Das Aktien-Weltportfolio – Wie viele ETFs müssen es sein?

ETF im Fokus

Das Aktien-Weltportfolio – Wie viele ETFs müssen es sein?

»Suche nicht die Nadel im Heuhaufen, kaufe einfach den Heuhaufen«, so lautete eines der bekannten Zitate des US- amerikanischen Unternehmers und Autor wirtschaftswissenschaftlicher Bücher John Clifton Bogle. Im Jahr 1974 gründete Bogle die Investmentgesellschaft The Vanguard Group und legte dort einen der ersten Indexfonds auf. Was damals eine Sensation war, ist heute der Kassenschlager auch in den Depots vieler deutscher privater und institutioneller Anleger.

Überträgt man den »Heuhaufen« in die heutige Börsenwelt, so landet man im Prinzip beim sogenannten »Weltportfolio«, also dem Inbegriff der Diversifikation. Da das Abbilden eines Aktien-Weltportfolios für den normalen Privatanleger mit Einzelaktien so gut wie unmöglich ist und aktiv gemanagte Fonds häufig mit zu hohen Kosten behaftet sind, beherzigen immer mehr Anleger die Worte Bogles und nutzen vermehrt die Vorteile von ETFs zur Zusammenstellung ihres Portfolios.

Doch wie viele ETFs benötigt ein Anleger, um ein breit diversifiziertes Aktien-Weltportfolio aufzubauen?
Diese Frage stellen sich viele Anleger, die ihre Investments überschaubar und einfach handhabbar halten wollen. Dies ist besonders dann wichtig, wenn zum Beispiel Sparpläne genutzt werden oder das Wertpapierdepot aufgrund von zahlreichen Aktienpositionen unübersichtlich geworden ist.

Der erste Schritt zum Weltportfolio
Intuitiv würden die meisten Anleger sicherlich im ersten Schritt zu einem ETF auf den MSCI World (zum Beispiel den ComStage MSCI World UCITS ETF, WKN: ETF 110) greifen. Kein Wunder, denn dieser Index zählt unbestritten zu den wohl bekanntesten Aktienindizes der Welt.

OnStage-Leser, die unsere Rubrik »ETF im Fokus« quartalsweise verfolgen, erinnern sich sicherlich noch an den detaillierten Beitrag zum MSCI World aus der Ausgabe Q2 2016. Für alle anderen das Wichtigste zum Index noch mal in Kürze:

Die vier Buchstaben MSCI stehen als Abkürzung für »Morgan Stanley Capital International« und damit für die zwei Gründerfirmen des über 40 Jahre alten Indexanbieters MSCI Inc. Seit 2009 ist der Indexanbieter jedoch unabhängig und eine börsengehandelte Aktiengesellschaft.

Beim MSCI World Index besteht die Grundsystematik darin, den Index mit Aktien aus 23 entwickelten Ländern weltweit abzubilden. Hierbei wird das Gewicht einer einzelnen Aktie durch ihre jeweilige Marktkapitalisierung bestimmt. Der MSCI World Index beinhaltet ca. 1.600 Aktientitel und deckt damit ca. 85 Prozent der Streubesitzmarktkapitalisierung des jeweiligen Landes ab. Insgesamt ist der MSCI World ein stark diversifizierter Index, der eine große Anzahl von Ländern und Währungen widerspiegelt. Ein wesentliches Merkmal ist, dass der Index allerdings nur große Unternehmen aus entwickelten Ländern berücksichtigt. Aktien aus Entwicklungsländern (Emerging Markets) und Aktien kleiner Unternehmen (Small Caps) sind im Index nicht enthalten. Zu beachten ist zudem die hohe Gewichtung der USA (mit ca. 60 Prozent) und eine leichte Konzentration auf einige Branchen.

Grafik 1: All Country World Index und Schwellenländer-Index

Grafik 1: All Country World Index und Schwellenländer-Index
Stand: 23. Februar 2017; Quelle: MSCI Inc.
1 Die West African Economic and Monetary Union (WAEMU) besteht aus den folgenden Ländern: Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo. Zurzeit beinhalten die MSCI WAEMU-Indizes in Senegal, Elfenbeinküste und Burkina Faso klassifizierte Wertpapiere.
2 Pakistan wird vom Frontier-Markt zum Schwellenland zurückgestuft (tritt im Mai 2017 in Kraft).

