Märkte

Rohstoffe

In verschiedenen Welten

Die Tendenzen in den diversen Rohstoffsektoren sind uneinheitlich, auch wenn fast überall die US-Politik das Geschehen dominiert. Am Ölmarkt sind die Preise nahe ihrem 3,5-Jahres-Hoch, weil im Spätherbst wegen der US-Sanktionen hohe Ausfälle bei den iranischen Ölexporten drohen. An den Industriemetallmärkten dagegen dominieren die Nachfragesorgen, weil der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China die ohnehin angeschlagene Konjunktur im mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für Industriemetalle weiter abzubremsen droht. Wir denken, dass sich die Schere zu weit geöffnet hat und sich Öl bis Jahresende wieder verbilligt, während die Industriemetallpreise eher wieder anziehen sollten. Und Gold? Trotz der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren ist das gelbe Edelmetall so günstig wie zuletzt vor anderthalb Jahren – als ginge hier niemanden die Nervosität von »nebenan« etwas an. Da der Aufwind des US-Dollar an Fahrt verliert, dürfte die »scheinbare« Immunität nicht von Dauer sein.

Grafik 1: Gespaltene Rohstoffmärkte

S&P GSCI-Spotindizes

Grafik 1: Gespaltene Rohstoffmärkte
Stand: 6. September 2018; Quelle: GSCI, Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Öl: Ein Barrel Brent-Öl ist seit dem Frühsommer wieder so teuer wie zuletzt im November 2014 bzw. mit knapp 80 US-Dollar 75 Prozent teurer als im vergangenen Sommer. Maßgeblicher Preistreiber ist die Angebotsentwicklung. Denn was 2017 vor dem Hintergrund übervoller Vorräte als gewollte Angebotsverknappung begann, hatte sich (unfreiwillig) erheblich zugespitzt: Unerwartet hohe Produktionsausfälle in Venezuela fraßen die massiven Produktionserfolge in den USA auf; somit traf die dank der guten Konjunktur weiterhin kräftig wachsende Nachfrage auf ein zu knappes Angebot. Anfang des Sommers haben die übrigen OPEC-Staaten deshalb zusammen mit Russland beschlossen, die Produktionsverluste Venezuelas auszugleichen und ihre Produktion wieder zu erhöhen (siehe Grafik 2). Mittlerweile produzieren die großen Ölproduzenten Saudi-Arabien und Russland fast wieder so viel wie vor dem Kürzungsabkommen. Da auch die Förderung in Libyen nach temporären Ausfällen wieder hochgefahren werden konnte, ist das Angebot des Ölkartells momentan sogar höher als der Bedarf an OPEC-Öl.

Grafik 2: Übererfüllung des Kürzungsbeschlusses wegen Venezuelas Produktionsausfällen
Grafik 2: Übererfüllung des Kürzungsbeschlusses wegen Venezuelas Produktionsausfällen
Stand: 18. September 2018; Quelle: IEA, Commerzbank Research

Dass die Preise dennoch so hoch sind, ist den drohenden Ausfällen bei den iranischen Ölexporten geschuldet. Anfang November werden die US-Sanktionen gegen den Iran im vollen Umfang wirksam. Die USA sind bestrebt, so viele Länder wie möglich vom Kauf iranischen Öls abzuhalten. Wie stark der Einfluss der US-Sanktionen auf die iranischen Öllieferungen letztlich ausfallen wird, lässt sich noch schwer abschätzen. Bei den letzten US-Sanktionen bis Anfang 2016 fielen sie um ca. 1 Million Barrel pro Tag. Da die USA damals keinen vollständigen Einfuhrstopp verlangten bzw. Ausnahmen gewährten, werden die Kürzungen diesmal wohl größer ausfallen. Bis auf China, die Türkei und vielleicht bis zu einem gewissen Grad auch Indien dürften die wichtigsten Abnehmer ihre Öllieferungen aus dem Iran in den kommenden Monaten merklich reduzieren. Bereits in den vergangenen Monaten hatte der Iran erste Schwierigkeiten, Abnehmer für sein Öl zu finden. Der Aufschlag, der für die hohe Qualität des iranischen Öls gezahlt wird, ist verschwunden; die iranische Tagesproduktion ist von 3,8 Millionen Barrel im Mai auf nur noch 3,5 Millionen Barrel im August zurückgefallen.

