Märkte

China

Weitere Kurschancen nach gutem Jahresstart?

2018 verloren chinesische Aktien rund 20 Prozent an Wert. Ausgelöst wurden die Verluste vor allem aufgrund der Sorge eines nachlassenden BIP-Wachstums in China und wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China. Nach den kräftigen Kursrückgängen im vergangenen Jahr haben die chinesischen Aktienmärkte seit Jahresbeginn wieder stark zugelegt.

Rückblick 2018: Shanghai A-Index verliert fast 25 Prozent
Das Jahr 2018 war weltweit ein schwieriges Kapitalmarktjahr. Dem konnte sich auch die Börse in China nicht entziehen. Der Shanghai A-Index (1.444 Unternehmen, Aktien in Renminbi denominiert) verlor 24,6 Prozent. Der MSCI China-Index (459 Unternehmen, in US-Dollar denominiert) büßte 20,4 Prozent ein. Beide Indizes wiesen damit eine Underperformance gegenüber dem MSCI Asien ex Japan-Index (–16,4 Prozent) auf.

Gründe für den Gegenwind an den globalen Börsen waren vor allem die Sorge vor einer weltweiten Konjunkturabschwächung sowie der allgemeine Liquiditätsentzug durch eine restriktivere Geldpolitik zahlreicher Notenbanken, allen voran der US-Notenbank. Weitere Themen wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit und der Budgetstreit Italiens mit der EU belasteten ebenfalls.

Votenherabstufung für A- und H-Aktien nach starkem Kursanstieg auf Neutral
Nach der kräftigen Hausse seit Jahresbeginn 2019 büßte der Shanghai A-Index am 8. März 2019 4,4 Prozent ein. Verantwortlich für die Gewinnmitnahmen zeichneten vor allem zwei Faktoren: Zum einen belastete die Verkaufsempfehlung des größten Brokers der Nation (Citic Securities), der den heimischen Aktienmarkt als »beträchtlich überbewertet« sieht. Es spricht einiges dafür, dass eine solche eher ungewöhnliche Empfehlung von den Aufsehern in China »abgesegnet« wurde.

Der Regierung muss daran gelegen sein, die in der Vergangenheit häufiger aufgetretenen Boom-and-Bust-Muster zu vermeiden, das heißt starke, spekulativ getriebene Kursanstiege mit darauffolgenden kräftigen Kurseinbrüchen. In einer Phase, in der sich die (globale) Konjunktur sukzessive abschwächt, könnten mögliche erneut auftretende spekulative Verwerfungen an den Aktienmärkten in China/Hongkong »doppelt wehtun«. Zum anderen belasteten überraschend schwache Exportdaten aus China. So fielen die Ausfuhren im Februar 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,7 Prozent. Auch die Importe schwächelten (–5,2 Prozent).

Wir haben unser Votum für die A- und H-Aktien am 30. November 2018 auf Übergewichten gestellt. Seither hat der Shanghai A-Index fast 15 Prozent zugelegt (inklusive des Kursrückgangs vom 8. März). H-Aktien (Hongkong) haben seitdem rund 5 Prozent zugelegt. Da es im Markt schon wieder Anzeichen für spekulative Exzesse gibt (unter anderem erhöhte Volumina von fremdfinanzierten Aktienkäufen) und die Bewertung sich durch den raschen kräftigen Kursanstieg erhöht hat, haben wir unser Votum sowohl für die A- als auch für die H-Aktien (Hongkong) unter taktischen Gesichtspunkten von Übergewichten auf Neutral herabgestuft.

Grafik 1: Wertentwicklung des Hang-Seng Index
Grafik 1: Wertentwicklung des Hang-Seng Index
Stand: 19. März 2019; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

A-Aktien werden künftig stärker im MSCI-Index gewichtet
Die Liberalisierung der chinesischen Kapitalmärkte schreitet seit vielen Jahren Stück für Stück voran. Im März 2019 erfolgte ein weiterer Schritt. Wie erwartet hat der Aktienindexanbieter MSCI entschieden, chinesische A-Aktien künftig stärker zu gewichten. So wird der sogenannte Inklusionsfaktor in drei Schritten (Mai, August, November 2019) von derzeit 5 Prozent der Free-Float-Marktkapitalisierung auf 20 Prozent erhöht. Nach Abschluss der Adjustierung im November 2019 werden dann neben 253 Large-Cap-Aktien auch 168 Mid-Cap-Aktien sowie 27 Aktien aus dem Wachstumssegment Chinext Eingang in den MSCI-Index finden.

