten sorgen, wirken sich positiv auf die Gesamtperformance eines ETF-Investments aus. Es gilt das Best-Price-Prinzip: Alle Orders werden mindestens zum besten Preis ausgeführt, der zu diesem Zeitpunkt am Markt verfügbar ist. Anleger können in Stuttgart von 08.00 bis 22.00 Uhr mit ETFs handeln und so auch morgens und abends auf globale Marktgeschehnisse reagieren. Durch das Prinzip der fortlaufenden Auktion, die nicht nach Preis und Zeit priorisiert, stellt unser Marktmodell zudem die Gleichbehandlung aller Orders mit gleichem Limit zum Zeitpunkt der Preisermittlung sicher.

Die Handelszeiten an Ihren Börsen sind lang. Können Sie Privatanlegern Tipps geben, zu welchen Zeiten man besonders gut handeln kann oder gerade etwas vorsichtiger sein sollte?
Stephan Kraus: Wir empfehlen ETF-Anlegern, den Zeitpunkt der Orderaufgabe zu beachten. Denn die Liquidität eines ETF kann sich mit der Verfügbarkeit des Referenzmarkts erhöhen. So bietet sich beispielsweise für ETFs, die sich auf den US-Markt beziehen, ein Kauf oder Verkauf am Nachmittag an, da der Handel in den USA um 15.30 Uhr deutscher Zeit startet.
Michael Görgens: Anleger sollten immer beachten, dass die Liquidität im Referenzindex, und damit auch die Preisqualität beim ETF, am höchsten ist, wenn der Heimatmarkt eines Wertpapiers geöffnet ist. In den Nebenhandelszeiten sollte man auf die Spreads achten, die sich dann aufgrund der geringeren Gesamtmarktliquidität ausweiten können. In Stuttgart mildern die Handelsexperten mit ihren Liquiditätsspenden diesen Effekt ab.

Besonders ETF-Anleger sind kostensensibel. Wie viel zahlt ein Investor bei Ihnen und wie ist dies im Vergleich zum häufig als günstiger empfundenen außerbörslichen Handel zu begründen?
Michael Görgens: Anleger erhalten dank unseres hybriden Marktmodells eine schnelle, verlässliche und überwachte Orderausführung zu besten Preisen. Die engen Spreads senken dabei die impliziten Kosten: Wenn ein Anleger beispielsweise 1.000 Stück eines ETF kauft und wieder verkauft, macht ein jeweils um 1 Cent besserer Preis schon 20 Euro Ersparnis aus. Hinzu kommt die Sicherheit durch die Überwachung des börslichen Handels. Diese Vorteile, die OTC-Plattformen so nicht bieten, sind natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Beim Entgelt für den ETF-Handel gibt es in Stuttgart ein Dreistufenmodell. Bis zu einer Ordergröße von 12.100 Euro fällt ein variables Entgelt von 1 Promille an. Bei Orders zwischen diesem Wert und 100.000 Euro beträgt das Entgelt 0,4 Promille des Ordergegenwerts, mindestens jedoch 12,10 Euro netto. Bei Orders über 100.000 Euro wird ein Entgelt von 0,1 Promille und mindestens 40 Euro netto fällig. Damit zahlt ein Anleger für 5.000 Euro Ordervolumen 5 Euro und für die Durchschnittsordergröße von 20.000 Euro nur 12,10 Euro netto.
Stephan Kraus: Anleger profitieren beim Handel von ETFs auf Xetra von äußerst geringen Transaktionskosten. Diese liegen bei lediglich rund 0,005 Prozent des Handelsvolumens bei einem Mindestentgelt von 0,60 Euro. Bei einem Auftragsvolumen von 10.000 Euro fallen also lediglich 60 Cent, bei einem Auftragsvolumen von 20.000 Euro nur rund 1 Euro an. Allerdings hängt es immer auch vom jeweiligen Gebührenmodell der Bank oder des Brokers ab, welche Preise und Provisionen dem Anleger in Rechnung gestellt werden. Ungeachtet dieser geringen Transaktionskosten profitieren Anleger vollumfänglich von den zuvor genannten Vorteilen des börslichen Handels, darunter der Überwachung des Handels durch eine neutrale Handelsüberwachung und der Möglichkeit, nicht nur gegen einen Market Maker, sondern gegen eine Vielzahl an Marktteilnehmern, darunter Designated Sponsors, zu handeln. Der Wettbewerb zwischen diesen Marktteilnehmern wirkt sich positiv auf Liquidität und Preisqualität im Handel aus.

