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Branchen – Gesundheit/Pharma

Relativ schwacher Jahresauftakt rückt sukzessive in den Hintergrund

Der langjährige Aufwärtstrend der Branche bleibt trotz einer zwischenzeitlichen Schwächephase grundsätzlich intakt. Zwar sorgen immer wieder Diskussionen um Medikamentenpreise für Belastungen. Aber stabile Stabile Cashflows, sehr gute Bilanzrelationen und langfristige Wachstumsperspektiven sprechen hingegen klar für die Branche. Zudem überzeugt der Sektor durch eine starke Ausrichtung auf »Shareholder-Value«, andauernde Übernahmephantasien sowie durch seine defensiven Qualitäten.

Von 2011 bis 2015 eine der stärksten Branchen
Bis 2011 war die Gesundheitsbranche durch die Unwägbarkeiten der Patentklippe (Auslauf vieler langjähriger Patente besonders 2011/2012) belastet und entwickelte sich so unterdurchschnittlich gegenüber dem Gesamtmarkt. Dies änderte sich spätestens ab 2012 grundlegend. Danach wurde der Sektor zu einem Liebling der Fondsmanager und wies so bis Mitte 2016 die mit Abstand beste Performance aller Branchen auf. Sehr solide Bilanzstrukturen, stetige Cashflows und attraktive Dividendenrenditen gehören genauso wie eine nachhaltige Wachstumsphantasie zu den Qualitäten der Pharmaindustrie.

Nach zwischenzeitlichen Abschwächungstendenzen positive Wende im Jahr 2018
Trotz der starken Positionierung hatte sich das Umfeld ab 2015 etwas eingetrübt. In den einzelnen Berichtsperioden wurde klar, dass der Kostendruck intensiver wird, während die Medikamentenpreise regional limitiert erscheinen und vor allem in den USA immer wieder unter politischen Druck geraten. Im extrem schwierigen Jahr 2018 hingegen konnte die Branche wieder einmal ihre defensiven Qualitäten beweisen und avancierte so zum bestperformenden Sektor.

Positiv wirkten neben vielen soliden Quartalsergebnissen insbesondere die Erfolge in der Produktpipeline: viele Neuzulassungen sowie einige gute Studienergebnisse. Darüber hinaus stehen weiterhin Neustrukturierungen, gezielte Übernahmen und erhöhte Ausschüttungsquoten einiger Konzerne im Fokus.

Der Jahresstart 2019 hatte umgekehrte Vorzeichen. Getrieben durch die Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA trauten sich die Anleger wieder, bei zyklischen Branchen wie der Industrie zuzufassen, dagegen hinkten defensive Sektoren bislang deutlich dem Gesamtmarkt hinterher. In den vergangenen Wochen scheinen die zunehmenden Zweifel an einer baldigen Lösung in den Handelskonflikten die Stimmung zu drehen, Health Care ist seither die bestperformende Branche.

Grafik 1: STOXX Europe 600 NR versus STOXX Europe 600 Health Care NR

Gesundheitsbranche mit leichter Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt

Grafik 1: STOXX Europe 600 NR versus STOXX Europe 600 Health Care NR
Stand: 17. Mai 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Umschiffen der Patentklippe
Die Probleme mit den auslaufenden Patenten und dem zunehmenden Wettbewerb mit Generika-Produzenten wurden mit einer Strategie aus Konsolidierungen, Erschließung neuer Marktsegmente und stringenten Kostensenkungsprogrammen geschultert. Vor allem Übernahmen von interessanten Biotechnologiefirmen sollen die Auswirkungen der Patentverluste auffangen und gleichzeitig das Wachstum zielgerichtet vorantreiben. Besonders die Felder Krebserkrankungen, Bluthochdruck, Alzheimer und Parkinson gelten als wichtige Wachstumssegmente. Nach einer langen Zeit der Diversifizierungsstrategien rückt jetzt immer stärker die Fokussierung auf wichtige Kernbereiche in den Vordergrund.

Kernziele
Die Zukunftsplanung vieler Pharmakonzerne hat drei Kernziele: stringentere Geschäftsausrichtung, intensive Portfoliobelebung sowie sinnvolle strategische Ergänzung. Neben den attraktiven defensiven Qualitäten besitzt der Sektor auch hohes Wachstumspotenzial und Neubewertungsspielräume, die noch ausgeschöpft werden müssen. Nachdem die Patentverluste bei wichtigen Produkten verdaut sind, zeigen Zulassungserfolge und positive klinische Studien, dass man im Rahmen der Neuausrichtung inzwischen wieder einige heiße Eisen im Feuer hat, die Blockbuster-Potenzial besitzen. Sowohl auf Basis der Wachstumsperspektiven als auch wegen der defensiven Qualität bleibt die Branche extrem attraktiv.

