ETF-Kolumne

»Mein ausschüttender ETF scheint den Index nicht mehr nachzubilden.«

Diese Anmerkung erreicht uns hin und wieder. Entweder wie eingangs wiedergegeben oder auch als »mein ausschüttender ComStage ETF vollzieht die Entwicklung des Referenzindex nur noch verschoben nach«. Meist beschäftigt Anleger diese Beobachtung gegen Ende August oder im September. Aber was steckt dahinter?

Lassen Sie mich das exemplarisch am Beispiel eines der beliebtesten ComStage ETFs tun, des ComStage DAX ETFs, den es seit 2008 gibt und der die Wertpapierkennnummer ETF 001 trägt. Dieser ETF ist vollreplizierend und ausschüttend. Die 30 im ETF enthaltenen Aktien schütten im Laufe eines Jahres Dividenden aus, meist im Frühjahr. Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland eine richtige Dividendensaison, die zwischen Januar und Juni eines jeden Jahres liegt. In den USA zum Beispiel werden dagegen Quartalsdividenden bevorzugt. Die 30 DAX-Unternehmen zahlen mal mehr, mal weniger Dividenden. Mitunter wird auch keine Dividende gezahlt. Schwankende Dividenden unterscheiden übrigens Anlagen in Aktien von Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere. Denn Letztere haben zumeist einen festen Kupon. Zahlen also einen regelmäßigen, festen Ertrag während der Laufzeit. Bei Fälligkeit gibt es dann den Nominalwert zurück. Auch wenn immer wieder zu lesen ist, die Dividende sei der neue Zins und hohe Dividendenrenditen verlockend klingen, so sollten Schwankungen bei Dividendenhöhe und bei Kontinuität der Zahlungen im Hinterkopf präsent sein.

Die Fondsmanager bei ComStage legen die von den Unternehmen erhaltenen Dividenden wieder an, reinvestieren die Ausschüttungen also. Und folgen so dem DAX, der ein sogenannter Performanceindex ist. Im Gegensatz dazu stehen Preisindizes, die erhaltene Erträge nicht berücksichtigen.

Wie passen nun Performanceindex und ausschüttender ETF zusammen? Nach Geschäftsjahresende des ComStage ETFs auf den DAX, unser Beispiel, und nach Testat durch den Wirtschaftsprüfer, dass alles korrekt verlaufen ist, schüttet der DAX ETF aus. Dies ist meist gegen Ende August der Fall. Was passiert? Unterstellen wir, dass der DAX ETF bei 100,00 Euro am Tag vor der Ertragszahlung steht. Die zu zahlende Ausschüttung betrage 2,50 Euro, was damit einer Dividendenrendite von 2,5 Prozent entspräche. Einer realistischen Zahl für den DAX. Am sogenannten Ex-Tag, dem Ausschüttungstag, »verliert« der Wert des DAX ETF um diese 2,5 Prozent oder 2,50 Euro. Sie beobachten also ein Absinken des DAX ETF-Kurses von 100,00 Euro auf 97,50 Euro. Vorausgesetzt natürlich, dass sich der zugrunde liegende Index, der DAX, an diesem Tag nicht auch bewegt, also steigt oder fällt. Was eher unwahrscheinlich sein wird. Diese »Verringerung« im Wert wird Ertragsabschlag genannt. Bei Aktien spricht man vom Dividendenabschlag. Es kommt quasi zu einer Parallelverschiebung nach unten. Von wo sich der DAX ETF wie gewohnt weiterentwickelt. Diese Verschiebung nach unten ist, was Sie beobachten und warum uns der eine oder andere Anleger darauf hinweist, dass etwas Unvorhergesehenes geschehen sein müsse. Tatsächlich handelt es sich aber nur um einen erklärbaren Abschlag. »Aber wo ist die Differenz von 2,50 Euro geblieben?«, mag sich dennoch mancher von Ihnen fragen. Dieser Ertrag fließt Ihnen zu und befindet sich auf Ihrem Konto. Um die zukünftige Wertentwicklung des ETF »korrekt« nachzuhalten, bereinigen viele Datenbanken den Wert des ETF rückwärtsgerichtet. Eine Parallelverschiebung nach unten, also eine zackenförmige Bewegung mit jeder Ertragszahlung, wird so geglättet. Der ETF folgt visuell auch wieder dem Referenzindex. Möchten Sie die Bereinigung selbst vornehmen? Dann ziehen Sie vom Kurs vor Abschlag den Kurs nach Abschlag ab und teilen das so ermittelte Ergebnis durch den Kurs nach Abschlag. Dazu addieren Sie noch eine Eins und erhalten somit den Bereinigungsfaktor. Damit können Sie die bisherige Kursreihe anpassen, indem Sie jeden vergangenen Kurs durch den Faktor teilen. Oder Sie nehmen den Kurs nach Abschlag, also den Sprung nach unten, den Sie beobachtet haben, und multiplizieren mit dem Faktor. Sie bereinigen also nach vorne. In unserem Beispiel oben heißt dies 100,00 Euro minus 97,50 Euro, macht 2,50 Euro, geteilt durch 97,50 Euro ergibt 0,0256. Hinzu addiert wird eine Eins. Das Ergebnis ist der Bereinigungsfaktor von 1,0256. Multiplizieren Sie den Kurs nach Abschlag, also 97,50 Euro, mit 1,0256, so erhalten Sie wieder 100. Und umgekehrt. Natürlich müssen Sie das für die gesamte Zeitreihe tun, was bei den heutigen Rechenprogrammen keine Kunst mehr ist und sich auch auf andere ausschüttende Wertpapiere anwenden lässt.

Viel Erfolg bei Ihren Investments! Bitte bleiben Sie ComStage ETFs gewogen.