»Sind Short-ETFs als Anlage geeignet?«

ETF-Kolumne

»Sind Short-ETFs als Anlage geeignet?«

Der Jahresbeginn 2016 war alles andere als erfreulich an den internationalen Kapitalmärkten. Kaum eine Anlageklasse, die nicht unter Kursverlusten gelitten hat. Und damit stellt sich für Anleger nicht nur die Frage, wie es weitergehen kann, sondern auch, was sie als Investor tun können. Natürlich kennen Sie den Appell an den langfristig orientierten Anleger, dabei zu bleiben und weiter in Aktien-ETFs zu investieren. Am besten über Sparpläne, denn das nimmt Ihnen die Entscheidung ab, wann der richtige Einstiegszeitpunkt sein könnte.

Aber gibt es neben der flexiblen Anlageform Sparpläne nicht noch andere Möglichkeiten, um auf die gegenwärtigen Marktbewegungen reagieren zu können?

In diesen Tagen werden wir oft nach sogenannten Short-ETFs gefragt und ob diese für eine Anlage geeignet sind.

Short-ETFs zeichnen sich dadurch aus, dass der ETF die Wertentwicklung eines Index umgekehrt oder invers nachbildet. Nehmen Sie als Beispiel den MDAX bzw. den entsprechenden ComStage ETF (WKN: ETF 007 oder ETF 907). Fällt der MDAX, so wird der ComStage ETF auf den ShortMDAX das Gegenteil tun. Er legt zu. Steigt der MDAX wieder, so verhält es sich natürlich umgekehrt: Der ShortMDAX fällt. Da Börsenkurse langfristig eher zulegen als fallen, sind Short-ETFs unabhängig von dem nachgebildeten Index für Langfristanleger ungeeignet. Eine übrigens ebenfalls häufig gestellte Frage: Ist es sinnvoll, Short-ETFs in Sparplänen einzusetzen? Klare Antwort: Nein, besser nicht.

Short-ETFs haben eine zweite wesentliche Eigentümlichkeit, weshalb sie sich nur für den aufgeklärten und risikobewussten Anleger eignen. Mit anderen Worten für den Investor, der Kapitalmärkte regelmäßig beobachtet und sich dann auch nicht scheut, das eigene Depot anzupassen. Short-ETFs unterliegen nämlich einer Pfadabhängigkeit. Damit ist gemeint, dass der inverse Effekt nur von Schlusskurs auf Schlusskurs gilt. Wird der Zeitraum länger, so kann es zu Abweichungen kommen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern.

Nehmen wir einen »normalen« oder »Long«-ETF, der einen Index nachbildet. Und dazu den passenden Short-ETF. Beide ETFs starten mit einem Wert von 100. Im Laufe des folgenden Tages steigt der Index um 2 Prozent auf 102. Damit steigt auch der Long-ETF auf einen Wert von 102, während der Short-ETF um 2 Prozent auf 98 sinkt. Am nächsten Tag fällt der Index wieder auf 100 zurück. Dies entspricht einem Rückgang von 1,96 Prozent, denn der Kurs kommt von 102. Was passiert nun bei dem Short-ETF? Er wird steigen. Und zwar genau um den Prozentsatz, um den der Index fällt. Allerdings war der Short-ETF zuvor auf 98 gefallen. Und steigt jetzt um 1,96 Prozent auf 99,92. Es kommt also zu einer Abweichung, die sich mit der Länge des Betrachtungszeitraums erhöhen oder auch verringern kann. Ich hoffe, dieses kurze Beispiel zeigt Ihnen schon, wo die Tücke liegen kann.

Warum werden Short-ETFs dann aber von aufgeklärten Anlegern eingesetzt?

Zunächst einmal sind Short-ETFs Fonds oder sogenannte Sondervermögen, wie jeder andere ETF auch. Was viele Investoren sehr schätzen.

Haben Anleger klare Meinungen zur Entwicklung von Kapitalmärkten, dann erlauben es Short-ETFs, gezielt auf fallende Indizes zu setzen. Gerade zu Beginn des Jahres gab es viel Nachfrage nach dem ComStage ETF auf den ShortDAX von Kunden, die einen weiter zurückgehenden DAX erwarteten. Die andere Gruppe der Erwerber sind Investoren, die ein bestehendes Portfolio weitgehend absichern wollen. Hat jemand ein Depot, das zum Beispiel dem DAX ähnelt, so ist eine Absicherung recht einfach, preisgünstig und schnell möglich. Aber Vorsicht: Wegen der zuvor genannten Pfadabhängigkeit wird es nie eine 1:1-Absicherung sein können.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ja, Short-ETFs können eine sinnvolle Ergänzung zur Strukturierung eines Depots sein. Sofern Sie die damit einhergehenden Risiken beachten.

Natürlich wird der eine oder andere von Ihnen nun wissen wollen, ob das nur auf der Aktienseite geht. Nein, es gibt auch Short-ETFs auf Rentenindizes. Eines der am stärksten nachgefragten Produkte ist ein ComStage ETF auf den Bund-Future Short. Hierbei nutzt der ETF den Zusammenhang zwischen dem Kurs eines festverzinslichen Wertpapiers und dem Zins. Denn für Rentenpapiere gilt, dass bei steigenden Zinsen der Kurs eines Bonds fällt und umgekehrt. Im Falle eines Short-ETF auf den Bund-Future passiert Folgendes: Steigen die Zinsen, so gehen die Preise der zugrunde liegenden Anleihen zurück. Das ist vergleichbar mit einem fallenden MDAX in unserem Beispiel oben. Als Folge steigt der Short-ETF im Preis. Die Pfadabhängigkeit und die anderen Hinweise gelten hierbei natürlich analog.

Wie immer wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments!

Bitte bleiben Sie ComStage ETFs gewogen!