Märkte

Indexreform 2018

»Classic« und »Tech« wachsen zusammen

Die Deutsche Börse setzte zur Quartalsanpassung am 21. September 2018 (zum Xetra-Schlusskurs) eine Indexreform ihrer Auswahlindizes um. Hierbei wurde die 2003 eingeführte Trennung von »Classic« und »Tech«, wie sie unterhalb des DAX bestand, aufgehoben. Während die DAX-Regeln unverändert blieben, stieg im MDAX, der nun auch Technologie-Aktien beinhaltet, die Zahl der Mitglieder von 50 auf 60. Der SDAX wurde von 50 auf 70 Werte – wieder mit Technologie-Aktien – aufgestockt. Der TecDAX, in dem jetzt auch die DAX-Technologie-Aktien enthalten sind, wurde zu einem Branchen-Auswahlindex. In der Summe ist das neue Indexsystem sowohl zeitgemäßer als auch etwas investorenfreundlicher konzipiert.

Der alte und der neue DAX
Im DAX blieben, bis auf die im September 2018 anstehende, reguläre Anpassung der Indexzusammensetzung, die Regeln unverändert. Der DAX hat nun einen Anteil von ca. 70,7 Prozent der Free-Float-Marktkapitalisierung des Prime Standard Segments.

Der alte MDAX 50 und der neue MDAX 60
Beim neuen MDAX 60 stieg durch die Aufnahme von Technologie-Aktien und die Ausweitung der Mitglieder die Bedeutung im Prime Standard (Anteil ca. 21,6 Prozent). Einerseits wurde der Index aufgrund der höheren Free-Float-Marktkapitalisierung der Indexmitglieder investorenfreundlicher, andererseits stieg die Hürde für eine MDAX-Aufnahme, zum Beispiel für Neuemissionen, deutlich. Der MDAX 60 ist somit der einzige »DAX-Zulieferindex«.

Der alte und der neue TecDAX 30
Auch wenn der TecDAX seinen Status als exklusiver Auswahlindex verlor, gewann er aufgrund der Aufnahme der DAX-Tech-Werte deutlich an Bedeutung, sodass der Anteil des neuen TecDAX am Prime Standard auf ca. 18,7 Prozent (zuvor 6,1 Prozent) hochschnellt.

Der alte SDAX 50 und der neue SDAX 70
Der neue SDAX 70 profitiert von der höheren Titelanzahl, sodass sein Anteil am Prime Standard auf ca. 4,7 Prozent (zuvor ca. 3,1 Prozent) ansteigt. Aufgrund der neuen Schwellen wird der SDAX 70 für viele Neuemissionen die erste Indexanlaufstelle sein, wobei die Eintrittsschwelle (nach Free-Float-Marktkapitalisierung) fast unverändert zum alten SDAX 50 ist.

Indextechnische Kennzahlen
Beim MDAX 60 und SDAX 70 werden die Technologie-Aktien für (leicht) veränderte, indextechnische Kennzahlen sorgen. Während die durchschnittlichen Bewertungen und Volatilitäten leicht ansteigen sollten, dürften die durchschnittlichen Dividendenrenditen leicht sinken.

Grafik 1: Auswahlindizes – Prozent-Anteil im Prime Standard vor und nach der Indexreform 2018
Grafik 1: Auswahlindizes – Prozent-Anteil im Prime Standard vor und nach der Indexreform 2018
Stand: 21. September 2018; Quelle: Commerzbank Research, Deutsche Börse AG, Bloomberg

Hintergründe und Details zu Indexreformen
Die Auswahlindizes der Deutschen Börse waren in den Jahren seit ihrer Einführung immer wieder Gegenstand von Reformen. Die letzte große Strukturreform erfolgte im März 2003. Grafik 4 gibt eine Übersicht sowohl über kleinere Veränderungen beim Regelwerk der Auswahlindizes als auch über die größeren Indexreformen der letzten 20 Jahre.