Ein gewisser Rückgang wäre vertretbar: Schließlich dürfte laut Internationaler Energieagentur (IEA) im kommenden Jahr fast allein das Produktionswachstum in Nordamerika ausreichen, das Wachstum der Nachfrage zu decken. Aber wenn Irans Produktion stark zurückfällt, müssen andere Länder den Produktionshahn aufdrehen. Swing-Producer Saudi-Arabien ist dafür zweifellos der erste Kandidat: Hier stehen laut IEA immerhin frei verfügbare Kapazitäten in Höhe von 1,5 Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung. Die Lücke ist also zu schließen. Dennoch: Mit dem Abschmelzen der freien Kapazitäten sinken die Sicherheitspuffer. Das spricht zweifellos für eine höhere Risikoprämie als vor gut einem Jahr. Dennoch erachten wir die Nervosität am Markt als übertrieben und denken, dass der Brent-Ölpreis bis Jahresende auf 70 US-Dollar je Barrel zurückgeht.

Industriemetalle: An den Industriemetallmärkten ist die Stimmung im Frühsommer gekippt. Immer weiter hat sich die Zollspirale nach oben geschraubt und immer größer wurden die Sorgen, der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China könne die ohnehin angezählte Konjunktur im mit Abstand größten Absatzmarkt für Industriemetalle abbremsen. Hinzu kamen diverse Krisenherde in Schwellenländern, die die Währungen unter Druck setzten bzw. den US-Dollar aufwerten ließen. Und ein festerer US-Dollar ist grundsätzlich eine Belastung für Industriemetallpreise. Mittlerweile notiert der Index der Londoner Metallbörse LMEX fast 20 Prozent niedriger als Anfang Juni und damit knapp über seinem 13-Monats-Tief von Mitte August.

Wir erachten den Preisverfall an den meisten Metallmärkten als übertrieben. Zink beispielsweise hat sich als größter Verlierer im laufenden Jahr um mehr als 25 Prozent verbilligt. Tatsache ist zwar, dass das Angebot der Prognose der International Lead und Zinc Study Group (ILZSG) zufolge im laufenden Jahr nach dem Rückgang im Vorjahr deutlich steigen wird. Die Lücke zur Nachfrage wird sich damit wohl etwas schließen. Aber mit gut 250.000 Tonnen bliebe das Angebotsdefizit beträchtlich (siehe Grafik 3). Nicht ganz so stark in der Diskrepanz sind die Verhältnisse beim Schwestermetall Blei. Hier dürfte der Markt laut ILZSG im laufenden Jahr ungefähr ausgeglichen sein, was aber einen Preisrückgang um gut 15 Prozent unseres Erachtens auch hier nicht rechtfertigt.

Grafik 3: Zinkangebot bleibt zu knapp

Angebot minus Nachfrage

Grafik 3: Zinkangebot bleibt zu knapp
Stand: 23. August 2018; Quelle: ILZSG, Commerzbank Research
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Am Kupfermarkt ist die Lage vermeintlich entspannt: Immerhin wird im laufenden Jahr zum ersten Mal seit neun Jahren mit einem Angebotsüberschuss gerechnet. Das würde auf den ersten Blick niedrigere Preise rechtfertigen, das Ausmaß der Preiskorrektur erachten wir allerdings als übertrieben. Vor allem die kurzfristigen Finanzanleger sind laut CFTC-Statistik an der COMEX sehr negativ positioniert. Die langfristigen Nachfrageperspektiven dürften die Preise aber wieder deutlich steigen lassen: Nicht nur die hohen Infrastrukturinvestitionen im Rahmen von Chinas Belt-and-Road-Initiative lassen einen wachsenden Bedarf erwarten, auch der starke Einsatz in der Elektromobilität schiebt die Nachfrage an.

