Europäische Indizes im Vergleich

Europäische Indizes im Vergleich

In Europa investieren

Die griechische Dauerkrise, der überraschende Brexit, eine uneinheitliche Flüchtlingspolitik, das abgelehnte Italien- Referendum sowie die französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2017 – die Europäische Union (EU) kommt nicht zur Ruhe. Nichtsdestotrotz bleibt Europa für viele Anleger eine beliebte Region. Exportstarke Unternehmen und traditionsreiche Firmen können Jahr für Jahr die Investoren überzeugen. Wer mit einem ETF diversifiziert in europäische Aktien dieser Unternehmen investieren möchte, kann dabei auf eine Vielzahl unterschiedlicher Indizes zurückgreifen. Die genauen Unterschiede sind aber nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.

Bevor ein Anleger sich für einen bestimmten ETF (Exchange Traded Fund) entscheidet, sollte er sich mit der Wahl des passenden Index vertraut machen – so auch auf dem europäischen Aktienmarkt. Sowohl Privatanlegern als auch institutionellen Investoren stehen neben dem der breiten Öffentlichkeit geläufigen EURO STOXX 50 und dem STOXX Europe 600 weitere Indizes wie der MSCI Europe oder der MSCI EMU zur Verfügung. Da sich die Indizes in der Art und Weise der Berechnung sowie in ihrer Zusammensetzung jedoch unterscheiden, fallen auch der historische Vergleich der Wertentwicklung und die Schwankungsrisiken unterschiedlich aus. Der Teufel steckt einmal mehr auch hier im Detail.

Erst Index, dann ETF
Zwei grundlegende Entscheidungskriterien bei der Auswahl von ETFs sind die historische Entwicklung des zugrunde liegenden Index sowie die damit verbundenen Schwankungsrisiken. Ein Aktienmarktindex, der eine konstante Wertentwicklung von 3 bis 4 Prozent erwirtschaftet, aber nur geringen Marktschwankungen unterliegt, kann für risikoaverse Anleger eine interessantere Anlage sein als ein Index, der bei größeren Ausschlägen zweistellige Renditen erzielt. Es ist immer ein Zusammenspiel aus Chance auf der einen Seite und Risiko auf der anderen. Da ein ETF in der Regel die Wertentwicklung eines Index abzüglich der Kosten eins zu eins nachvollzieht, sollten sich Anleger deshalb zuerst für einen bestimmten Index entscheiden, bevor sie sich einen passenden ETF aussuchen.

Europa oder Eurozone
Über die Jahre hinweg haben sich vier große Indizes der beiden Indexanbieter STOXX Limited und MSCI Incorporated am Markt etabliert. Während sich der EURO STOXX 50 sowie der MSCI EMU lediglich auf Unternehmen in der Eurozone beschränken, bilden sowohl der STOXX Europe 600 als auch der MSCI Europe den gesamten europäischen Aktienmarkt inklusive Großbritannien und der Schweiz ab (Tabelle 1).

Tabelle 1: Europäische Aktienindizes im Vergleich

Anlageregion

Index

Indexuniversum

Eurozone

EURO STOXX 50

Der EURO STOXX 50 umfasst Aktien von 50 branchenführenden Unternehmen aus elf Ländern der Eurozone. Frankreich, Deutschland und Spanien vereinen 79,8 Prozent des Index. Banken und Industriegüter stellen die beiden größten Branchen des Index. Für jeden einzelnen Titel besteht jedoch eine Gewichtungsobergrenze von 10 Prozent.

MSCI EMU

Der MSCI EMU setzt sich aus 241 Aktientiteln großer und mittlerer Unternehmen aus zehn entwickelten Aktienmärkten in der Eurozone (Europäische Währungsunion) zusammen. Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Spanien stellen dabei rund 80 Prozent der Indexmitglieder. Italien ist mit knapp 6,5 Prozent ebenfalls rege vertreten. Die Branchen mit dem größten Gewicht sind dabei Banken, Industrie- sowie Konsumgüter. An der Spitze der gewichtigsten Aktien im Index steht allerdings mit Total ein französisches Unternehmen aus dem Energiesektor.

Europa

STOXX Europe 600

Der STOXX Europe 600 setzt sich aus 600 europäischen Unternehmen mit hoher, mittlerer und niedriger Kapitalisierung zusammen. In drei Schritten werden jeweils 200 Titel für den STOXX Large, Mid und Small ausgewählt und anschließend zum STOXX Europe 600 kombiniert. Die Gewichtungsobergrenze für einzelne Titel liegt hier bei 20 Prozent.

MSCI Europe

Der MSCI Europe setzt sich aktuell aus 446 Aktientiteln großer und mittlerer Unternehmen aus 15 entwickelten Aktienmärkten aus Gesamteuropa zusammen. Großbritannien ist mit etwas über 28 Prozent das Land, das am stärksten im Index vertreten ist. Dahinter folgen Frankreich, Deutschland und die Schweiz, die jeweils rund 15 Prozent für sich beanspruchen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die drei größten Aktien im Index – Nestlé, Novartis und Roche – aus der Schweiz kommen.

