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Zurück auf Anfang: Rebalancing – Wie mache ich das?

Ähnlich wie ein Auto bedarf auch ein ETF-Portfolio stetiger Pflege und Kontrolle. Mit einem regelmäßigen Rebalancing erfolgt die Wiederanpassung an das individuelle Anlageprofil. Doch wie macht man das?

»Zurück auf Anfang«, so heißt eine der weltweit meistgespielten Komödien des französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt. Dabei wird Alexandre, die Titelgestalt des Theaterstücks, unerwartet mit dem eigenen früheren Ich konfrontiert – mit verblüffenden Erkenntnissen für die Gegenwart.

Ähnliches gilt auch für die ETF Portfolios. Auch hierbei sollte man sich stets an die einst festgelegte Zielallokation für seine langfristige Buy-and-Hold-Strategie erinnern. Genau wie in dem Stück ändern sich im Laufe des Lebens jedoch eigene Lebensverhältnisse und Einstellungen, aber auch das Marktumfeld. So ist es beispielsweise ratsam, das Niedrigzinsniveau mit in seine Rechnung einzubeziehen. Konnte man früher mit festverzinslichen Wertpapieren relativ einfach jährliche Erträge von 4 bis 5 Prozent erzielen, so ist dies heute nur noch mit einer höheren Aktienquote erreichbar. Ein Nachjustieren der Zielallokation wäre sinnvoll. Zudem empfiehlt es sich, mit zunehmendem Alter die einst festgelegte Aktienquote leicht zurückzufahren. Schließlich möchte man im Alter auf das Ersparte zurückgreifen.

Der Sicherheitsaspekt wird immer wichtiger. Aber auch wenn alles beim Alten bleibt, muss man in jedem Fall nachjustieren. Denn im Laufe der Zeit verändert sich die Portfolio-Zusammensetzung in Richtung der renditestarken Anlageklassen. Das heißt, insbesondere der Aktienanteil steigt aufgrund der Kursanstiege deutlich. Aus einem einst defensiven Anlageportfolio kann somit sehr schnell ein offensives Portfolio werden, Verlustrisiken nehmen zu. Hinsichtlich der Verfahrensweise ergeben sich verschiedenste Möglichkeiten:

Grafik 1: Prozess des Rebalancings – 1. Start-Allokation
Grafik 1: Prozess des Rebalancings – 1. Start-Allokation
Grafik 2: Prozess des Rebalancings – 2. Ist-Allokation
Grafik 2: Prozess des Rebalancings – 2. Ist-Allokation

Zeitgesteuertes Rebalancing
Beim zeitgesteuerten Rebalancing erfolgt die Anpassung an die festgelegte Zielallokation in regelmäßigen Abständen. Mindestens einmal im Jahr schaut man auf seine Portfolio-Zusammensetzung und überprüft, inwieweit die ursprüngliche Zielallokation noch gegeben ist. Der Vorteil einer regelmäßigen Überprüfung zu festgelegten Terminen nach dem Vorbild der regelmäßigen Indexanpassungen renommierter Indexprovider: Eine Anpassung an das ursprüngliche Niveau ist einfach umzusetzen. Ein allzu häufiges Umschichten ist allerdings nicht zu empfehlen, denn Hin und Her macht bekanntlich die Taschen leer. Denn es entstehen zusätzliche Transaktionskosten. Rebalancing nach einem bestimmten Zeitintervall hat jedoch auch einen Nachteil: Zwischendrin kann es in volatilen Börsenzeiten zu erheblichen Abweichungen von der ursprünglich festgelegten Zielallokation kommen.

Grafik 3: Prozess des Rebalancings – 3. Rebalancing

Die Ist-Allokation weicht von der Start-Allokation ab. Dies führt zu einer geringeren Anleihenquote.  Um das Portfolio wieder in das ursprüngliche Format zu bringen, müssen die Aktien Übergewichtungen verkauft werden. Das Kapital wird dann in Anleihen ETFs investiert.

Grafik 3: Prozess des Rebalancings – 3. Rebalancing

Wertabhängiges Rebalancing 
Möchte man solche Abweichungen von der festgelegten Zielallokation grundsätzlich vermeiden, sollte man bestimmte Bandbreiten festlegen, die nicht verlassen werden dürfen. Am einfachsten handhabbar sind dabei prozentuale Ab- weichungen, die für alle Anlageklassen gelten. Beträgt die Zielallokation eines ETFs beispielsweise 10 Prozent, kann man ein äußeres Band bei 7 Prozent als untere Schwelle und 13 Prozent als obere Schwelle einziehen. Überschreitet der ETF dann eine der beiden Gewichtungsgrenzen, wird um- geschichtet. Ein Nachteil dieses wertabhängigen Rebalancings: Infolge des häufigeren Umschichtens erhöhen sich die Transaktionskosten. Je breiter die Schwankungsbandbreite, desto geringer die Transaktionskosten.

Wertabhängiges Teil-Rebalancing
Um anfallende Transaktionskosten zu reduzieren, kann man auch nur ein Teil-Rebalancing durchführen. Davis/Norman zeigen, dass unter Berücksichtigung von Transaktionskosten ein nur teilweises Rebalancing optimal ist. Wenn sich Preise auch nur einigermaßen zufällig entwickeln – wofür vieles spricht –, dann kann schon die nächste Preisänderung die Portfoliogewichte von selbst in Richtung Zielallokation bewegen. Transaktionskosten wären für diesen Teil dann nicht erforderlich.