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Interview mit Dominique Riedl, Gründer und Geschäftsführer der justETF GmbH

Wie kauft man einen ETF? – Antworten auf die häufigsten Fragen

Um einen ETF zu kaufen, benötigt man lediglich ein Depot – am besten ein kostenfreies bei einer Bank mit attraktiven ETF-Konditionen. Was außerdem wichtig ist, erläutert Ihnen Dominique Riedl im Interview.

Herr Riedl, wo kann man Exchange Traded Funds kaufen?
Überall, wo man auch Aktien kaufen kann. Denn Exchange Traded Funds (ETFs) werden wie Aktien an der Börse gehandelt und wie Aktien gekauft und verkauft. Die meisten Anleger nutzen dazu einen kostengünstigen Onlinebroker oder eine traditionelle Bank. Auch Fonds-Discounter haben oft ETFs im Angebot, bieten jedoch keinen Börsenhandel an.

Wie kaufe ich einen ETF?
Dazu benötigen Sie ein Depot bei einem Onlinebroker oder einer Bank. Wenn Sie einen bestimmten ETF ordern wollen, brauchen Sie seinen Namen und seine Wertpapierkennung (kurz WKN oder ISIN) und müssen entscheiden, wie viele Stücke Sie davon erwerben möchten. Der Kauf selbst dauert nur wenige Sekunden, das können Sie auch bequem online machen.

Wie hoch sind die Gebühren beim ETF-Kauf?
Das hängt vom Preismodell des Onlinebrokers ab. Die Standardgebühren sind in der Regel 5 bis 10 Euro plus eine vom Handelsbetrag abhängige Gebühr von 0,25 Prozent. Die Gebühr pro Kauf ist typischerweise auf einen Maximalbetrag begrenzt. Attraktiv sind insbesondere die Flat-Fee-Angebote von Discountbrokern wie onvista oder Aktionsangebote, bei denen die volumenabhängige Gebühr bzw. die gesamten Gebühren entfallen. Einen guten Überblick über die verschiedenen Gebührenmodelle bietet unser Onlinebroker-Vergleich, den Sie kostenfrei auf unserer Webseite www.justetf.com finden.

Wie verkaufe ich einen ETF?
Über die Bank oder den Onlinebroker, bei dem Sie den ETF gekauft haben und im Depot halten. Sie können ETFs auch über die Börse verkaufen.

An welchen Börsen werden ETFs gehandelt?
In Deutschland sind das die elektronische Handelsplattform XETRA, die Börse Stuttgart und weitere Regionalbörsen. ETFs, die in Deutschland nicht an einer Börse gehandelt werden, können an ausländischen Börsen wie zum Beispiel der London Stock Exchange (Londoner Börse), der Euronext (Pariser Börse) und der SIX Swiss Exchange (Schweizer Börse) gekauft und verkauft werden. Die Ordergebühren sind dort aber höher als beim ETF-Handel in Deutschland.

Kann ich einen ETF direkt vom Anbieter kaufen?
Nein. ETFs können im Gegensatz zu Investmentfonds nicht direkt beim Anbieter (dem Emittenten) gekauft werden. Das geht bei Aktien auch nicht. Die Gebühren im ETF-Handel sind aber so niedrig, dass der Preis für die Flexibilität und Liquidität von ETFs sehr klein ist.

Was ist beim außerbörslichen Handel von ETFs zu beachten?
Im sogenannten Direkthandel sind der Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen auf den Handelsplattformen TradeGate, Lang & Schwarz, der Commerzbank oder der Baader Bank möglich.

Vorteile des außerbörslichen Handels sind die im Vergleich zum Börsenhandel niedrigeren Ordergebühren und die Möglichkeit, auch außerhalb der Börsenöffnungszeiten zu handeln. Doch hier ist Vorsicht geboten: Sind die Börsen geöffnet, werden im außerbörslichen Handel in der Regel vergleichbare Spreads gestellt wie im Börsenhandel. Sind die Börsen geschlossen, gibt es weniger Marktteilnehmer und die Liquidität sinkt. Die Folge ist: Die Kaufs- und Verkaufspreise liegen weiter auseinander, der Handel wird damit teurer.

Gibt es bei ETFs eine Geld-Brief-Spanne?
ETFs sind beim Kauf etwas teurer als beim Verkauf. Diese Differenz wird »Spread« oder »Geld-Brief-Spanne« genannt. Diese Kosten beim Handel führen dazu, dass die internen Transaktionskosten für den ETF im Vergleich zu traditionellen Fonds geringer sind, da jeder Anleger seinen Kauf und Verkauf quasi selbst bezahlt. Im Gegensatz dazu muss ein traditioneller Fondsmanager Wertpapiere verkaufen, um ausreichend Barmittel für Anteilsrückgaben zu haben.

Gibt es einen liquiden Markt für ETFs?
Hoch liquide und leicht zu handeln sind ETFs der großen Emittenten, die in Hauptmärkte investieren. Weniger liquide sind einige Schwellenländer-ETFs oder ETFs für Nischenmärkte, was sich in einer größeren Geld-Brief-Spanne widerspiegelt. Deshalb sollte man vor dem Kauf den Spread betrachten.