Starke Kapriolen schlug Aluminium – und auch hier war die US-Politik maßgeblich. Anfang April hatte US-Präsident Trump Sanktionen gegen Russland verhängt, von denen auch Russlands größter Aluminiumproduzent betroffen ist, der für rund 6 Prozent der globalen Aluminiumproduktion steht. Die Befürchtungen vieler Marktteilnehmer, dass sich der Aluminiummarkt massiv verknappen würde, erwiesen sich aber bislang als übertrieben, auch weil der ins Visier geratene Oligarch Deripaska sich aus den Geschäften zurückzog und damit dem Konflikt die Schärfe nahm. Wir denken, dass der Markt derzeit ausreichend versorgt ist, und sehen den Aluminiumpreis bis auf Weiteres seitwärts pendeln.

Gold: Der Goldpreis gibt seit geraumer Zeit Rätsel auf. Trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren wie dem ungelösten Handelskonflikt zwischen den USA und China, der Währungskrise in der Türkei und einer zunehmend rücksichtslosen US-Sanktionspolitik fiel er binnen vier Monaten um 200 US-Dollar auf ein 19-Monats-Tief. Bei zurzeit 1.200 US-Dollar je Feinunze hat er sich seither kaum erholt. Vier Faktoren lasten im Wesentlichen auf dem Goldpreis: Erstens die Aufwertung des US-Dollar, der sowohl von seinem beträchtlichen Zinsvorteil gegenüber dem Euro als auch von seiner Funktion als sicherer Hafen profitiert (siehe Grafik 4).

Grafik 4: Goldpreis im Bann des US-Dollar
Grafik 4: Goldpreis im Bann des US-Dollar
Stand: 6. September 2018; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Der feste US-Dollar erklärt allerdings nicht, warum der Goldpreis in Euro fast genauso stark nachgab und auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren abrutschte. Zweitens haben sich ETF-Anleger zurückgezogen, die wohl auch von den robusten US-Aktienmärkten angelockt wurden. Schließlich überzeugte die US-Wirtschaft nicht zuletzt wegen der Steuerreform mit robusten Konjunkturdaten und Unternehmensgewinnen. Drittens sind viele Schwellenländerwährungen schwach: Davon betroffen waren auch die Währungen großer Goldnachfrageländer wie China und Indien. Da der Goldpreisverfall in diesen lokalen Währungen somit abgebremst wurde, sprang die physische Goldnachfrage in diesen Ländern lange Zeit nicht wie sonst üblich an. Dadurch fehlte ein wichtiger preisunterstützender Faktor, der einen weiteren Preisrückgang hätte verhindern können. Der Goldpreis in der Türkei sprang wegen des Lira-Verfalls auf ein Rekordniveau, was die Goldnachfrage bremste, die Anfang 2018 noch robust war. Auch hohe spekulative Verkäufe belasteten die Preise zuletzt. Die kurzfristigen Finanzanleger weiteten ihre Wetten auf weiter fallende Goldpreise laut CFTC-Statistik kontinuierlich auf ein Rekordniveau aus. Dass spekulative Finanzanleger »Netto-Short« sind, ist bei Gold ohnehin ungewöhnlich. Das derzeitige Niveau ist darüber hinaus beispiellos (siehe Grafik 5).

Grafik 5: Viel Skepsis am Goldmarkt
Grafik 5: Viel Skepsis am Goldmarkt
Stand: 28. August 2018; Quelle: CFTC, Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Man könnte von einer Vertrauens- bzw. Sinnkrise bei Gold sprechen. Die Meinung einiger Marktbeobachter, Gold sei deshalb kein sicherer Hafen mehr, teilen wir aber nicht. Anomalien bei der Goldpreisentwicklung hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Ein Beispiel ist die Zeit kurz nach dem Ausbruch der großen Finanzkrise im Oktober 2008, als der Goldpreis zunächst stark um mehr als 200 US-Dollar auf weniger als 700 US-Dollar je Feinunze fiel, und bereits im Dezember 2009 wieder bei 1.200 US-Dollar je Feinunze notierte.

