Wissen

Daniel Korth, »Finanzrocker«

»Jetzt rocke ich meine Finanzen selbst«

Herr Korth, in der Finanzbranche sind Sie als »Finanzrocker« bekannt. Erklären Sie unseren Lesern kurz, wer Sie sind und was Sie genau im Rahmen von www.finanzrocker.net machen?
Mein Name ist Daniel Korth, ich bin 38 Jahre alt und arbeite hauptberuflich im Online-Marketing einer Hochschule. Seit dreieinhalb Jahren blogge und podcaste ich als Finanzrocker über die Themen Finanzen, Geldanlage und Humankapital. Zusätzlich mache ich noch den Podcast »Der Finanzwesir rockt« mit meinem geschätzten Bloggerkollegen Albert Warnecke. In dem Podcast versuchen wir, das Thema Geldanlage greifbar zu machen und anschaulich zu zeigen, worauf die Leute bei ihren Finanzen achten sollten.

Vor allem beim Thema Finanzen tragen Journalisten, Redakteure, aber auch Blogger mit ihren Kommentaren, Berichterstattungen und der Auswahl an Nachrichten eine große Verantwortung. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung bei einem doch sehr komplexen und in Deutschland zudem auch sehr unbeliebten Thema um?
Die Verantwortung kommt mir vor allem bei der Auswahl der Interviewgäste zu. Gerade bei einer Größe von über 100.000 Hörern im Monat ist es wichtig, dass diese keinen Unsinn erzählen und so einen direkten Einfluss auf die Hörer haben. Das hat bisher gut geklappt. Gerade durch die Interviews in meinem Podcast versuche ich, unterschiedliche Facetten der Geldanlage zu zeigen. Dabei geht es auch nicht um irgendwelche Empfehlungen, sondern tatsächlich um Finanzbildung! Mir ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Themen so aufbereitet werden, dass es einerseits eben nicht mehr so komplex erscheint und andererseits auch nicht in dieser komplizierten Sprache erläutert wird, wie es bei vielen Banken leider der Fall ist. Das hat oft rechtliche Gründe, aber auch als Bank kann man Geldanlage verständlich erklären.

Im World Wide Web existieren mittlerweile unzählige Arten, um Nachrichten vor allem online zu konsumieren. Können Sie unseren Lesern einen Tipp geben, wie sie sich im heutigen Mediendschungel zum Thema Finanzen am besten zurechtfinden?
Vor allem in Zeiten der ganzen Fake News und riesengroßen Facebook-Foren, in denen jeder seinen Senf dazugibt, wird es immer wichtiger nachzudenken, das Gelesene oder Gehörte zu hinterfragen und auch eigenständig zu beurteilen.

Es gibt mittlerweile Blogleser und Podcasthörer, die sich bei uns bedanken, dass sie ihre Finanzen dank uns in den Griff bekommen haben und nun keine weitere Finanzbildung mehr möchten. Sie verzichten dann auf das weitere Lesen des Blogs oder Hören der Podcast-Folgen, weil sie nicht zum Handeln oder Ausprobieren neuer Assets animiert werden wollen. Eigentlich ist das genau die richtige Einstellung!

Am Anfang sollte man sich aber Gedanken über den eigenen Weg und die eigene Geldanlage machen, die Grundlagen kennenlernen und dann anfangen, sie umzusetzen. Nie war das so einfach wie heute, weil gerade im Finanzbereich eben auch massenhaft hochwertiger Content vorhanden ist, der alles anschaulich erläutert.

Welcher Teil der Bevölkerung hat aus Ihrer Sicht den größten Bedarf an Finanzinformationen und wie begegnen Sie diesem?
In erster Linie haben vor allem junge Leute einen verstärkten Bedarf an Finanzbildung. Die meisten rechnen ja noch mit einer hohen Rente und sind durch ihr Desinteresse an dem Thema ganz schnell bei sehr teuren Versicherungsprodukten oder unnötigen Bausparverträgen. Leider wird Finanzbildung immer sterbenslangweilig und unverständlich rübergebracht. Die meisten Menschen interessiert es genau deshalb nicht.

Damit sich das ändert, habe ich vor über drei Jahren versucht, mich dem Thema mit meinem Blog und den beiden Podcasts auf eine andere, lockere Art und Weise zu nähern. Und bisher funktioniert das ausgesprochen gut. Damals gab es noch nicht so viele Finanzblogs wie heute. Meine Hauptzielgruppe sind junge Leute zwischen 25 und 38, die sich mit ihren Finanzen auseinandersetzen wollen.