Der Auslöser für die Indexreform 2003 war das Platzen der sogenannten TMT-Hausse (TMT steht für Technologie, Medien und Telekommunikation) im Jahr 2000 und die sich anschließende ausgeprägte dreijährige Baisse. Dadurch wurden zwei Bereiche besonders stark in Mitleidenschaft gezogen: einerseits das Segment für die Small Caps (SMAX), das durch die stark eingeschränkte IPO-Tätigkeit austrocknete, und andererseits der damalige »Neue Markt« (Nemax), an dem während der Hausse zahlreiche TMT-Werte an die Börse gekommen waren.

Heute, 20 Jahre nach dem Beginn der TMT-Hausse und 15 Jahre nach der letzten Indexreform, nimmt der Technologie-Bereich an den internationalen Aktienmärkten eine führende Rolle ein, wie zahlreiche moderne Technologie-Giganten, die bereits während der Jahrtausendwende gelistet waren, derzeit eindrucksvoll belegen. Daneben hat die Hausse der letzten Jahre bei den Mid und Small Caps dieses Segment auch mit Blick auf IPOs wieder deutlich belebt. Die Indexreform 2018 trug diesen veränderten Rahmenbedingungen mit einer Erneuerung der Auswahlindizes unterhalb des DAX Rechnung. Der TecDAX erhält eine »Sonderstellung« und wird eine Art Branchen-Auswahlindex, wobei die TecDAX-Titel alle eine doppelte Indexmitgliedschaft haben.

Änderungen im Rahmen der Indexreform 2003
Während der Indexreform 2003 wurden die alten, vorher unabhängigen Segmente (einerseits das SMAX-Segment für die Small Caps, andererseits das Nemax-Segment für die Titel des sogenannten Neuen Markts) abgeschafft und durch eine »Indexpyramide« ersetzt. Gleichzeitig wurde der MDAX von damals 70 Werten auf 50 Werte verkleinert. (Der SDAX war bereits bei der Einführung der Free-Float-Gewichtung im Juni 2002 von ehemals 100 Werten auf 50 Werte verkleinert worden.)

Die Grafiken 2 und 3 zeigen die Veränderungen im Rahmen der Indexreform von 2003. Hierbei wurden das Prime Standard und das General Standard Segment neu geschaffen und alle gelisteten Unternehmen in zwei Bereiche eingeteilt. Einerseits in den Classic-Bereich, in dem die klassischen Sektoren angesiedelt waren, und andererseits in den Technologie-Bereich. Dieser umfasste verschiedene Technologie- und Telekom-Werte, wobei zum Beispiel auch Solar- und Windkraft-Titel, die sogenannten erneuerbaren Energien, sowie Biotechnologie-Titel darunter fielen. Die Einteilung in die beiden Bereiche »Classic« oder »Technologie« war maßgeblich dafür, ob ein Unternehmen in den SDAX oder MDAX – den Classic-Bereich – oder in den TecDAX – den Technologie-Bereich – aufgenommen wurde. Im DAX waren immer schon sowohl Classic- als auch Technologie-Titel vertreten.

Grafik 2: Vergleich der beiden Indexsysteme (links: Indexsystem vor 2003, rechts: Indexsystem bis September 2018)
Grafik 2: Vergleich der beiden Indexsysteme (links: Indexsystem vor 2003, rechts: Indexsystem bis September 2018)
Stand: 21. September 2018; Quelle: Deutsche Börse AG, Commerzbank Research