Angesichts der zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren ist der Goldpreis auf ein zu niedriges Niveau gefallen. Die rekordhohen spekulativen Netto-Short-Positionen sprechen für eine spürbare Preiserholung noch in diesem Jahr. Denn wenn die Spekulanten damit beginnen, ihre (Netto-)Short-Positionen glattzustellen, kann es mit dem Preis sehr schnell wieder nach oben gehen. Zum Jahresende dürfte eine Feinunze Gold wieder deutlich teurer sein.

Anlageidee: ETFs auf Rohstoffindizes und Goldminenaktien

Eine Möglichkeit, um gezielt an einer Vielzahl von Rohstoffen zu partizipieren, bietet der Rohstoff ETF von ComStage (WKN: ETF 090). Er bildet die Entwicklung von jeweils vier Edelmetallen, Industriemetallen und Rohstoffen aus dem Sektor Energie ab (siehe Grafik 6). Jeder der drei Sektoren setzt sich aus vier Rohstoffen zusammen, die anfänglich jeweils zu 8,33 Prozent im Index vertreten sind. Der Index wird zweimal jährlich an festgelegten Anpassungstagen überprüft und die anfängliche Gewichtung je Indexkomponente wiederhergestellt. Dadurch werden Ungleichgewichte wieder ausgeglichen, die durch die unterschiedlichen Kursentwicklungen der einzelnen Sektoren während der Laufzeit entstehen. Da die meisten gehandelten Rohstoffe in US-Dollar notieren, ergibt sich für Anleger aus dem Euroraum ein möglicher Währungseinfluss, der sich aus der Entwicklung des Euro/US-Dollar-Wechselkurses ergibt. Dies kann für den Anleger sowohl von Vorteil, aber auch von Nachteil sein. Für Anleger, die Euro/US-Dollar-Währungseinflüsse weitgehend vermeiden möchten, bietet ComStage ebenfalls einen währungsgesicherten Rohstoff ETF an (WKN: ETF 099).

Grafik 6: Zusammensetzung des Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR

(in Prozent nach halbjährlichen Anpassungsterminen)

Grafik 6: Zusammensetzung des Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR
Stand: September 2018; Quelle: Commerzbank AG

Eine weitere Möglichkeit, um beispielsweise an der Entwicklung von Unternehmen aus dem Goldabbau zu partizipieren, bietet der ComStage ETF auf den Index NYSE Arca Gold BUGS™ (Basket of Unhedged Gold Stocks; WKN: ETF 091).

Dieser setzt sich aus 23 Unternehmen zusammen und bildet kurzfristige Kursbewegungen des Goldpreises näherungsweise ab, indem Aktien von Unternehmen in den Index aufgenommen werden, die ihre Goldproduktion nicht über einen Zeitraum von mehr als eineinhalb Jahren absichern (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Top 10 des NYSE Arca Gold Bugs-Index

Unternehmen

Indexgewichtung

Barrick Gold

15,76 %

Newmont Mining

14,61 %

Goldcorp

9,71 %

Randgold Resources

3,79 %

Kirkland Lake Gold

3,63 %

Gold Fields

3,63 %

Yamana Gold

3,56 %

Osisko Gold Royalties

3,54 %

Coeur Mining

3,53 %

Agnico Eagle Mines

3,52 %

Stand: 25. September 2018; Quelle: New York Stock Exchange

Weitere Informationen sowie ein Überblick über das gesamte Angebot an ComStage ETFs stehen Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETFs auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Währungsgesichert

Geld-/Briefkurs

CBK Commodity ex-Agriculture EW Index TR

ETF 090

0,30 %

Ausschüttend

Nein

88,14/88,28 EUR

CBK Commodity ex-Agriculture Monthly EUR Hedged Index TR

ETF 099

0,35 %

Ausschüttend

Ja

65,36/65,47 EUR

NYSE Arca Gold BUGS

ETF 091

0,65 %

Ausschüttend

Nein

11,94/11,95 EUR

Stand: 27. September 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.