Märkte

Branchen

Informationstechnologie – Dauerhafte Relative Stärke

Die Branche ist vor allem langfristig attraktiv. Hohe Cashflows, sehr solide Bilanzrelationen sowie die Akzentuierung des Shareholder Values charakterisieren den Sektor ebenso wie die Ausrichtung auf Trends, die die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten bestimmen werden (Cloud, Digitalisierung von Haushalten und Verkehr, Sicherheit). Trotz dieser Qualitäten besteht nach der starken Outperformance im momentanen Umfeld die Gefahr intensiverer Gewinnmitnahmen.

Dauerhafte Relative Stärke
Nach einer vorherigen Schwächephase startete die Branche Anfang 2013 einen Aufwärtstrend, der bis Ende September 2018 andauerte und vor allem 2017 sehr dynamisch ausfiel. Viereinhalb Jahre war die Informationstechnologie so klarer Outperformer an den internationalen Aktienbörsen – unterstützt durch die meist überzeugenden Ergebnisse der einzelnen Berichtsperioden. Im letzten Quartal 2018 drehte sich allerdings das Bild deutlich. Mit dem radikalen Stimmungswechsel an den Börsen kamen vor allem die mit satten Kursgewinnen ausgestatteten IT-Konzerne besonders stark unter die Räder – und dies trotz einer erneut überzeugenden Berichtssaison.

Stellvertretend kann man diesen Absturz bei Apple nachvollziehen. Der iPhone-Riese vermeldete Anfang November 2018 erneut ein Rekordquartal – allerdings verstimmte man die Anleger mit einem kritischen Ausblick für das Weihnachtsgeschäft und der Aussage, künftig keine detaillierten Absatzzahlen für iPhone, iPad und Mac zu veröffentlichen. Seither war der Spekulation um einen massiven Nachfragerückgang und eine entsprechende Reduktion der Produktion Tür und Tor geöffnet. Die Daten der Zulieferer wurden akribisch analysiert und jeder Auftragsrückgang führte zu weiteren Kursabschlägen. Apple verlor in dieser Phase mehr als ein Fünftel seines Börsenwerts.

Grafik 1: Nasdaq 100, DAX und S&P 500 im Vergleich

Informationstechnologiebranche mit dauerhafter Relativer Stärke. Indexiert: 19. September 2014 = 100

Grafik 1: Nasdaq 100, DAX und S&P 500 im Vergleich
Stand: 17. September 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Seit dem Jahresbeginn 2019 hat sich die Branche nicht nur wieder gefangen, sondern konnte deutliche neue Höchststände erreichen. Im Rahmen einer positiveren Marktstimmung gelang vor allem den IT-Titeln der Turnaround. Seither gewinnen sie sukzessive relative Stärke zum Gesamtmarkt und weisen so erneut die mit großem Abstand stärkste Performance auf. Im Rahmen dieser Entwicklung konnte der massive Einbruch des vierten Quartals 2018 bereits Anfang April 2019 wieder aufgeholt werden.

Zurzeit mehren sich am Markt die Rezessionsängste. Die deutlich zurückgekommene Konjunkturdynamik und die inverse Zinsstruktur in den USA mahnen zur Vorsicht. Die lange Zeit ignorierten politischen Risiken werden verstärkt wahrgenommen und die Anleger wenden sich zunehmend defensiven Branchen zu. Nach der massiven Outperformance sehen wir die Gefahr verstärkter Gewinnmitnahmen im IT-Sektor, zumal die Branche sehr international ausgerichtet ist und überproportional unter einem eskalierenden Handelskonflikt leiden würde.

Dessen ungeachtet bleiben wir nach wie vor von den langfristigen Wachstumsqualitäten der Branche überzeugt. Nachholinvestitionen im verbesserten Umfeld, Akzentuierung des Shareholder-Value-Gedankens, neue Innovationskraft und hervorragende qualitative Merkmale der IT-Konzerne sind die Hauptargumente für ein Engagement. Dazu addiert sich nun nach der Steuerreform auch der Rücklauf der Auslandsreserve, die inzwischen gleichermaßen in attraktive Ausschüttungen, Rückkäufe oder Investitionen mündet.