Der Anteil der A-Aktien, der bislang nur 0,7 Prozent beträgt, dürfte sich dann zusammen mit den anderen Aktien (Mid-Cap und Chinext) auf 3,3 Prozent erhöhen. All dies dürfte in naher Zukunft zu einem weiteren Zustrom an Kapital in die chinesischen Aktienmärkte führen, wobei Schätzungen von einem Volumen in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar bis November 2019 ausgehen. Ende 2018 hielten ausländische Investoren A-Aktien im Volumen von rund 150 Milliarden Euro. Gemessen an der gesamten Marktkapitalisierung des A-Segments beträgt die Quote der Ausländer aber nur 2,3 Prozent (vor drei Jahren: 0,8 Prozent). Basierend auf dem Free Float ergibt sich ein Auslandsanteil an A-Aktien per Ende 2018 in Höhe von 6,7 Prozent.

Zusammen mit den außerhalb der Festlandsmärkte notierten chinesischen Aktien (unter anderem H-Aktien in Hongkong) dürfte Chinas Anteil an der Schwellenländer-Benchmark rund 41 Prozent betragen. Ein solcher Anteil würde dann auch Chinas Bedeutung als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt viel besser widerspiegeln. Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg. Die Marktkapitalisierung des chinesischen Aktienmarkts beträgt rund 8 Billionen US-Dollar. Unternehmen wie Alibaba, Tencent oder Baidu brauchen Vergleiche mit den US-Technologieriesen wie Alphabet, Amazon oder Facebook nicht zu scheuen.

Chinesischer Volkskongress im März 2019 – Wachstumsziel reduziert
Auf dem alljährlich stattfindenden chinesischen Volkskongress gab die Regierung bekannt, dass das Wachstumsziel für 2019 von 6,5 Prozent auf eine Spanne zwischen 6 Prozent und 6,5 Prozent adjustiert wird (Konsensus: +6,2 Prozent). Die zuletzt zunehmend schwächeren Makrodaten ließen den Verantwortlichen wohl keine andere Wahl. Um die abflauende Konjunkturdynamik zu bekämpfen, setzt China weitere geld- und fiskalpolitische Impulse: Steuersenkungsmaßnahmen für Unternehmen in Höhe von umgerechnet rund 250 Milliarden Euro, die laut Analystenschätzungen ein Wachstumspotenzial in Höhe von rund 0,5 Prozent des BIP entfalten könnten.

Die Senkung der Mehrwertsteuer-Spitzensätze gilt unter anderem für das verarbeitende Gewerbe (von 16 Prozent auf 13 Prozent) sowie für die Bereiche Transport und Bau (von 10 Prozent auf 9 Prozent). Durch die Senkung der Kosten für Unternehmen, die im internationalen Vergleich eine recht hohe Steuer- und Sozialversicherungslast tragen, dürfte auch die Nachfrage der privaten Haushalte gefördert werden. Zudem dürfte China die Emission von lokalen Staatsanleihen zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von 1,35 Billionen Renminbi im Vorjahr auf 2,15 Billionen Renminbi ausweiten, was wiederum relativ zeitnah positive Auswirkungen auf die Anlageinvestitionen haben sollte.

Durch die Stimulusmaßnahmen dürfte sich das diesjährige Haushaltsdefizit von 2,6 Prozent auf 2,8 Prozent des BIP erhöhen (proaktive Finanzpolitik). Dieser Wert ist zwar im internationalen Maßstab weiterhin nicht besorgniserregend. Dies gilt aber nicht für die Gesamtverschuldung (Staat, Firmen, private Haushalte), die sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht hat und schon bald die Marke von 300 Prozent des BIP übersteigen könnte. Auf der geldpolitischen Seite besteht unseres Erachtens weiterer Spielraum für Zinssenkungen im Bereich der Mindestreservesätze.

Unterscheidung A-Aktien, B-Aktien UND H-Aktien

Chinesische A-Aktien werden von Unternehmen ausgegeben, die ihren Hauptsitz in Festlandchina haben. Sie werden an den Börsen von Shanghai oder Shenzhen in chinesischen Renminbi (RMB) gehandelt. Während diese Papiere lange Zeit nur inländischen Anlegern bzw. wenigen ausländischen Investoren zur Verfügung standen, sind sie seit 17. November 2014 für Investoren aus aller Welt zugänglich. Möglich macht dies das »Shanghai-Hongkong Stock Connect«-Aktienhandelsprogramm, mit dem ausländische Anleger A-Aktien direkt über die Hong Kong Stock Exchange erwerben können.