Gibt es zusätzliche Gebühren, die man kennen sollte?
Wie alle Investmentfonds berechnen ETFs eine jährliche laufende Gebühr, die sogenannte Gesamtkostenquote (engl.: Total Expense Ratio, TER), die von der Rendite des ETF abgezogen wird. Diese Jahresgebühr ist sehr niedrig. Darüber hinaus können weitere Gebühren anfallen, etwa die Depotgebühr der Bank. Die meisten Onlinebroker verzichten heutzutage komplett auf die Depotgebühr und bieten das Depot kostenfrei an. Hier lohnt es sich, die Angebote zu vergleichen. Bedenken Sie, dass die tatsächlichen Kosten eines ETF von der Gesamtkostenquote abweichen können.

Wann ist der günstigste Zeitpunkt, ETFs zu kaufen?
ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt, deshalb sollten Sie während der normalen Börsenöffnungszeiten ordern. Auf XETRA ist das von 9.00 bis 17.30 Uhr, bei der Börse Stuttgart läuft der ETF-Handel sogar von 8.00 bis 22.00 Uhr. Wichtig für die Liquidität und damit den Spread eines ETF sind neben den Börsenöffnungszeiten Ihres Handelsplatzes auch die Handelszeiten der Heimatmärkte der zugrunde liegenden Wertpapiere. Ein US-ETF ist am späten Nachmittag liquider, wenn die US-Börsen geöffnet sind, ein Asien-ETF hingegen früh morgens (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Börsenöffnungszeiten nach MEZ
Grafik 1: Börsenöffnungszeiten nach MEZ
Stand: August 2019; Quelle: justetf.com

Kann ich über Limitorders kaufen?
Ja, die meisten Onlinebroker unterstützen diese Funktion beim Kauf über die Börse.

Kann ich jeden ETF kaufen, den ich will?
Die meisten ETFs werden frei gehandelt, einige gelten als komplexere Investments und sind deshalb nur für erfahrene Anleger geeignet. ETFs aus den USA sind für deutsche Privatanleger nicht handelbar. Sie sollten sich auf Produkte aus Europa beschränken. Die meisten Produkte sind in Luxemburg oder Irland aufgelegt. Auf justETF finden Sie nur in Europa aufgelegte ETFs.

Kann ich einen ETF aus meinem Depot jederzeit verkaufen?
ETFs werden kontinuierlich an der Börse gehandelt, deshalb können Sie einen ETF auch jederzeit verkaufen; es gibt keine Mindesthaltedauer.

Welche Besonderheiten gibt es beim ETF-Handel im Vergleich zu traditionellen Fonds?
Traditionelle Fonds werden üblicherweise nur zum Nettoinventarwert (NAV) einmal am Tag gekauft und verkauft, ETFs werden an der Börse gehandelt.

Ein großer Unterschied ist: Bei an der Börse gehandelten ETFs kennt man im Voraus ziemlich genau den Preis, der zu zahlen ist. Beim NAV-Handel hingegen kennen Anleger zum Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt den Preis nicht und handeln damit »auf gut Glück«.

Wie beim Aktienhandel werden beim ETF-Handel während der Börsenöffnungszeiten ständig aktuelle Kurse gestellt. Kauf- und Verkaufsaufträge werden umgehend ausgeführt, sofern die Orderkriterien erfüllt sind.

Wie kommt ein ETF-Kurs zustande?
Der Kurs eines ETF kann sich sogar im Sekundentakt ändern. Die Marktteilnehmer handeln ihn an der Börse aus. Die Börse funktioniert wie ein Marktplatz, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Der Kurs des ETF ist immer der Preis, zu dem der letzte Handel an der Börse zustande kam.

Damit es ständig aktuelle Kurse gibt, werden Börsenmakler, sogenannte Market Maker, damit beauftragt, Kurse festzustellen. Sie vergleichen Angebot und Nachfrage eines ETF und legen den Kurs so fest, dass ein möglichst hoher Umsatz erzielt wird.

Die Kursfindung ist inzwischen weitgehend automatisiert. Viele Kurse werden nur noch von Computern berechnet, ohne dass ein Mensch eingreift.

Wie kann ich entscheiden, welchen ETF ich kaufen soll?
In unserer ETF-Datenbank unter www.justetf.com finden Sie umfassende Vergleiche und viele Details zu jedem einzelnen ETF, die Ihnen helfen, aus der großen Auswahl an ETFs den richtigen zu wählen. Bei der Recherche wählen Sie zuerst den passenden Index, dann vergleichen Sie alle verfügbaren ETFs und treffen Ihre Auswahl. Ein guter Ausgangspunkt sind die ETF-Suche und die justETF-Anlageleitfäden.

Eignen sich ETFs auch zur monatlichen Ansparung?
ETFs sind auch als Sparplan für regelmäßige Einzahlungen verfügbar. Doch nicht jeden ETF gibt es bei jeder Bank bzw. jedem Onlinebroker als Sparplan. Durch ein großes Aktionsangebot bieten Onlinebroker heutzutage viele ETFs komplett ohne Kaufgebühren im ETF-Sparplan an. Vergleichen lohnt sich hier besonders. Eine Übersicht über das Sparplan-Angebot in Deutschland finden Sie auch in unserem Preisvergleich.