Der zweite Schritt zum Weltportfolio
Bei einem tieferen Blick auf die Zusammensetzung des MSCI World Index wird recht schnell deutlich, dass der Index alleine für die Abbildung eines Weltportfolios nicht ausreicht. Im zweiten Schritt liegt es daher nahe, den ETF auf den MSCI World mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets (zum Beispiel der ComStage MSCI Emerging Markets UCITS ETF, WKN: ETF 127) zu kombinieren.

Diese zwei Indizes bilden in Summe fast 2.500 Aktien aus 46 Ländern ab. Eine breite Streuung mit nur zwei ETF-Depotpositionen ist also durchaus möglich.

Schaut man hinter die Systematik der beiden Indizes, so fällt schnell auf, dass nur zwei »Typen« von Aktienmärkten abgedeckt werden (siehe Grafik 1): Der MSCI World konzentriert sich auf die entwickelten Länder und der MSCI Emerging Markets auf die Schwellenländer. Dabei nutzt der Indexanbieter MSCI Kriterien wie ökonomischer Entwicklungsstand des Landes, Größe und Liquidität des jeweiligen Aktienmarktes sowie Qualität des Marktzugangs für ausländische Investoren. Außen vor bleiben folglich die Länder, die weder Industrienationen noch Schwellenländer sind. Diese sogenannten »Frontier-Märkte« sind Aktienmärkte in Ländern unterhalb der Kategorie »Schwellenländer«. Beispiele hierfür sind Jordanien, Argentinien oder Vietnam. Diese Aktienmärkte sind relativ klein und die Handelbarkeit der Aktien häufig schwierig. Daher werden sie weder durch den MSCI World noch durch den MSCI Emerging Markets abgedeckt.

Unter dem Strich erreicht man mit der Kombination der beiden ETFs eine sehr kostengünstige und übersichtliche Möglichkeit, relativ nah an ein gut diversifiziertes Aktien-Weltportfolio heranzukommen. Dennoch sollten Anleger folgende Punkte beachten:

Es ergibt sich eine Konzentration auf einige wenige Länder (und damit einhergehend das entsprechende Währungsrisiko bzw. die -chance). So hat beispielsweise der MSCI World einen US-Aktienanteil von ca. 60 Prozent und der MSCI Emerging Markets ist mit 27 Prozent in China, mit 14,4 Prozent in Korea und mit 12,2 Prozent in Taiwan gewichtet.

Aufgrund der geringen Gewichtung von deutschen Aktien im MSCI World (3,3 Prozent), ist der Home-Bias – also der Investmentschwerpunkt des Heimatlandes – für einen deutschen Investor nicht gegeben.

Da beide Indizes im Wesentlichen nur große Unternehmen berücksichtigen, sind Aktien kleiner aufstrebender Unternehmen (Small Caps) im Index nicht enthalten. Auch wenn es dafür keine Garantie gibt, können kleinere Unternehmen jedoch vor allem in guten Börsenjahren einen stärkeren Kursanstieg aufweisen als die bereits etablierten großen Konzerne. In schwachen Aktienjahren wiederum besteht die Gefahr, dass kleinere Unternehmen dagegen stärker an Wert verlieren.

Der letzte Schritt zum Weltportfolio
Aufgrund der genannten Gründe sollten Investoren die finale Zusammenstellung ihres Aktien-Weltportfolios gut überdenken.

Viele deutsche Investoren ergänzen die Mischung aus MSCI World und MSCI Emerging Markets daher noch um ein heimatnahes Investment. Dies ist häufig ein ETF, der ausschließlich aus deutschen Aktien besteht oder aber auch ein ETF auf europäische Titel, bei dem Deutschland ein großes Gewicht hat. So ist es möglich, nach persönlichen Vorlieben bestimmte Regionen noch höher zu gewichten.

Aber nicht nur die Ergänzung aus Deutschland- und Europa-ETFs kann für Investoren interessant sein. Dieselbe Möglichkeit bieten Indizes anderer Länder, speziell auf Branchenindizes aufgelegte ETFs, die nur Aktien aus einem Sektor enthalten und so sehr zielgenau ein Investment in diese Unternehmen ermöglichen. Der paneuropäische STOXX Europe 600 bietet beispielsweise 19 Branchenindizes an.

