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Informationstechnologie mit dauerhafter Relativer Stärke

Die IT-Branche ist vor allem langfristig attraktiv. Hohe Cash-flows, extrem solide Bilanzrelationen sowie die Akzentuierung des Shareholder Values charakterisieren den Sektor ebenso wie die Ausrichtung auf Trends, die die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten bestimmen werden (Cloud, Digitalisierung von Haushalten und Verkehr, Sicherheit). Nach den sehr positiven Ergebnissen der vergangenen Berichtssaison sehen wir die weiter gestiegene Bewertung als gerechtfertigt an.

Dauerhafte Relative Stärke
Nach einer vorherigen Schwächephase startete die Branche Anfang 2013 einen Aufwärtstrend, der unverändert andauert und in den vergangenen 15 Monaten sogar noch einmal einen deutlichen Schub erhalten hat. Seit viereinhalb Jahren stellt sich somit die Tendenz – unterstützt durch die meist überzeugenden Ergebnisse der einzelnen Berichtsperioden – zwar auch immer wieder einmal volatil, aber insgesamt eindeutig steigend dar.

Nachholinvestitionen im verbesserten Umfeld, Akzentuierung des Shareholder-Value-Gedankens, neue Innovationskraft und hervorragende qualitative Merkmale der IT-Konzerne sind die Hauptargumente für den längerfristig positiven Trend. Dazu addiert sich nun nach der Steuerreform auch der Rücklauf der Auslandsreserve, die inzwischen gleichermaßen in attraktive Ausschüttungen, Rückkäufe oder Investitionen mündet. Somit geriet das Kapitalmarktjahr 2017 quasi zu einem Triumphzug für den Technologiesektor. Zum Jahresultimo standen eine Entwicklung von 35,4 Prozent und eine Outperformance gegenüber dem MSCI World von 19,1 Prozent zu Buche.

Dabei waren IT-Titel Ende November vor allem in den USA unter Druck geraten. Gewinne wurden mitgenommen und in Branchen umgeschichtet, die bisher weit hinterherhinkten. Diese Entwicklung setzte sich dann in Europa und Südostasien weiter fort. Allerdings handelte es sich hierbei wieder einmal nur um ein kurzes Zwischenspiel. Seit dem Jahreswechsel gehört IT wieder zu den gefragtesten Branchen. Zwischenzeitliche Sorgen, die wegen enttäuschender Zahlen von Halbleiterspezialisten für den Mobilfunk aufgekommen waren, dämmten sich spätestens mit dem Gewinnbericht des ersten Quartals von Apple wieder ein.

Somit wurde die kurzfristige Zurückhaltung gegenüber der erfolgreichsten Branche der vergangenen Jahre schnell wieder aufgegeben. Die in allen Ebenen sehr starken Zahlen des Jahresauftaktquartals zerstreuten alle Zweifel an der Rechtfertigung der inzwischen ambitionierten Bewertung. IT ist mit wieder sehr großem Abstand Sektor mit der besten Wertentwicklung im ersten Halbjahr 2018, der vor allem auch in den diversen Schwächephasen stets stabil war.

Eine erneute schwierige Phase Ende Juli dauerte wieder einmal nur wenige Tage. Gerade die Highflyer der vergangenen Monate, die Internetservicespezialisten Facebook und Twitter, mussten wegen der neuen Datenschutzregeln in Europa empfindlich rückläufige Nutzerzahlen hinnehmen und enttäuschten so mit ihren Quartalsvorlagen massiv. Die Folge waren starke Kurseinbußen, die – nach dem man auch bei Intel ein Haar in der Suppe gefunden hatte – die gesamte Branche mit nach unten zogen. Die Trendwende folgte schnell mit der Vorlage der sehr erfolgreichen Quartalszahlen von Apple und dem publikumswirksamen Überschreiten der Schwelle von 1 Billion US-Dollar in der Marktkapitalisierung.