Stand: 31. Oktober 2016; Quelle: STOXX Ltd., MSCI Inc.

Wichtig zu wissen: Die Indizes werden auf gängigen Finanzportalen und in anderen Publikationen in der Regel als Kursindizes dargestellt. Dividendenzahlungen und Kapitalveränderungen werden nicht miteingerechnet. Diese Kursindizes dienen hauptsächlich auch als Basis für ETFs, Zertifikate und andere strukturierte Wertpapiere. Allerdings wird jeder dieser Indizes ebenfalls als Performanceindex – also unter Berücksichtigung anfallender Dividendenzahlungen – berechnet. Diese Indizes bleiben jedoch weitestgehend in der Praxis unberücksichtigt.

Alle vier Indizes werden nach dem entsprechenden Börsenwert der gehandelten Unternehmensaktien gewichtet. Je mehr also ein Unternehmen wert ist, desto größer ist sein Gewicht im jeweiligen Index. Dies macht die Diversifikation für den Anleger etwas schwieriger. Anleger können nicht anhand der Anzahl der Aktien innerhalb eines Index eindeutig auf eine breiter gestreute Anlage hoffen. Eine tiefere Analyse der einzelnen Gewichte ist unabdingbar. Ein Blick auf die Zusammensetzung verrät: In der Anzahl der im Index enthaltenen Unternehmen unterscheiden sich die Indizes sehr deutlich. Während im EURO STOXX 50 – wie der Name bereits verrät – 50 Unternehmen aus der Eurozone enthalten sind, vereint der MSCI EMU satte 241 Aktientitel. Nahezu doppelt so viele Unternehmen kann der MSCI Europe aufweisen, der mit 446 Aktien immer noch deutlich weniger Titel in sich vereint als der STOXX Europe 600 (siehe Tabelle 1). Bei all den großen Unterschieden bei der Anzahl der Aktien im Index ist sowohl die Aufteilung nach Ländern als auch die nach Sektoren bei allen vier Indizes hingegen sehr ähnlich. Während Frankreich und Deutschland bei allen Indizes eine gewichtige Rolle spielen, sind es speziell die Finanzdienstleister und Industrieunternehmen sowie Pharma-Aktien, die die vorderen Plätze in der Gewichtung einnehmen.

Vergleich der Wertentwicklung
Aufgrund der ähnlichen Zusammensetzung der vier Indizes verläuft auch die historische Wertentwicklung in den vergangenen Jahren annähernd gleich (siehe Tabelle 2). Alle Indizes haben auf Basis der vergangenen zwölf Monate unter dem Strich etwa 10 Prozent an Wert eingebüßt. Steigen die Aktienmärkte jedoch langsam und sukzessive an, wie in den vergangenen fünf Jahren, so vollziehen auch die Indizes diese Entwicklung nach. Die beiden MSCI-Indizes können sich auf den ersten Blick in Phasen wie diesen immer wieder von den beiden STOXX-Indizes absetzen (siehe Grafik 1). Doch der Schein trügt. Mit Blick auf die Zahlen zeigt sich, dass sowohl der EURO STOXX 50 als auch der STOXX Europe 600 auf Sicht von fünf Jahren die anderen beiden Indizes deutlich hinter sich lassen. Die Unterschiede zwischen den vier Indizes werden somit in den extremen Marktphasen noch deutlicher. Für Investoren kann es aus diesem Grund sehr wohl eine entscheidende Rolle spielen, in welchem Index das Kapital in welchem Zeitraum gebunden ist. Anhand zweier Beispiele möchten wir uns dies genauer ansehen.

Tabelle 2: Vergleich Wertentwicklung europäischer Aktienindizes

Vergleich 10 Jahre

Vergleich 5 Jahre

Vergleich 1 Jahr

Vergleich Finanzkrise 2008 bis 2010

Vergleich Rallye Q1/2015

EURO STOXX 50 Return

–21,20 %

21,65 %

–10,60 %

–27,73 %

14,90 %

STOXX Europe 600 Return

–2,85 %

40,97 %

–8,43 %

–21,64 %

16,54 %

MSCI EMU TRN

–31,18 %

13,46 %

–9,22 %

–38,64 %

7,93 %

MSCI Europe TRN

–24,56 %

9,27 %

–9,85 %

–29,66 %

5,34 %

Stand: 2. Dezember 2016; Quelle: Thomson Reuters

Grafik 1: Vergleich Wertentwicklung europäischer Aktienindizes
Grafik 1: Vergleich Wertentwicklung europäischer Aktienindizes
Stand: 2. Dezember 2016; Thomson Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Mit Blick auf schwierige Marktphasen, wie die Finanzkrise zwischen 2008 und 2010, zeigt sich, dass der STOXX Europe 600 und der EURO STOXX 50 jeweils weniger an Wert verloren haben als die beiden MSCI-Indizes. Auch in der Spitze gingen der STOXX Europe 600 (–61,37 Prozent) und der EURO STOXX 50 (–59,19 Prozent) in dieser Zeit weniger in die Knie als der MSCI EMU und der MSCI Europe. Diese beiden Indizes verloren vom Hoch zum Tief jeweils etwa 65 Prozent an Wert. Auffällig ist zudem, dass die beiden Indizes, die Aktien aus Gesamteuropa vereinen, weniger unter der Finanzkrise zu leiden hatten als die der Eurozone. Die breitere Aufstellung über Gesamteuropa erweist sich in Krisenzeiten als robuster, auch wenn natürlich eindeutig zu sehen ist, dass alle vier Indizes in diesen beiden Jahre unter heftigem Verkaufsdruck gelitten haben.