B-Aktien werden von Unternehmen ausgegeben, die ihren Hauptsitz in Festlandchina haben. Der Nennwert von B-Aktien ist zwar in Renminbi festgesetzt, sie werden aber an den Börsen von Shanghai in US-Dollar und in Shenzhen in Hongkong-Dollar gehandelt. B-Aktien sind für ausländische Investoren zugänglich sowie seit 2001 für chinesische Staatsbürger mit Währungskonten.

H-Aktien sind Aktien chinesischer Unternehmen, die ein Listing an der Wertpapierbörse in Hongkong besitzen und dort in Hongkong-Dollar (HKD) gehandelt werden. Diese Aktien sind Ausländern frei zugänglich und waren lange die einzige Möglichkeit, in chinesische Unternehmen zu investieren.

Konjunktur: Chinas Wirtschaft verliert weiter an Schwung
Chinas Wirtschaft verliert weiter an Schwung. So stieg das BIP im Jahr 2018 nur noch um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2017: 6,9 Prozent). Als ein wesentlicher Bremsfaktor erweist sich insbesondere der schwelende Handelsstreit der USA mit China. Das drückt sich auch zum Teil in den sehr schwachen Handelszahlen für den Monat Februar aus, in dem die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um kräftige 20,7 Prozent zurückgingen (Importe: –5,2 Prozent), wobei hier auch saisonale Effekte in Form des chinesischen Neujahrsfestes zu berücksichtigen sind. Auch die letzten Einkaufsmanagerindizes deuteten überwiegend auf einen Schwungverlust im Reich der Mitte hin.

Um der Wirtschaft wieder mehr Flügel zu verleihen, haben die chinesische Regierung und die Notenbank in den vergangenen Wochen und Monaten einige expansive fiskal- und geldpolitische Impulse gesetzt (siehe oben). Im März 2019 zeigte sich der Notenbankgouverneur Chinas grundsätzlich bereit, die Geldpolitik im Bedarfsfall weiter zu lockern. Im Raum steht eventuell eine weitere Senkung der Mindestreservesätze für Geschäftsbanken. Seit 2018 wurden diese bereits in fünf Schritten um insgesamt 3,5 Prozentpunkte reduziert. Die für Februar 2019 veröffentlichten monetären Daten (Vergabe neuer Kredite) lagen auch infolge saisonaler Effekte deutlich unter den Erwartungen des Marktes.

Bekämpfung der Verschuldung dürfte weiterhin im Fokus stehen
Aufgrund der spürbar gestiegenen Verschuldung in den vergangenen Jahren ist allerdings nicht zu erwarten, dass China seine Konjunkturspritzen ähnlich üppig dimensioniert wie nach der Finanzkrise 2008/2009. Die Reduzierung der Verschuldung (»Anti-Verschuldungs-Kampagne«) dürfte auf absehbare Zeit eine hohe Priorität genießen, auch wenn die Regierung zuletzt den Druck auf die hoch verschuldeten und teilweise mit hohen Überkapazitäten kämpfenden Unternehmen verringert hat, ihre Verbindlichkeiten abzubauen.

Die Verschuldung des privaten Sektors ist im ersten Halbjahr 2018 jedenfalls wieder spürbar angestiegen, nachdem sie 2017 gemessen am BIP erstmals seit 2011 wieder leicht gesunken war. Die Lokalregierungen hatten sich lange über sogenannte Local Government Financing Vehicles (LGFV) finanziert, mit deren Hilfe sie sich bei Banken und am Kapitalmarkt Geld unter anderem für Infrastrukturprogramme borgen konnten. Die Kreditaufnahme tauchte somit nicht in den Bilanzen der Lokalregierungen auf, was über die Jahre zu vermehrten Spekulationen über den tatsächlichen Schuldenstand der Provinzregierungen geführt hat. Im Fokus stehen daher nun »Special Purpose Bonds« zur Finanzierung von Infrastrukturvorhaben.