Auch der Aspekt der Small Cap-Unternehmen kann durch die Hinzunahme von ETFs, die sich speziell auf Aktien kleinerer Unternehmen spezialisiert haben, ausgeglichen werden. Ganz egal, ob deutsche Unternehmen (zum Beispiel der ComStage SDAX UCITS ETF, WKN: ETF 005), europäische Aktiengesellschaften (zum Beispiel der ComStage MSCI Europe Small Cap UCITS ETF, WKN: ETF 126) oder Unternehmen aus den USA zum Beispiel der ComStage MSCI USA Small Cap UCITS ETF, WKN: ETF 123) – Anleger haben die freie Wahl. Bei dem ComStage MSCI USA Small Cap UCITS ETF mit der Wertpapierkennnummer ETF 123 beachten Sie bitte die Umstellung des zugrundeliegenden Index. Mehr dazu erfahren Sie auf Seite 6.

Fazit
Für Aktienanleger, die es sehr einfach und überschaubar halten möchten, kann ein Portfolio aus weltweiten Industrienationen-Aktien und Schwellenländer-Aktien eine Möglichkeit sein. Ein erheblich individuelleres und auf den Investor angepasstes Portfolio wird jedoch eher die Mindestanzahl von vier bis sechs ETFs enthalten. Insbesondere die höhere Gewichtung des Heimatmarktes Europa bzw. Deutschland ist bei vielen deutschen Anlegern beliebt.

Zusätzlich ist noch zu beachten, dass lediglich die Aktienquote im Portfolio abgedeckt ist. Aus Risikooptimierungsgründen sollte jedoch noch über eine Diversifikation in andere Anlageklassen nachgedacht werden: Anleihen und gegebenenfalls Rohstoffe bieten sich hierzu für die meisten Investoren an. Des Weiteren ist die Risikotoleranz eines jeden Anlegers immer eine Momentaufnahme und so sollte auch die grundlegende Aufteilung des eigenen Weltportfolios aufgrund des persönlichen Chance-/Risiko-Verhältnisses regelmäßig überprüft werden.

Anlageidee: ETFs – weltweit und regional

Ein großer Vorteil von einer Anlage in ETFs ist, dass sich mit nur einem oder wenigen Investments ein breites Spektrum im Depot abbilden lässt. Wie schon erwähnt, kann mit einem ETF auf den MSCI World Index (WKN: ETF 110) an der Entwicklung von über 1.600 Unternehmen aus über 20 entwickelten Ländern partizipiert werden. Erträge werden in diesem ETF thesauriert.

Zudem gibt es Indizes, die sich auf spezielle Regionen und Themen beziehen. Der MSCI Emerging Markets Index bildet beispielsweise über 800 börsennotierte Unternehmen aus über 25 Schwellenländern ab. Mit einem ETF auf diesen Index (WKN: ETF 127) kann der Anleger an einem Portfolio von Standard- und Nebenwerten über sämtliche Sektoren teilhaben. Auch hier werden die Erträge im ETF thesauriert. Da bei diesen ETF die Fondswährung US-Dollar, die Handelswährung aber Euro ist, sollten Anleger das Wechselkursrisiko beachten.

Für einen regionaleren Fokus bietet sich beispielsweise der STOXX Europe 600 (WKN: ETF 060) an. Dieser Index bietet unter den europäischen Indizes die breiteste Streuung – mit 600 Unternehmen aus 18 europäischen Ländern. Anleger, die den schon genannten »Home Bias« in ihr Portfolio bringen möchten, haben die Möglichkeit, in einen ETF auf den DAX (WKN: ETF 901) zu investieren. Die Besonderheit bei diesem ETF ist, dass dieser vollreplizierend ist und Wertpapierleihe ausschließt. Anfallende Erträge werden bei diesem ETF einmal jährlich ausgeschüttet.

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

MSCI World

ETF 110

0,20 %

Thesaurierend

46,97/46,98 EUR

MSCI Emerging Markets

ETF 127

0,25 %

Thesaurierend

38,78/38,81 EUR

STOXX Europe 600

ETF 060

0,20 %

Thesaurierend

75,08/75,12 EUR

DAX 30

ETF 901

0,15 %

Ausschüttend

115,94/115,97 EUR

SDAX

ETF 005

0,70 %

Thesaurierend

94,88/95,11 EUR

MSCI Europe Small Cap

ETF 126

0,35 %

Thesaurierend

38,80/38,89 EUR

MSCI USA Small Cap

ETF 123

0,35 %

Thesaurierend

37,69/37,81 EUR

Stand: 23. März 2017; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.