Trendsetter Apple
Ein Synonym für den Wiederaufschwung seit 2013 dürfte Apple sein. Der iMac-Entwickler hatte sich mit seiner Vorreiterrolle bei mobilen IT-Geräten wie iPhone, iPad und iPod zum erfolgreichsten Konzern der Welt entwickelt, musste aber zu Beginn der Dekade dem nachrückenden Wettbewerb Tribut zollen. Nachdem Apple seinen lange Zeit uneinholbar anmutenden Vorsprung verloren hatte, ist es inzwischen gelungen, sich mit Produktanpassungen der nachziehenden Konkurrenz zu stellen. Inzwischen startete der Marktführer eine neue Offensive im Bereich Services und Dienstleistungen mit dem Smartphone-Bezahlsystem Apple Pay, Apple Music, der Apple Watch und in Zukunft irgendwann wohl auch mit dem Apple-Car.

Die rückläufige Abhängigkeit von den Absatzzahlen des ehemaligen Marktschlagers iPhone gestaltet sich aber als zäher Prozess. Dies zeigt sich in den Zahlen zum letzten Quartal 2018: Während die Verkaufszahlen des iPhone einen Einbruch verzeichneten, konnte Apple den Umsatz mit anderen Produkten und Dienstleistungen (deren Anteil inzwischen auf knapp 40 Prozent angewachsen ist) deutlich steigern. Auch zum Jahresauftakt überzeugte insbesondere das Wachstum bei Services und Dienstleistungen (+16 Prozent).

Der Wandel in Apples Produktmix wird sich weiter fortsetzen. Aktuellstes Beispiel war die Vorstellung von Apple TV+ und Apple News+. Neue Dienste, die sich die bereits existierenden Endgeräte zunutze machen und den Konzern weiter vom einstig reinen Hardwareproduzenten hin zum Anbieter von Services und Dienstleistungen mutieren lassen.

Branche im Wandel
Die rasante Entwicklung der Branche setzt sich weiter fort. Die Unterscheidung zwischen Software- und Hardwarespezialisten ist quasi aufgehoben, man erkennt nur noch die ursprünglichen Domänen im neu angepassten Produktmix, der sich auf margenstarke Produkte und Dienstleistungen konzentriert.

Der zunehmende Wettbewerb sorgt aber auch für einen massiven Innovationsschub. Nachdem der Markt für mobile Anwendungen soweit aufgeteilt ist, geht es jetzt um die Positionierung in der Cloud. Themen, die immer stärker in den Fokus rücken, sind soziale Netzwerke, die Netze für Verarbeitung immer größerer Datenmengen (und damit auch das Thema Sicherheit), die Digitalisierung der Haushalte, die Vernetzung von Automobilen sowie als umspannendes Thema das »Internet der Dinge«.

Im Hardwarebereich findet eine immer stärkere Konzentration auf den Absatz mobiler Geräte statt. War der reine PC-Absatz bereits seit Jahren deutlich rückläufig, so verschiebt sich auch der Trend vor allem Richtung Smartphones und mit Abstrichen auch Tablets. Der reine PC-Absatz fiel 2018 laut dem Analysehaus Gartner um weitere 1,9 Prozent auf knapp 259,4 Millionen Geräte. 2011 wurden noch rund 350 Millionen PCs verkauft.

Nach zwei schwachen Quartalen in Folge wurden im zweiten Quartal 2019 wieder steigende Absatzzahlen registriert. Diese Entwicklung lag insbesondere am Segment Business-Kunden, wo die Umstellung auf Microsoft 10 weiter vorangetrieben wurde, während im Privatkundensegment angesichts der immer stärkeren Nutzung von Smartphones eine gegenläufige Entwicklung stattfand. Darüber hinaus gab es Anzeichen dafür, dass sich der Lieferengpass bei Intel-Prozessoren wieder zurückbildet. Insgesamt stieg der weltweite PC-Absatz um 1,5 Prozent.