Die wichtigsten Änderungen der Indexreform 2018
Bei der Indexreform, die am 21. September 2018 (zum Börsenschluss) umgesetzt wurde, blieb die Einteilung in die Segmente General Standard und Prime Standard bestehen. Die wichtigste Änderung im Rahmen dieser Strukturreform ist die Abschaffung der im Jahr 2003 eingeführten Trennung in die Bereiche »Classic« und »Technologie«. Das bedeutet, dass wie im DAX, in dem immer schon beide Bereiche vertreten waren, nach dieser Reform auch der neue MDAX und der neue SDAX beide Bereiche und damit auch Werte, die bislang nur im TecDAX vertreten waren, enthalten. Mit der Einsortierung der TecDAX-Werte in den MDAX und in den SDAX veränderte sich im September auch die Titelanzahl im MDAX von bislang 50 auf 60 Werte und im SDAX von 50 auf 70 Titel. Damit bleibt die Summe der Werte in den Auswahlindizes DAX (30) plus MDAX (neu 60) plus SDAX (neu 70) identisch mit der aktuellen Summe aus DAX (30) plus MDAX (alt 50) plus SDAX (alt 50) plus TecDAX (alt 30).

Mit Blick auf den DAX bedeutet dies, dass der MDAX demnächst der einzige »Zulieferindex« sein wird. Der SDAX bleibt der »Zulieferindex« für den MDAX.

Der TecDAX weist weiterhin eine unveränderte Anzahl an Titeln auf, aber er wird eine Art Sonderstellung einnehmen. Nach wie vor können nur Technologie-Werte aufgenommen werden. Sind diese bereits im DAX, MDAX oder SDAX, kommen sie zusätzlich in den TecDAX, sodass bei den TecDAX-Werten eine »doppelte Indexmitgliedschaft« vorliegt. Da die Zuordnung von Sektoren und Subsektoren, die im Technologie-Bereich der Deutschen Börse angesiedelt sind, unverändert ist, stellt der TecDAX damit einen Branchen-Auswahlindex für diesen Teilbereich des Prime Standard Segments der Aktienbörse dar und wird kein exklusiver Auswahlindex im System der Indexpyramide (wie der MDAX oder der SDAX) mehr sein.

Theoretisch ist es auch möglich, dass der TecDAX Technologie-Aktien unterhalb des SDAX enthält, die »nur« im Prime Standard sind. Seit der Anpassung im September 2018 sollten aber alle TecDAX-Titel eine doppelte Indexmitgliedschaft haben.

Grafik 3: Aufbau des Indexsystems seit 24. September 2018
Grafik 3: Aufbau des Indexsystems seit 24. September 2018
Stand: 21. September 2018; Quelle: Deutsche Börse AG, Commerzbank Research

Auswirkungen der Indexreform 2018
Durch diese Indexreform wird vor allem für die bisherigen TecDAX-Werte eine neue Investorengruppe erschlossen. Anleger, die bisher nur den MDAX 50 (und/oder SDAX 50) als Coverage und Investmentuniversum gewählt hatten, müssen nun auch die entsprechenden Technologie-Werte in ihr Anlageuniversum aufnehmen. Die passiven Gelder, die den MDAX abbilden, sind zurzeit deutlich größer als jene, die den TecDAX verfolgen. Entsprechend sollten die TecDAX-Werte, die in den MDAX aufgenommen werden, trotz ihrer Anteilsverluste im neuen TecDAX 30 im Umfeld der Anpassung von einer Netto-Indexnachfrage profitieren. Mittelfristig sollte sich eine deutlich größere Investorengruppe für den neuen TecDAX und seine Werte interessieren, da dieser – bei einer besseren Investierbarkeit – repräsentativer für den deutschen Technologie-Bereich ist. Zwar ist der neue TecDAX kein exklusiver Auswahlindex mehr, da er aber bereits am Markt etabliert ist, werden die Tech-Werte von dem doppelten Indexlisting profitieren. Der neue TecDAX wird zuerst eine Teilmenge des DAX, MDAX 60 und SDAX 70 sein und zusätzlich eine Art Branchen-Auswahlindex für die führenden deutschen Technologie-Aktien darstellen.