Im umgekehrten Fall – also im Fall eines stark steigenden Aktienmarktes, wie es im ersten Quartal 2015 der Fall war – konnte sich der STOXX Europe 600 mit einem satten Plus von 16,54 Prozent von den Vergleichsindizes etwas absetzen (siehe Tabelle 2), was sich auch auf Sicht von fünf Jahren eindrucksvoll bestätigt.

Gesamteuropa schlägt die Eurozone
Das Ergebnis ist spannend und lässt mit Sicherheit auch viele Befürworter des EURO STOXX 50 einmal »über den Tellerrand« hinausschauen. Speziell der STOXX Europe 600, der die entwickelten Volkswirtschaften ganz Europas abbildet, stellt dabei eine interessante Alternative dar. Der STOXX Europe 600 kann nicht nur mit einer besseren Wertentwicklung in stark steigenden Märkten und auf Sicht von fünf Jahren punkten, sondern zeigte sich in der Vergangenheit auch in Krisenzeiten robuster. Der Index aus der STOXX-Familie könnte somit nicht nur auf Basis der historischen Wertentwicklung, sondern auch aufgrund seiner Zusammensetzung und Größe aus Gründen der Diversifikation und Abdeckung des europäischen Aktienmarkts eine spannende Alternative darstellen. Der EURO STOXX 50, der häufig als die führende Benchmark in Europa bezeichnet wird, schnitt bei dieser Betrachtung eher ernüchternd ab und zeigte gerade in fallenden Marktphasen und in der langen Frist teilweise Schwächen auf. Vergleicht man ihn jedoch mit dem MSCI EMU, der ebenfalls die Aktien der Eurozone abdeckt, wird er seinem Ruf als der »EU-Index« gerecht.

Fazit
Ob diese Analyse auch noch in 15 Jahren Bestand haben wird, wird sich zeigen. In die Zukunft schauen können wir leider alle nicht. Anleger haben also die Qual der Wahl zwischen einer diversifizierteren Anlage in den gesamteuropäischen Raum und einer Beschränkung auf die Europäische Währungsunion. Aber nicht nur die Zusammensetzung des Index ist bei der Auswahl ausschlaggebend, Anleger sollten auch immer den jeweiligen Index mit Bezug auf ihr gesamtes Portfolio betrachten und sich folgende Fragen stellen: Welche Aktien bildet der Index ab und wie hoch ist die Gewichtung der einzelnen Aktien, Sektoren und Länder? Und wie hoch ist dieser Anteil bereits in meinem Portfolio? Ergeben sich dabei jedoch neue Investitionsmöglichkeiten in europäische Aktien bzw. sehen sie hier noch Potenzial in ihrem Portfolio, kann sich der Blick weg vom »Mainstream«-Index hin zu anderen Alternativen durchaus lohnen – speziell bei den weiter anhaltenden Unsicherheitsfaktoren der Eurozone.

Anlageidee: ComStage ETFs auf europäische Aktienindizes

Sie sind auf der Suche nach europäischen Aktien-ETFs zur ausgewogenen Zusammenstellung Ihres Depots?

Ganz gleich, wo Sie Ihren Schwerpunkt setzten möchten, auf die Eurozone oder Gesamteuropa – bei ComStage werden Sie fündig.

Auch wenn es sich bei den genannten Indizes um Kursindizes handelt, profitieren ComStage ETF-Investoren an anfallenden Dividendenzahlungen der im Index enthaltenen Unternehmen. Dies führt in der Regel dazu, dass sich ComStage ETFs, die auf Kursindizes basieren, besser entwickeln als die zugrunde liegenden Indizes selbst.

Während es sich bei den thesaurierenden ETFs um Swap-basierte ETFs handelt, erfolgt die Abbildung des ausschüttenden ETF mit der WKN ETF 950 durch physische Replikation ohne Wertpapierleihe. Was der genaue Unterschied ist, können Sie in der Ausgabe Q1/2016 von OnStage nachlesen.

Ein Überblick über die gesamte Auswahl an ComStage ETFs steht Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

EURO STOXX 50 Return

ETF 050

0,08 %

Thesaurierend

66,59/66,61 EUR

STOXX Europe 600 NR

ETF 060

0,20 %

Thesaurierend

72,01/72,03 EUR

MSCI EMU

ETF 112

0,25 %

Thesaurierend

25,46/25,50 EUR

MSCI Europe TRN

ETF 111

0,25 %

Thesaurierend

51,41/51,43 EUR

ComStage 1 UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

EURO STOXX 50

ETF 950

0,15 %

Ausschüttend

32,89/32,93 EUR

Stand: 28. Dezember 2016; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.