Aufkommen und Ausgliederung der Internet-Servicespezialisten
Waren lange Zeit die mobilen Computer-Anwendungen wesentliche Treiber der Branche, so hatte sich in den vergangenen Jahren Internet-Services immer stärker in den Vordergrund gedrängt. Ein Synonym für dieses Segment ist im weiteren Sinn der Begriff FANG, unter dem die Highflyer des Segments (Facebook, Amazon, Netflix und Google (Alphabet)) zusammengefasst sind. Sie gehören zurzeit zu den bekanntesten und sich am besten entwickelnden Titeln überhaupt. Auch Twitter als wesentlich geringer kapitalisiertes Unternehmen ist zu diesem Kreis zu zählen. Amazon und Netflix waren allerdings bereits damals einer anderen Branche zugeordnet, sie gehörten zum Segment Internethandel der Branche Gebrauchsgüter.

Mit der neu entstandenen Branche Kommunikationsdienstleistungen wurde das Branchensegment Internet-Services komplett ausgegliedert und in diesen Sektor überführt. Die neuen Highflyer Alphabet und Facebook gehören nun neben Netflix zu dessen Flaggschiffen. Somit stehen Großkonzerne wie Apple, Microsoft und mit Abstrichen IBM und Intel wieder verstärkt im Fokus der Informationstechnologie und ziehen entsprechende Aufmerksamkeit auf sich.

Besondere Eigenschaften
Trotz des intensiven Wettbewerbs verfügen die großen Flaggschiffe unverändert über gewaltige »Cash-Cows«, die sie in die Lage versetzen, sowohl die Entwicklung von Produktinnovationen als auch die offensive Ausschüttungspolitik weiter zu forcieren. Auch M&A bleibt ein großes Thema in der Informationstechnologie, wobei weniger eine Branchenkonsolidierung unter den Branchenriesen zu erwarten ist, sondern eher strategische Ergänzungen im Bereich attraktiver neuer Subsegmente, bedingt durch die stetige Innovation und den dadurch initiierten Wandel der Nachfrage.

Zu diesem Bereich sind die zuletzt bekannt gegebenen Übernahmen von Acacia Communications (2,6 Milliarden US-Dollar) durch Cisco, von Cypress Semiconductor (9 Milliarden Euro) durch Infineon sowie von Cray durch HP Enterprise (1,3 Milliarden US-Dollar) zu zählen.

Blick auf die Berichtssaison
Nach einem eher durchschnittlichen Auftritt im Jahresschlussquartal 2018 konnten die IT-Konzerne auch den Jahresauftakt 2019 nicht wesentlich positiver gestalten. Die Branche entwickelte sich vergleichbar den durchschnittlichen Werten des Gesamtmarkts. Positiv hervorzuheben wären Microsoft und Oracle, die meisten anderen Großkonzerne lieferten solide Daten ab. Eher schwach präsentierten sich IBM und Samsung.

Das zweite Quartal verlief für die Informationstechnologie wieder etwas erfolgreicher, nur im Vorjahresvergleich entwickelte sie sich unterdurchschnittlich. Deutlich über den Erwartungen blieben vor allem Microsoft, Apple, Intel und im Bereich der IT-Services Visa, Mastercard und Paypal. Bei IBM wechselten erneut Licht und Schatten, insbesondere SAP enttäuschte die hohen Erwartungen und Cisco frustrierte die Anleger mit einem deutlich zurückhaltenden Ausblick.

Datensicherheit
In den vergangenen Jahren wurde die Branche und hier insbesondere das ehemalige Segment Internet-Services zunehmend durch das Thema Datensicherheit belastet. Nach dem Aufdecken der Sicherheitslücken bei Mikroprozessoren von Intel sowie einem Hackerangriff auf die deutsche Bundesregierung und wohl auch andere Staaten stand der inzwischen aus der Branche ausgegliederte Konzern Facebook mit einem aus einer ganzen Reihe von Datenskandalen im Fokus.

Nachdem bekannt wurde, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica Millionen von Kundendaten des sozialen Netzwerks abgezogen und illegal für den US-Wahlkampf eingesetzt hatte, geriet die Facebook-Aktie deutlich unter Druck und zog damit das gesamte Segment und mit Abstrichen die gesamte Branche mit nach unten.