Der Monat nach dem Brexit-Referendum war sicherlich auch bei Ihnen turbulent. Welche Vorbereitungen haben Sie für diesen Handelstag nach dem Referendum getroffen? Hat alles an dem Morgen gehalten? Konnten Investoren ETFs den gesamten Tag handeln?
Stephan Kraus: Natürlich konnten wir am Morgen nach Bekanntwerden der Referendums-Entscheidung eine hohe Volatilität im Markt beobachten. Diese wurde jedoch durch unsere bewährten Schutzmechanismen, insbesondere die Volatilitätsunterbrechungen auf Xetra, abgefangen. Anlegern wurde dadurch Gelegenheit gegeben, die Marktentwicklung zu analysieren und durch jederzeit mögliche Anpassungen ihrer eigenen Orders angemessen darauf zu reagieren. Eine Handelsaussetzung von ETFs war nicht erforderlich, sodass alle ETFs den gesamten Tag über gehandelt werden konnten.
Michael Görgens: Die gesamte Finanzbranche und dementsprechend auch unsere Handelsteilnehmer und Market Maker waren gut vorbereitet, das kam an diesem Tag zum Tragen. Unser neues Börsensystem Xitaro zeigte hier seine Leistungsstärke. Unsere Handelsexperten konnten in den volatilen Märkten erneut ihren Mehrwert unter Beweis stellen und schon im Frühhandel eine Vielzahl von Kundenorders ausführen. Dank der leistungsfähigen Kombination von Mensch und Maschine waren alle ETFs durchgängig handelbar.

Welchen Service, neben dem »reinen« Handel, bietet Ihre Börse dem ETF-Anleger?
Michael Görgens: Auf unserer Website finden sich ein interaktiver ETF-Finder und Factsheets mit weiterführenden Dokumenten. Seminare und der wöchentliche Newsletter ETF Bestx versorgen Anleger mit Basiswissen und aktuellen Fakten zum ETF-Markt. Und wer als Privatanleger bei unserer kostenfreien Kundenhotline anruft, kann sicher sein, dass die Börsenexperten dort auch ETF-Kenner sind. Beim jährlichen ETP-Award an der Börse Stuttgart können Privatanleger direkt mit den Emittenten ins Gespräch kommen.
Stephan Kraus: Zu unserem Serviceangebot zählt beispielsweise unser kostenfreies ETF-Handbuch, worin die einzelnen Produktkategorien sowie der Weg von der Auswahl eines ETF bis hin zur Orderaufgabe an der Börse verständlich erläutert werden. Darüber hinaus stellen Webinare, wöchentliche Marktberichte und ein quartalsweise erscheinendes ETF-Magazin sicher, dass sich Anleger jederzeit Grundlagenwissen aneignen und über aktuelle Marktentwicklungen informieren können. Insbesondere die Vermittlung von Wissen ist uns ein großes Anliegen.

Welchen allgemeinen Rat geben Sie Privatanlegern bei der Anlage und dem Handel von ETFs?
Stephan Kraus: Wir empfehlen Anlegern zunächst ganz grundsätzlich, sich mit der Funktionsweise von ETFs vertraut zu machen. Bei der anschließenden Betrachtung eines konkreten Produkts zählen insbesondere der abgebildete Index und dessen Zusammensetzung zu den wichtigsten Faktoren. Beide haben maßgeblichen Einfluss auf die Renditeerwartung und das Risiko der Anlage und sollten daher zum individuellen Rendite-Risiko-Profil des Privatanlegers passen. Bei der Orderaufgabe raten wir Anlegern, die Vorteile von Limitorders zu nutzen. Diese können die impliziten Transaktionskosten verringern und stellen sicher, dass Orderausführungen nur zu den eigenen Preisvorstellungen erfolgen.
Michael Görgens: In jedem Fall liegen Anleger richtig, wenn sie das ETF-Produktspektrum zur Diversifizierung in effizienten Märkten über Regionen und Assetklassen hinweg für kurz- und langfristige Anlagehorizonte nutzen. Bei langfristigen Investments ist auch die jeweilige Managementgebühr zu vergleichen. Zweitens sollten Anleger im Kern verstehen, was der Referenzindex umfasst. Nur dann können sie auch den ETF für sich bewerten. Drittens sollte man darauf achten, dass ein ETF eine gewisse Historie aufweist. Viertens ist es bei einer kurzfristigeren Anlage wichtig, Risiken aktiv zu managen und Verluste zu begrenzen. Und fünftens sollten Anleger den Handelsplatz ihres Vertrauens wählen und dennoch immer wieder die Preise und angebotenen Mehrwerte im Handel vergleichen.