Grafik 1: Nasdaq 100, DAX und S&P 500 im Vergleich

Informationstechnologiebranche mit dauerhafter Relativer Stärke

Grafik 1: Nasdaq 100, DAX und S&P 500 im Vergleich
Stand: 28. August 2018; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Trendsetter Apple
Ein Synonym für diesen Wiederaufschwung dürfte Apple sein. Der iMac-Entwickler hatte sich mit seiner Vorreiterrolle bei mobilen IT-Geräten wie iPhone, iPad und iPod zum erfolgreichsten Konzern der Welt entwickelt, musste aber zu Beginn der Dekade dem nachrückenden Wettbewerb Tribut zollen. Nachdem Apple seinen lange Zeit uneinholbar anmutenden Vorsprung verloren hatte, ist es inzwischen mit Produktanpassungen gelungen, die nachziehende Konkurrenz zu stellen. Jetzt startete der Marktführer eine neue Offensive im Bereich Services und Dienstleistungen mit dem Smartphone-Bezahlsystem Apple Pay, Apple Music, der Apple Watch und in Zukunft irgendwann wohl auch mit einem Apple Car.

Branche im Wandel
Die rasante Entwicklung der Branche setzt sich weiter fort. Die Unterscheidung zwischen Software- und Hardwarespezialisten ist fast aufgehoben, man erkennt nur noch die ursprünglichen Domänen im neu angepassten Produktmix. Der zunehmende Wettbewerb sorgt aber auch für einen massiven Innovationsschub. Nachdem der Markt für mobile Anwendungen soweit aufgeteilt ist, geht es jetzt um die Positionierung in der Cloud.

Themen, die immer stärker in den Fokus rücken, sind soziale Netzwerke, die Netze für Verarbeitung immer größerer Datenmengen (damit auch das Thema Sicherheit), die Digitalisierung der Haushalte, die Vernetzung von Automobilen sowie als umspannendes Thema das Internet der Dinge.

Im Hardwarebereich findet eine immer stärkere Konzentration auf den Absatz mobiler Geräte statt. War der reine PC-Absatz bereits seit Jahren deutlich rückläufig, so verschiebt sich jetzt auch der Trend vor allem Richtung Smartphones und mit Abstrichen auch Tablets. Der reine PC-Absatz fiel 2016 laut dem Analysehaus Gartner um weitere 6,2 Prozent auf knapp 270 Millionen Geräte. 2011 wurden noch rund 350 Millionen PCs verkauft.

Aufstieg der Internetservicespezialisten
Waren lange Zeit die mobilen Computeranwendungen der wesentliche Treiber der Branche, so haben sich in den vergangenen Jahren Internet Services immer stärker in den Vordergrund gedrängt. Ein Synonym für dieses Segment ist im weiteren Sinne der Begriff FANG, unter dem die Highflyer des Segments (Facebook, Amazon, Netflix und Google (Alphabet)) zusammengefasst sind. Sie gehören momentan zu den bekanntesten und sich am besten entwickelnden Titeln überhaupt.

Weiterhin ist auch Twitter als wesentlich geringer kapitalisiertes Unternehmen zu diesem Kreis zu zählen. Allerdings werden Amazon und Netflix einer anderen Branche zugeordnet, sie gehören zu dem Segment Internethandel der Branche Gebrauchsgüter.

Neuschaffung der Branche Communication Services
Der immer stärkeren Verschmelzung der einzelnen Branchensegmente wird künftig Rechnung getragen und die Brancheneinteilung neu konzipiert. Ende September 2018 steht eine deutliche Neuklassifizierung im GICS-Branchenschema an, auf dem die Indexkonzepte von MSCI und Dow Jones basieren.

Künftig werden die Segmente Medien aus dem Gebrauchsgütersektor (inklusive Netflix und Tripadvisor aus der Sparte Internet & Direct Marketing Retail) und der gesamte Bereich Internet Software & Services aus IT (inklusive der Sparten Application Software und Home Entertainment Software) mit der Branche Telecommunication Services zusammengeführt. Diese Segmente bilden die neue Branche Communications Services, die dann von uns neu votiert wird.

Besondere Eigenschaften
Trotz des intensiven Wettbewerbs verfügen die großen Flaggschiffe unverändert über gewaltige »Cash-Cows«, die sie in die Lage versetzen, sowohl die Entwicklung von Produktinnovationen als auch die offensive Ausschüttungspolitik weiter zu forcieren. Auch M&A bleibt ein großes Thema in der Informationstechnologie, wobei weniger eine Branchenkonsolidierung unter den Branchenriesen zu erwarten ist, sondern eher strategische Ergänzungen im Bereich attraktiver neuer Subsegmente, bedingt durch die stetige Innovation und den dadurch initiierten Wandel der Nachfrage.

