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Investmentsteuerreformgesetz: Berechnung der Vorabpauschale

Seit Jahresbeginn 2018 ist das neue Investmentsteuerreformgesetz in Kraft. Dies hat die Besteuerung von Fonds und ETFs grundlegend verändert.

Zum ersten Mal in Berührung mit der neuen Gesetzgebung kamen viele Fonds- und ETF-Investoren in Deutschland zu Jahresbeginn. Per Jahreswechsel 2017/2018 wurde für jede Fonds- und ETF-Position in den Depots ein neuer steuerlicher Einstandskurs ermittelt. Was oft erst für Verwirrung sorgte, war notwendig, um die künftige Wertentwicklung der Wertpapiere von der bis zum 1. Januar 2018 abzugrenzen. Diesem Sachverhalt wird auch bei den Verkaufsabrechnungen von Fonds Rechnung getragen. Hier wird nun ebenfalls zwischen Altgewinnen/-verlusten und »neuen« Gewinnen und Verlusten unterschieden.

Steuerliche Fondskategorien und Teilfreistellungen auf Anlegerebene
Jeder aktiv gemanagte Fonds und jeder ETF ist seit Jahresanfang 2018 in eine von vier steuerlichen Kategorien eingeordnet:

  • Aktienfonds müssen im Fondsinventar immer mehr als 51 Prozent Aktien halten.
  • Mischfonds müssen immer mehr als 25 Prozent Aktien halten.
  • Sonstige Fonds sind die Fonds, die entweder keine Mindestaktienquoten bekannt geben oder so flexibel in der Asset Allocation sind, dass eine Mindestaktienquote von 25 Prozent nicht darstellbar ist.
  • Immobilienfonds müssen mindestens 51 Prozent ihres Wertes in Immobilien und Immobiliengeschäften halten.

Mit der neuen Gesetzgebung wurde auch die sogenannte Teilfreistellung eingeführt. Sie gibt an, welcher Anteil der Kursgewinne und Ausschüttungen nicht zu versteuern ist. Die höchste Teilfreistellung genießen Immobilienfonds mit 60 bzw. 80 Prozent, ansonsten können sich Anleger als Faustregel merken: Je  höher die Aktienquote, desto höher ist die Teilfreistellung.

Tabelle 1: Definition der Fondskategorien für Teilfreistellungen bei Privatanlegern (§ 20 InvStG nF)

Fondskategorie

Schwellenwerte

Höhe der Teilfreistellung

Aktienfonds

Mind. 51 % des Wertes in Kapitalbeteiligungen

30 %

Mischfonds

Mind. 25 % des Wertes in Kapitalbeteiligungen

15 %

Sonstige Fonds

Keine oder Mindestkapitalbeteiligungen unter 25 %

Keine Teilfreistellung

Immobilienfonds

Mind. 51 % des Wertes in Immobilien und Immobiliengesellschaften

60 %
80 % (Immobilienanteil im Ausland)

Stand: Dezember 2018; Quelle: Commerzbank AG

Hintergrund der Teilfreistellungen ist die Tatsache, dass seit Anfang 2018 deutsche Dividenden nicht mehr steuerfrei in den Fonds fließen, sondern auf der Fondseingangsseite mit 15 Prozent besteuert werden. Als Ausgleich für diese Form der Doppelbesteuerung (zuerst wird der Fonds besteuert und dann zusätzlich der Investor) wurde die Teilfreistellung eingeführt. Besonders zu erwähnen ist, dass dieser »Steuerrabatt« nicht nur für Ausschüttungen gilt, sondern auch für Kursgewinne, die auf Fondsebene jedoch gar nicht besteuert werden.

Auch wird die Teilfreistellung immer komplett auf einen Fonds angewendet. Selbst wenn der Fonds nur 52 Prozent in Aktien investiert ist, kommen zum Beispiel auch Investments in Anleihen oder Rohstoffe im Fondsvermögen in den Genuss der Teilfreistellung in Höhe von 30 Prozent.

Unter diesen Voraussetzungen kann eine Analyse je nach Investment sehr spannend sein, in der ein Direktinvestment einem Fondsinvestment gegenübergestellt wird.

ComStage ETFs sind entsprechend des Fondsinventars und des zugrunde liegenden Index klassifiziert. Auch indirekt replizierte, swap-basierte ComStage ETFs weisen eine dem zugrunde liegenden Index entsprechende Teilfreistellung auf.

Details zu den einzelnen ComStage ETFs finden Anleger auf der jeweiligen Detailseite des ETF. Nach Eingabe der WKN (beispielsweise ETF 001) auf der Website www.comstage.de werden unter dem Menüpunkt »Deutsche Steuerdaten« sowohl der Fondstyp als auch die Mindestaktienquote angezeigt.

Die Vorabpauschale
Erstmals wird es im Januar 2019 zur Anwendung der sogenannten Vorabpauschale kommen. Hierbei handelt es sich um die laufende Besteuerung für das Kalenderjahr 2018, die eingeführt wurde, um auch thesaurierende Fonds (und Fonds mit geringer Ausschüttung) laufend zu besteuern.

Auf Basis des Netto-Inventarwertes (Net-Asset Value: NAV) von Anfang 2018 wird bestimmt, ob es zu dieser Vorabpauschale kommt. Wichtigstes Kriterium ist, ob es im Kalenderjahr 2018 eine Wertsteigerung in Euro gab. Ist dies nicht der Fall, so findet keine Belastung von Steuern auf die Vorabpauschale statt. Wichtig ist zu beachten, dass die Vorabpauschale nicht die Besteuerung selbst, sondern vielmehr die Grundlage für die Steuer darstellt. Auf die Vorabpauschale werden die Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer fällig. Der Sparerpauschbetrag oder die Nichtveranlagungsbescheinigungen finden hier selbstverständlich Anwendung.

Grafik 1: Wie ermittelt sich die Vorabpauschale?
Stand: Dezember 2018; Commerzbank AG

Bei ComStage ETFs wird die Vorabpauschale vermieden

Sämtliche ComStage ETFs sind ausschüttend. Die Höhe der Ausschüttung richtet sich nach den Erträgen des Fonds minus Fondskosten, sodass die Situation einer Direktanlage möglichst nah abgebildet wird.

Bei ComStage ETFs, die keine Dividendenrendite, Kuponerträge oder Ähnliches aufweisen, findet eine Ausschüttung gegen Ende des Jahres in Höhe der Vorabpauschale statt. Dies natürlich nur, wenn die Vorabpauschale aufgrund einer positiven Wertentwicklung im Kalenderjahr zum Tragen kommen würde.

Auf unserer Internetseite www.comstage.de finden Anleger unter dem Reiter »Aktuelles« ausführliche Informationen zu den Ausschüttungen 2018 sowie den zukünftig geplanten Ausschüttungen.