Grundsätzliche Einstufung
Die Innovationskraft des Softwaresegments (knapp 55 Prozent Branchenanteil) ist und bleibt die wesentliche Triebkraft des Sektors. Im Fokus standen in den vergangenen beiden Jahren die Schwergewichte Microsoft und Alphabet (Google, seit November 2018 im Sektor Kommunikationsdienstleistungen) mit ihrer erstaunlichen Anpassungsfähigkeit an die allerneuesten Entwicklungen.

Die hochvolatilen Investments Facebook, Alphabet, Twitter und eBay haben das Segment verlassen und sind nun in der Kommunikationsbranche angesiedelt. Software ist somit zu ihrer Basis zurückgekehrt. Diese beinhaltet angesichts der weltweiten umfassenden Digitalisierung vor allem langfristig ein immenses Entwicklungspotenzial. Auf kurze Sicht könnten im zurzeit stark von den Handelsdebatten und politischen Risiken bestimmten Umfeld hingegen Gewinnmitnahmen einsetzen. Vor allem das Softwaresegment scheint wegen der in geringer Zeit stark gestiegenen Bewertungen dafür prädestiniert zu sein.

Fazit
Die IT-Branche stellt DAS zentrale Element bei allen aktuellen Trends dar, die sich letztendlich in den geänderten Lebensgewohnheiten widerspiegeln. Ohne entsprechende Ausrüstung, Aufstockung und Aktualisierung von Hard- und Software sind künftig wichtige Segmente wie Zahlungsverkehr, Mobilität, Gesundheit, Haustechnik, Kommunikation und Unterhaltung nicht mehr zu realisieren. Die entsprechende digitale Umstellung, die wesentlich über die Cloud funktionieren wird, bedingt auf der anderen Seite massiven Aufwand für digitale Sicherheit. In diesem Zuge werden viele Unternehmen aus anderen Branchen mit IT-Konzernen kooperieren müssen, wenn nicht sogar verschmelzen.

Anlageidee: ETFs auf Technologie-Aktien

Eine Möglichkeit, gezielt auf Unternehmen aus dem Technologiesektor zu setzen, bieten ComStage ETFs auf verschiedene Indizes. So setzt sich beispielsweise der Nasdaq-100-Index aus den 100 größten Unternehmen zusammen, deren Aktien an der Technologiebörse »The Nasdaq Stock Market« gehandelt werden. Die im Index enthaltenen Aktien werden nach der Marktkapitalisierung der gelisteten Unternehmen gewichtet.

Aber auch Investoren, die ihren Fokus auf Unternehmen aus Europa oder Deutschland setzen möchten, werden bei ComStage fündig. So umfasst der TecDAX die 30 nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz größten Unternehmen der Technologiebranchen im Prime Standard unterhalb des Leitindex DAX. Kriterien für die Gewichtung der Aktien im TecDAX sind: Börsenumsatz und Marktkapitalisierung auf Basis des Streubesitzes (Free Floats).

Der STOXX Europe 600 Technology-Index hingegen betrachtet Gesamteuropa und bildet die Wertentwicklung der größten europäischen Unternehmen im Bereich Technologie gemäß der Industry Classification Benchmark (ICB) ab.

Die Aktienanzahl der im STOXX Europe 600 Technology-Index enthaltenen Titel ist variabel. Das Indexgewicht wird nicht begrenzt. Der STOXX Europe 600 Technology-Index ist ein kapitalgewichteter Index, bei dessen Berechnung die frei handelbare Marktkapitalisierung berücksichtigt wird.

Weitere Informationen sowie ein Überblick über das gesamte Angebot an ComStage ETFs steht Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

Nasdaq 100

ETF 011

0,25 %

Ausschüttend

74,90/74,92 EUR

STOXX Europe 600 Technology

ETF 076

0,25 %

Ausschüttend

70,84/70,91 EUR

TecDAX

ETF 908

0,40 %

Ausschüttend

22,44/22,47 EUR

Stand: 24. September 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.