Wichtige Entwicklungen der vergangenen Jahre
2015 bahnte sich die bisher größte Übernahme im IT-Sektor an. Der PC-Hersteller Dell hat inzwischen den Speicherspezialisten EMC für 67 Milliarden US-Dollar übernommen. Mit EMC konnte Dell sein Geschäft um Speicherdienste erweitern und damit besser mit Wettbewerbern wie Hewlett Packard konkurrieren. Mit diesem Deal wurde Dell der größte IT-Anbieter in privater Hand.

Immer wieder flammte danach das Übernahmefieber auf. Der Kauf des Chipdesigners ARM für 28,7 Milliarden Euro durch das japanische Tech- und Mobilfunkkonglomerat Softbank überraschte die Anleger. Microsoft wiederum hat sich für ca. 26 Milliarden US-Dollar das Karrierenetzwerk LinkedIn einverleibt. Im Oktober 2016 verkündete Qualcomm, dass man für 47 Milliarden US-Dollar NXP, den niederländischen Produzenten von Prozessoren für Smartphones und Tablets, übernehmen wolle. Der Deal liegt wegen der fehlenden Zustimmung chinesischer Wettbewerbshüter vorerst auf Eis.

Im Jahr 2015 stand nach dem überraschenden Konzernumbau von Google sowie der Paypal-Abspaltung von eBay die Aufspaltung von Hewlett Packard im Fokus. Der klassische Computerproduzent trägt dem Wandel in der Branche Rechnung und führt nun das originäre Geschäft mit PCs und Druckern unter dem Namen HP Inc. Das ehemals wachstumsstärkere Segment Dienstleistungen wurde unter dem Siegel HP Enterprises ausgegliedert und neu an der Börse eingeführt.

Noch intensiver ist der Wandel bzw. der Abstieg bei Yahoo. So verschwand mit der Umbenennung in Altaba nicht nur der Traditionsname, sondern letztendlich fungiert das Unternehmen nach der Veräußerung des Kerngeschäfts an Verizon im Wesentlichen nur noch als Beteiligungs- und Investmentholding für die noch gehaltenen Anteile an Alibaba und Yahoo Japan.

Wandel bei Google
Die Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen immer wieder neue Wachstumsfelder wie mobiles Internet, Cloud, Musik, Betriebssysteme, soziale Netzwerke oder mobiles Zahlen erschlossen wurden, sowie die intensive Forschung in den Bereichen autonomes Fahren (Waymo), künstliche Intelligenz, Datenbrille Google Glass, intelligenter Kontaktlinse oder auch in der Raumfahrt (SpaceX) machte den Konzern Google immer unüberschaubarer.

Als Reaktion auf diese immer stärkere Verästelung hat die Konzernleitung eine neue Struktur erschaffen, die für mehr Transparenz sorgen soll. Die Suchmaschine verbleibt mit YouTube, Android, Maps und Gmail unter dem alten Namen. Alle weiteren Webfirmen und Start-up-Aktivitäten werden separat unter dem Dach der neuen Holding Alphabet aufgestellt.

Im Juli 2018 geriet Alphabet wegen einer Rekord-Wettbewerbsstrafe von 4,34 Milliarden Euro in die Schlagzeilen. Wegen des Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung als Suchmaschinenbetreiber verhängten jetzt die europäischen Wettbewerbshüter die bislang höchste Kartellstrafe. Sollte Alphabet nicht die notwendigen Änderungen vornehmen, drohen weitere Geldbußen. Auch wenn man wohl in Berufung gehen wird und sich ein jahrelanger Rechtsstreit anbahnt, der allerdings wenig Chancen auf Erfolg hat, ist bereits ein Reputationsschaden eingetreten und die Anleger zeigten sich kurzfristig verunsichert.

Microsoft holt auf
Microsoft hatte es trotz der riesigen Reserven in den vergangenen Jahren geschafft, jeden erfolgreichen Trend erst einmal zu verpassen, um dann verspätet nachzulegen, und so entstanden die großen Totalabschreibungen Nokia und aQuantive mit insgesamt über 13 Milliarden US-Dollar. CEO Satya Nadella hat nun seinem Konzern einen radikalen Umbau und eine neue Philosophie verordnet. Der Fokus liegt dabei auf Personal Computing, der Cloud und Software für Geschäftskunden.