Neben Ihrer Website ist der regelmäßige Finanzrocker-Podcast Ihr Hauptkommunikationsmedium. Beim Podcast haben Sie über 100.000 monatliche Abrufe. Wie entscheiden Sie, welche Themen Sie im Podcast aufgreifen?
Mich muss ein Thema selbst interessieren und die Person, die ich interviewe, sollte auch etwas zu sagen haben. Der Finanzrocker-Podcast lebt von seinen komplett unterschiedlichen Gästen, den vielfältigen Themen und der Abwechslung. Da passt ein ETF-Guru wie Gerd Kommer neben den Frugalisten Oliver Noelting oder zum Podcast-Hörer in China. Meine Hörer- und Blogger-Interviews kommen immer gut an, weil dort Leute erzählen, warum sie wie anlegen. Von der Studentin über den Immobilienbesitzer bis zur jungen Mutter ist da eine bunte Mischung dabei.

Zusätzlich zu den Finanzfolgen habe ich noch sogenannte Mixtapes, in denen ich kreative Menschen interviewe, die mit Finanzen in der Regel nicht viel zu tun haben. Das geht von der Comiczeichnerin über den Krimiautor bis hin zum digitalen Nomaden. So entstehen dann auch Gespräche über den Tellerrand der Finanzen hinaus, was ich wichtig und persönlich zur Auflockerung auch spannend finde.

Was ist bei Ihnen die von den Podcast-Hörern am häufigsten gestellte Frage und wie beantworten Sie diese?
Ehrlich gesagt gibt es nicht die eine Frage, die am häufigsten gestellt wird. In der Regel sind es spezifische Fragen zum Interviewgast oder seinen Aussagen. Ansonsten wird häufig noch mal nachgefragt, wie eine gute Diversifikation aussieht, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jeder besitzt eine andere Risikotoleranz und hat andere Voraussetzungen. Hier helfen aber auch die Interviews, wenn Leute erzählen, wie sie es machen.

Was verstehen Sie unter einem erfolgreichen Investment? Und wie stehen Sie zum Thema Risiko? Haben Sie eine generelle Anlagephilosophie?
Ich selbst lege risikoreich und aktiv in Einzelaktien an. Mein Aktienanteil beträgt fast 70 Prozent. Mit 35 einzelnen Werten aus vielen verschiedenen Branchen und Ländern lerne ich ständig etwas dazu und es schwankt auch etwas stärker. Mittlerweile bin ich hier aber ruhiger geworden und handele nur noch sehr wenig. Das ist für mich der wichtigste Punkt für ein erfolgreiches Investment, denn ständiges Hin und Her macht langfristig Taschen leer. Zusätzlich habe ich noch ein ETF-Depot, das ich mit einem Sparplan monatlich fülle, einen Anleihen-Fonds und die obligatorische Tagesgeldreserve aus mehreren Nettogehältern.

Die momentane Niedrigzinsphase ist derzeit ein Riesenthema für alle Akteure im Markt. Was sollten Anleger beim Vermögensaufbau beachten und haben Sie ein Erfolgsrezept, aus welchen Komponenten ein Portfolio bestehen sollte?
Mit einer breiten Diversifikation sind Anleger in der Regel schon sehr gut aufgestellt. Das kann in Form von ETFs sein oder auch – wenn man sich mit den Unternehmen auseinandersetzen will – mit Einzelaktien, wie ich das umsetze. Dazu kommt eine individuell abgestimmte Tagesgeldrücklage. Je nach persönlichen Vorlieben kann man noch Rohstoffe, Immobilien oder andere Assets als Komponenten hinzunehmen. Wichtig ist außerdem die Kontinuität beim Sparen. Innerhalb weniger Jahre hat man schon ein kleines Vermögen aufgebaut, das langfristig in jedem Fall wachsen wird.

Von welchen Anlageformen würden Sie Einsteigern zum Thema »Geldanlage« abraten?
Finger weg von allem, was man nicht versteht oder bei dem die Kostenstruktur nicht sofort klar ist! Als ich vor zehn Jahren mein geerbtes Geld anlegen wollte, habe ich mich in der Bank zum Kauf von sehr teuren Provisionsprodukten überreden lassen. Ich habe sie nicht verstanden und wollte das Thema hinter mich bringen. Prompt waren am Ende über 4.000 Euro an Provision, Ausgabeaufschlägen und jährlichen Kosten weg. Ich hatte damals kein Interesse an Geldanlage, sodass ich alles unterschrieb, ohne nachzudenken. Jetzt möchte ich versuchen, den Leuten klarzumachen, dass man sich selbst Gedanken über das eigene Geld machen muss. Sonst gibt es jemand anderes für einen aus und es ist im schlimmsten Fall weg.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Laura Schwierzeck