Die Regionalregierungen haben über diese von der Zentralregierung genehmigten Bonds nun mehr Spielraum, um gezielt Infrastrukturinvestitionen zu tätigen und somit für zusätzliches Wachstum zu sorgen. Für China ist es aber unverändert wichtig, in den kommenden Jahren den Übergang vom export- und investitionsgestützten zu einem stärker vom Binnenkonsum getriebenen Wachstum zu forcieren. Ein »Weiter so«, vor allem im Immobilienbereich, dürfte künftig den »Anpassungsschmerz« in Form von sinkenden Preisen und einer verminderten Bautätigkeit nur vergrößern. Spürbar sinkende Preise könnten periodisch zu einem sinkenden privaten Konsum sowie zu einem deutlichen Investitionsrückgang führen.

Immobilienmarkt
Der Immobilienmarkt in China zeigt weiter Überhitzungserscheinungen. Die Preise für Wohnimmobilien steigen seit 44 Monaten ununterbrochen an. Auch im Dezember 2018 gab es wieder Preiserhöhungen. So stiegen in 59 von 70 beobachteten Städten die Preise für neue Wohnflächen an (November: 63  Städte). Bemerkenswert ist, dass nun auch wieder in Chinas vier größten Städten (Peking, Shanghai, Shenzhen und Guangzhou) die Preise anziehen, und zwar um 1,3 Prozent im Dezember (November: +0,3 Prozent). Die von der Regierung implementierten preisdämpfenden Maßnahmen am Immobilienmarkt (unter anderem Kampagnen, um spekulativen Wohnimmobilienerwerb zu unterbinden, Beschränkungen beim Erwerb von Zweit- oder Drittwohnungen) zeigen bislang kaum Wirkung.

Die Regierung im Reich der Mitte steckt in einem Dilemma. Der Zielkonflikt sieht wie folgt aus: Die zunehmende Urbanisierung erfordert, immer mehr Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zu schaffen, um großflächige soziale Schieflagen zu vermeiden. Andererseits ist die Immobilien- und Bauwirtschaft zusammen mit dem Rohstoffsektor unverändert das Rückgrat der Wirtschaft. Zu starke Eingriffe in den Wohnungsmarkt könnten sowohl das BIP-Wachstum als auch die Banken (steigende notleidende Kredite) belasten. Von daher wird die Regierung weiterhin versuchen, einen möglichen Preisrückgang am Immobilienmarkt schonend zu gestalten.

Anlageidee: ComStage ETFs auf China

Als Umsetzung einer Investition in den chinesischen Aktienmarkt bietet ComStage verschiedene ETFs an. Während der Hang-Seng China Enterprises Index die wichtigsten Aktien kontinentalchinesischer Unternehmen (H-Aktien) repräsentiert, bildet der Hang-Seng Index die Performance der größten und liquidesten Blue-Chip-Werte ab, die an der Börse von Hongkong gelistet sind.

Für Anleger, die ausschließlich in A-Aktien investieren möchten, bietet sich der ComStage FTSE China A50 ETF an. Der ETF bezieht sich auf den FTSE China A50-Index, der die Entwicklung der 50 größten börsennotierten Unternehmen aus Festlandchina abbildet.

Mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr zwischen 0,40 und 0,55 Prozent bieten diese ETFs eine transparente und kostengünstige Anlagemöglichkeit. Da die zugrunde liegenden Indizes in US-Dollar bzw. Hongkong-Dollar notieren, die ETFs aber in Euro, müssen Anleger das Wechselkursrisiko beachten.

Anlegern, die etwas breiter diversifizieren möchten, stehen ETFs unter anderem auf den MSCI Pacific, MSCI Pacific ex Japan und den MSCI Emerging Markets-Index zur Verfügung. Weitere Informationen zu den genannten ETFs sowie ein Überblick über das gesamte Angebot an ComStage ETFs stehen Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

Hang-Seng Index

ETF 022

0,55 %

Ausschüttend

37,62/37,70 EUR

Hang-Seng China Enterprises Index

ETF 023

0,55 %

Ausschüttend

14,56/14,60 EUR

FTSE China A50

ETF 024

0,40 %

Ausschüttend

127,30/127,66 EUR

MSCI Pacific

ETF 114

0,45 %

Ausschüttend

51,07/51,11 EUR

MSCI Pacific ex Japan

ETF 115

0,45 %

Ausschüttend

52,77/52,83 EUR

MSCI Emerging Markets

ETF 127

0,25 %

Ausschüttend

40,37/40,42 EUR

Stand: 25. März 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.