Windows 10 war zeitweise für Privatkunden gratis, was einerseits eine Revolution gegenüber früheren Versionen darstellt, als die Kunden zum Kauf gezwungen waren. Im Umkehrschluss bedeutet dies eine deutliche Steigerung im Sympathieranking, was gleichzeitig eine Investition für die Zukunft darstellt. Da PC-Hersteller eine Lizenz für Windows entrichten müssen, ist der Verzicht ja auch nur partiell. Seit dem Gewinnbericht des zweiten Quartals 2016 zeigen sich Erfolge. Das Cloud-Geschäft kann die weiter schwierige Sparte mit Hardwareprodukten kompensieren. Der Umbau ist inzwischen weitgehend abgeschlossen.

Blick auf die Berichtssaison
Zum Jahresauftakt konnten vor allem die US-Konzerne eine sehr starke Berichtssaison vorweisen. Sowohl in Bezug auf Gewinne als auch bei Umsätzen wies der Sektor die klar besten Resultate auf. Europäische Unternehmen konnten da nicht mithalten. Bei Gewinnen wies man solide Ergebnisse aus, die Umsatzentwicklung blieb hingegen hinter dem Marktdurchschnitt zurück.

In den USA ragten insbesondere Microsoft und Intel mit ihren Quartalsvorlagen heraus. Apple berichtete solide und begeisterte mit der Ankündigung eines Mega-Aktienrückkaufprogramms. Dass gute Zahlen allein nicht befriedigen können und Anleger im derzeitigen Umfeld auch eine ambitionierte Vorschau erwarten, zeigte sich bei Cisco. Trotz eines soliden Zahlenwerks führte ein konservativer Ausblick zu deutlichem Kursdruck.

Im zweiten Quartal gelang den IT-Konzernen ein starker Start in die Berichtsperiode. Besonders Microsoft, Alphabet und zuletzt Apple glänzten mit ihrem operativen Ergebnis, auch SAP, IBM und Infineon übertrafen die Markterwartungen. Dagegen stehen die massiven Belastungen durch Facebook und Twitter, wobei auch diese beiden die Gewinne über den Erwartungen steigern konnten. Bei Intel enttäuschte trotz ebenfalls übertroffener Gewinnerwartungen die geringere Umsatzdynamik im wichtigen Datacenter-Geschäft.

Datensicherheit
In letzter Zeit wurde die Branche und hier insbesondere das Segment Internet Services zunehmend durch das Thema Datensicherheit belastet. Nach dem Aufdecken der Sicherheitslücken bei Mikroprozessoren von Intel sowie einem Hackerangriff auf die deutsche Bundesregierung und wohl auch andere Staaten steht jetzt Facebook mit einem Datenskandal im Fokus.

Nachdem bekannt wurde, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica Millionen von Kundendaten des sozialen Netzwerks abgezogen und illegal für den US-Wahlkampf eingesetzt hatte, geriet die Facebook-Aktie deutlich unter Druck und zog damit das gesamte Segment mit nach unten.

Anlageidee: ETF auf den Nasdaq 100

Eine Möglichkeit, gezielt auf Unternehmen aus dem Technologiesektor zu setzen, bietet der ComStage ETF auf den Nasdaq 100. Der Index setzt sich aus den 100 größten Unternehmen zusammen, deren Aktien an der Technologiebörse The Nasdaq Stock Market gehandelt werden. Die Gewichtung der im Index enthaltenen Aktien erfolgt nach der Marktkapitalisierung der gelisteten Unternehmen.

Weitere Informationen sowie ein Überblick über das gesamte Angebot an ComStage ETFs auf Branchenindizes steht Ihnen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

Top 10 des Nasdaq 100

Unternehmen

Indexgewichtung

Apple

12,35 %

Amazon

11,08 %

Microsoft

10,10 %

Alphabet Class C

4,77 %

Facebook

4,58 %

Alphabet Class A

4,11 %

Cisco Systems

2,62 %

Intel

2,44 %

Nvidia

1,88 %

Comcast

1,86 %

Stand: 25. September 2018; Quelle: Nasdaq

Grafik 2: Wertentwicklung des ComStage Nasdaq 100 UCITS ETF

Grafik 2: Wertentwicklung des ComStage Nasdaq 100 UCITS ETF
Stand: 27. September 2018; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Grafik 3: Branchenverteilung des Nasdaq 100

Grafik 3: Branchenverteilung des Nasdaq 100
Stand: 25. September 2018; Quelle: Nasdaq

ComStage UCITS ETF auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

Nasdaq 100

ETF 011

0,25 %

Ausschüttend

68,37/68,40 EUR

Stand: 27. September 2018; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.