»Einmalanlage oder Sparplan?«

ETF-Kolumne

»Einmalanlage oder Sparplan?«

»Wie sollte ich am besten mein Geld anlegen: Als Einmalanlage oder über einen Sparplan?« Diese Frage wurde mir in den vergangenen Wochen und Monaten häufiger gestellt. Kein Wunder nach den Marktturbulenzen im vergangenen Jahr und zu Beginn des Jahres 2019. Denn für viele von Ihnen stellt sich natürlich die Frage, ob die Marktkorrektur einen Einstieg nahelegt oder doch eher zu weiterer Vorsicht mahnt.

Generell betrachtet geht an der Aktie nach wie vor kein Weg vorbei. Das Zinsniveau ist niedrig, und es sieht auch nicht gerade so aus, als ob sich dies auf absehbare Zeit ändern wird. Und selbst wenn die Europäische Zentralbank ihren seit 2008 eingeschlagenen Kurs ändert, was viele Analysten nicht vor Ende 2019, ja eher 2020 erwarten, so wird dies kaum heißen, dass die Zinsen mit einem Mal nach oben schießen. Viel wahrscheinlicher ist es anzunehmen, dass das Zinsniveau moderat bleiben wird und der langfristig einen Kapitalzuwachs erwartende und benötigende Investor Aktien in seinem Portfolio braucht. Womit sich die Eingangsfrage nach der Rentierlichkeit einer Einmalanlage oder eines Sparplans stellt.

Die Einmalanlage erfordert von Investoren zweierlei: eine größere Geldsumme zu Beginn und gute Nerven während des Anlagezeitraums. Eine höhere Hürde für den Anlagebetrag leitet sich allein schon dadurch ab, dass beim Investieren Gebühren anfallen – die Transaktionskosten, die von der Bank Ihres Vertrauens erhoben werden und die von Institut zu Institut schwanken. Der Lohn ist eine nahezu immer bessere Wertentwicklung bei der Einmalanlage. Zumindest, wenn Sie die Vergangenheit zugrunde legen, was die einzige verlässliche Quelle für Vergleiche ist, ist doch die Zukunft unsicher. Natürlich können Sie Modellrechnungen so anlegen, dass dies anders aussieht und sich ein anderes Ergebnis einstellt. Aber deshalb heißen Modellrechnungen auch Modellrechnungen. Uns interessiert aber das reale Anlegerleben. Nehmen wir an, Sie haben eine Summe von 24.000 Euro, die Sie anlegen möchten, und zwar über die nächsten 20 Jahre. Was passiert? Es wäre sehr ungewöhnlich und widerspräche jeglicher Erfahrung, wenn die Märkte in diesem Zeitraum nicht schwanken würden. Mal steigen sie und verschaffen Ihnen gute Laune, mal fallen sie und Sie ärgern sich. Glücklich, wer sich selbst vorher einen Plan zurechtgelegt hat und somit auch in schlechten Phasen durchhält. Was übrigens auch bedeutet, dass eine Anlage der eigenen Risikotoleranz entsprechen sollte. Anders ausgedrückt: Sie müssen das Auf und Ab aushalten können. Der Lohn: eine bessere Wertentwicklung als bei einer Anlage mittels eines Sparplans.

»Ist ein Sparplan also doch keine so gute Idee?«, werden Sie nun fragen. »Nein, auf keinen Fall!«, ist meine Antwort. Beginnen wir bei der Anlagesumme: Ich habe bewusst zuvor die 24.000 Euro der Einmalanlage gewählt. Denn für viele Privatinvestoren ist eine Summe von 100 Euro pro Monat über 20 Jahre eine leicht anzusparende Summe. Macht bei 12 Sparplanausführungen pro Jahr und 20 Jahren Laufzeit 24.000 Euro, die man erst einmal haben muss, aber vielleicht nicht ad hoc hat. Ein entscheidender Vorteil für den Sparplan auf dem Weg zum Vermögensaufbau. Denn den gibt es schon ab einer Anlagesumme von 25 Euro pro Monat sehr kostengünstig, vielfach sogar ohne jegliche Transaktionskosten.

Und nun kommt ein weiterer Zusatzeffekt hinzu: der Durchschnittskosteneffekt – den Sie auch unter Cost Average Effect im Internet finden. Da Sie in unserem Beispiel jeden Monat 100 Euro investieren, kaufen Sie mal mehr und mal weniger Anteile. Erlauben Sie mir, an dieser Stelle doch auf die zuvor verschmähte Modellrechnung einzugehen. Denn dann würde sich zeigen, dass idealerweise zu Beginn der Ansparphase die Märkte nur fallen und Sie somit sehr viele Anteile erwerben. Wenn dann nach zum Beispiel der Hälfte der Zeit die Kurse langsam und danach immer stärker anziehen, können Sie sehr gut in die Nähe der Wertentwicklung einer Einmalanlage kommen. Und das deutlich nervenschonender, denn es sind ja immer »nur« 100 Euro, die Sie investieren und die vom Gefühl her im Feuer stehen. Schlecht ist ein Sparplan nicht, betrachten Sie nicht nur die reine Wertentwicklung, sondern schauen Sie auf das Gesamtpaket.

Noch ein Argument spricht für den Sparplan: Sie können die 100 Euro in unserem Beispiel jeden zweiten oder dritten Monat auf ein anderes Anlagethema verteilen und so ein sehr breites Anlageuniversum aufbauen. Außerdem können Sie die Beträge aufstocken, wenn Sie mehr Geld zur Verfügung haben. Bei der Einmalanlage mussten Sie sich ganz am Anfang festlegen. Eine Zusatzfrage bleibt aber jetzt noch offen: Unterstellt, Sie hätten die 24.000 Euro heute. Sollten Sie das Geld dann an einem Tag anlegen oder doch auf zwei, drei oder gar vier Tage aufteilen? Da niemand ernsthaft mit großer Treffergenauigkeit die Kurse des nächsten Tages oder auch der nächsten Woche vorhersagen kann, beruhigt ein solches Vorgehen eher das Gefühl, nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt erwischt zu haben, als dass es über einen Zeitraum von 20 Jahren einen wirklich nennenswerten Einfluss auf die Wertentwicklung hat. Weder positiv noch negativ.

Wie immer wünschen wir Ihnen viel Erfolg mit Ihren Anlagen!

Bitte bleiben Sie ComStage ETFs gewogen.