Neue Geschäftsfelder
Ein Thema, dem sich der Gesundheitssektor immer stärker widmen wird, ist der Bereich Digital Health (elektronische Gesundheitslösungen). Im Zeitalter der digitalen Revolution wurde dieses Segment bisher noch vergleichsweise stiefmütterlich behandelt. So bieten bisher nur 9 Prozent der Krankenhäuser ihren Patienten Fernüberwachungsmöglichkeiten (Telemedizin) an, nur 10 Prozent der niedergelassenen Ärzte führen Onlinesprechstunden durch. Elektronisch geführte und jederzeit verfügbare Patientenakten wären eine wesentliche Verbesserung in der medizinischen Betreuung und vor allem in der Notfallhilfe. Neben einer wesentlich verbesserten Patientenversorgung würde damit auch eine Kostensenkung erzielt werden.

Insgesamt wird geschätzt, dass sich der Markt für elektronische medizinische Produkte, die notwendige Software und die entsprechenden mobilen Geräte in den nächsten Jahren deutlich erweitern wird. Besonders Smartphones und Smartwatches dürften dabei von großer Relevanz sein. Ein Nachweis dafür dürfte der Kauf des Medizin-Cloudanbieters Gliimpse durch Apple sein. Das Unternehmen ermöglicht es Nutzern, ihre Gesundheitsdaten zu sammeln, aufzubereiten und so an Ärzte weiterzugeben. Bereits jetzt gibt es eine große Nachfrage nach Pulsmessern und Fitnessarmbändern.

Big Data
Im Gesundheitssektor bieten sich große Chancen durch die Künstliche Intelligenz (KI), die auf lernfähigen Algorithmen basiert. Die Verknüpfung und intelligente Analyse großer Datenmengen (Big Data) hebt Effizienz sowie Qualität und ist auf alle Felder im Gesundheitssektor anwendbar.

In der Medizintechnik ist KI bereits Standard. So haben Algorithmen längst einen Großteil der Analysetätigkeit bei Röntgen- oder CT-Aufnahmen übernommen. Handprothesen können mithilfe der KI vom Patienten wie eine gesunde Hand gesteuert werden. Auch kann KI allein anhand weniger Kniebeugen feststellen, wie hoch der Arthrosegrad eines Patienten ist etc.

Dagegen hinkte die Pharmaindustrie in der digitalen Entwicklung lange hinterher, doch die KI hat auch hier mittlerweile ihren Siegeszug angetreten. In der Pharmabranche herrscht nun ein regelrechter Datenrausch. KI revolutioniert vor allem die Arzneimittelentwicklung. Große Datenmengen können extrem schnell verarbeitet werden, KI entdeckt dabei versteckte Zusammenhänge, die zunächst einmal das Grundverständnis für viele Krankheiten vertiefen und somit möglicherweise Ansatzpunkte zur Behandlung liefern.

Gerade bei den sehr heterogenen Krebs- und den neurodegenerativen Erkrankungen spielt das sehr komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle. KI ermöglicht bessere Prävention, genauere schnellere Diagnosen und personalisierte Therapien. Auch in der Medikamentenforschung selbst werden die Prozesse optimiert. Neue Wirkstoffe zu finden ist zeitintensiv und vor allem teuer. Die Kosten hierfür können dank KI deutlich gesenkt werden, da mit diesem »Tool« sowohl Prozesse automatisiert als auch Prognosen präziser getroffen werden können.

Schon heute simuliert zunehmend KI neue Arzneien und deren Wirkung schon lange vor der »Petrischale«. In der klinischen Erprobung kann sodann die geeignete Wirkstoffdosis schneller identifiziert werden und so das potenzielle Risiko für Freiwillige während der Phase-I-Studien, in denen die Dosierung von Medikamenten festgelegt wird, erheblich minimieren. Es erfolgt zudem eine wesentlich schnellere Auswertung der Studiendaten. Manche Prozesse, die früher Monate dauerten, können nun teilweise in Stunden durchgezogen werden.

Insgesamt ist das Segment zwar noch recht jung in der Arzneibranche, der Großteil der Industrie versucht aber mit Hochdruck, es zu implementieren. Es ist noch zu früh, eindeutige Gewinner zu klassifizieren. Wir sehen jedoch für die Pharmakonzerne Novartis, Roche, Johnson & Johnson, Pfizer und Merck KGaA eine gute Ausgangsbasis auf diesem Gebiet.