Die Erfahrung mit anderen Indizes, die sowohl Werte aus dem Classic- als auch aus dem Technologie-Bereich umfassen, wie etwa der amerikanische S&P 500, zeigt, dass diese kombinierten Indizes sehr erfolgreich sind.

Abschlussbemerkungen
Bei dieser Indexreform überwiegen die positiven Aspekte. Die Trennung zwischen Classic und Tech, wie sie vor 15 Jahren von vielen Investoren eingefordert wurde, ist nicht mehr zeitgemäß. Die beiden Bereiche wachsen auch in der Realwirtschaft immer stärker zusammen, eine Entwicklung, der mit dieser Indexreform jetzt Rechnung getragen wird. Durch die leichte Aufstockung von MDAX und SDAX mit Blick auf die Anzahl der Indexmitglieder finden sich fast alle Werte aus den alten Auswahlindizes auch in den neuen Auswahlindizes wieder. Der TecDAX wurde durch die Aufnahme der Technologie-Aktien aus dem DAX repräsentativer für den an der Börse gelisteten deutschen Technologie-Bereich. Da der TecDAX am Markt etabliert ist, sollten die dortigen Aktien aufgrund des Doppellistings – auch mit Blick auf das Liquiditätsranking – einen leichten Vorteil haben.

Die Aufnahme von Tech-Aktien in den MDAX 60 und SDAX 70 findet sich aber auch in den (fundamentalanalytischen) Bewertungsniveaus wie zum Beispiel dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und den durchschnittlichen Dividendenrenditen wieder. Darüber hinaus bringen Technologie-Aktien im Regelfall eine höhere Volatilität mit, die sich sowohl in Auf- als auch in Abschwungphasen in den Indizes niederschlagen wird.

Grafik 4: Überblick über ausgewählte Veränderungen des Indexsystems der Deutschen Börse AG
Grafik 4: Überblick über ausgewählte Veränderungen des Indexsystems der Deutschen Börse AG
Stand: 21. September 2018; Quelle: Deutsche Börse AG, Commerzbank Research

Anlageidee: ComStage ETFs auf den DAX und seine Familienmitglieder

Sie sind auf der Suche nach deutschen Aktien ETFs zur ausgewogenen Zusammenstellung Ihres Depots? Ganz gleich wo Sie Ihren Schwerpunkt setzen möchten – auf die größten und börsenumsatzstärksten Unternehmen oder doch lieber auf Technologie-Unternehmen oder dividendenstarke Unternehmen –, bei ComStage werden Sie fündig. Ein Überblick über die gesamte Auswahl an ComStage ETFs steht Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Strategie

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

DAX

ETF 001

Blue Chips

0,08 %

Ausschüttend

114,46/114,50 EUR

DivDAX

ETF 003

Dividenden-Aktien

0,25 %

Ausschüttend

28,88/28,90 EUR

SDAX

ETF 005

Small Caps

0,70 %

Ausschüttend

108,75/108,96 EUR

MDAX

ETF 007

Mid Caps

0,30 %

Ausschüttend

24,40/24,43 EUR

TecDAX

ETF 908*

Technologie-Aktien

0,43 %

Ausschüttend

22,68/22,69 EUR

LevDAX x2

ETF 043

Blue Chips gehebelt

0,30 %

Ausschüttend

11,84/11,85 EUR

ShortDAX

ETF 004

Blue Chips Short

0,30 %

Ausschüttend

22,42/22,43 EUR

ShortMDAX

ETF 044

Mid Caps Short

0,45 %

Ausschüttend

21,41/21,43 EUR

Stand: 27. September 2018; Quelle: Commerzbank AG

* Bei dem ETF auf den TecDAX mit der WKN ETF 908 handelt es sich um einen ComStage 1 UCITS ETF, einen physisch replizierenden ETF, der nach deutschem Recht aufgelegt wurde und bei dem Wertpapierleihe- und Pensionsgeschäfte in den Anlagebedingungen ausgeschlossen sind.

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.