Branchensegment Biotechnologie
Vor allem der Bereich Biotechnologie gewinnt immer mehr an Bedeutung. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Segmentanteil trotz der zahlreichen Übernahmen fast verdoppelt. Die Anwendung von Erkenntnissen aus der Genomforschung und das neu erworbene Verständnis für grundlegende Mechanismen vieler Krankheiten haben einen beispiellosen Innovationsschub ausgelöst. Der Großteil der Innovationen im Arzneibereich kommt dabei seit Jahren aus der Biotechnologie. Auch viele große Pharmafirmen bauen ihren Anteil folgerichtig an diesem Segment durch Zukäufe und die eigenen Forschungsabteilungen konsequent aus. Wir sehen in der Biotechnologie grundsätzlich deutliches weiteres Wachstumspotenzial,

Berichtssaison und Bewertung
Pharmakonzerne gehören meist zu den Sektoren, die sowohl bei Umsätzen als auch bei Gewinnen tendenziell die besten Ergebnisse in der Berichtssaison aufweisen. Allerdings wartete die Gesundheitsbranche ab 2017 nicht mehr mit einheitlicher Qualität auf, einige große Flaggschiffe fielen mit ihren Zahlen gegenüber den Wettbewerbern eindeutig ab. Insgesamt gesehen konnte die Branche aber weiterhin überdurchschnittliche Ergebnisse präsentieren.

In der Berichtsperiode zum ersten Quartal 2019 lagen die Gewinnberichte der Pharmaunternehmen eher im Mittelfeld aller Branchen. Erfolgreicher gestaltet sich die Umsatzentwicklung, sowohl in Bezug auf Erwartungen als auch im Vorjahresvergleich waren die Ergebnisse überdurchschnittlich. Einige Konzerne hoben die Dividende deutlich an und vermeldeten erweiterte Aktienrückkaufprogramme sowie neue Kooperationen und Partnerschaften.

Mit der vergleichsweise schwachen Entwicklung ab Jahresbeginn 2016 war die Bewertung des Gesundheitssektors zwischenzeitlich klar unter den Gesamtmarktdurchschnitt gerutscht. In der Historie hatte sich der Pharmasektor grundsätzlich dadurch ausgezeichnet, einen (Qualitäts-)Aufschlag gegenüber dem restlichen Markt aufzuweisen. Seit Beginn 2018 hat die Branche das Marktniveau wieder überschritten und den Bewertungsabstand über das gesamte Jahr sukzessive vergrößert. Angesichts der soliden Umsatzentwicklung, der stabilen Bilanzrelationen und der starken Gewinnsubstanz bleibt sie trotzdem weiter attraktiv bewertet.

Aktuelle Einschätzung
Trotz dieser außerordentlichen Belastungen zählte das Gesundheitswesen durchgehend zu den erfolgreichsten Branchen im Jahr 2018. Neben den starken Ergebnissen speziell im zweiten und dritten Quartal gab es in diesem Jahr viele bedeutende Medikamentenzulassungen und Indikationen dafür, dass weitere bevorstehen. Immer wichtiger dürften im von hoher Verunsicherung geprägten Umfeld die erwiesenen defensiven Qualitäten werden; vor allem, da sie mit hohen Wachstumsperspektiven einhergehen.

Die Gesundheitsbranche überzeugt in schwierigen Marktsituationen vor allem durch Kontinuität, Sicherheit und Substanz, was von den Anlegern entsprechend goutiert wird. Die Unternehmen steigern stetig ihre Ausschüttungsquoten, reorganisieren die Konzernstrukturen mit klarer Fokussierung auf Kernbereiche und begegnen dem intensiven Wettbewerb zudem mit Übernahmen, Kooperationen und Partnerschaften.

ANLAGEIDEE: ETF AUF DEN STOXX EUROPE 600 HEALTH CARE-INDEX

Eine Möglichkeit, gezielt auf Unternehmen aus dem europäischen Gesundheitssektor zu setzen, bietet der ComStage ETF auf den STOXX Europe 600 Health Care-Index. Der Index bildet die Wertentwicklung der größten europäischen Unternehmen im Bereich Gesundheitswesen gemäß der Industry Classification Benchmark (ICB) ab. Bei dem genannten ETF handelt es sich um einen ausschüttenden ETF, das bedeutet, dass anfallende Dividenden und Zinsen in der Regel einmal jährlich direkt an den Investor ausgeschüttet werden.

Weitere Informationen sowie ein Überblick über das gesamte Angebot an ComStage ETFs stehen Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

STOXX Europe 600 Health Care

ETF 068

0,25 %

Ausschüttend

138,01/138,17 EUR

Stand: 26. Juni 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.