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Der Weg zum richtigen ETF

Der ETF-Markt ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Die Anzahl der ETFs steigt stetig und somit auch die Investitionsmöglichkeiten der Anleger. Mit dem Wachstum steigt allerdings auch die Komplexität der Produkte. Entsprechend sorgfältig muss die Wahl des passenden ETF vorbereitet und getroffen werden. So sollten Anleger sich im Vorfeld einer Investition über einige zentrale Kriterien, wie beispielsweise die Wahl des zugrunde liegenden Index, Kosten und Gebühren sowie Abbildungsmethoden, Gedanken machen.

Die Wahl des zugrunde liegenden Index
Möchten Anleger in einen ETF investieren, geht es im ersten Schritt um die Entscheidung für den »richtigen Index«. Richtig bedeutet an dieser Stelle, dass zunächst der Index ausgewählt werden muss, mit dem Anleger ihre Anlageziele am besten umsetzen können. Denn ein ETF ist immer nur so gut wie sein Index. Die Wahl des Index gehört für Anleger passiver Investments zu den wichtigsten aktiven Entscheidungen bei ihrer Investition. Da Indizes die Grundlage aller ETFs sind und deren Chance-Risiko-Profil bestimmen, steht an oberster Stelle des Selektionsprozesses die Bestimmung des dem ETF zugrunde liegenden Index.

• Der zugrunde liegende Index – Konzept und Methodik
Anleger sollten sich im Vorfeld einer Investition bewusst sein, welchen Markt bzw. welches Marktsegment ein Index repräsentiert und welches Konzept ihm zugrunde liegt. Das heißt, Anleger sollten wissen, wie sich der Index im Detail zusammensetzt und welche Gewichtungsmethodik angewendet wird, um sich beispielsweise des Klumpenrisikos einzelner Aktien oder Sektoren bewusst zu sein.

• Die Bezeichnung des ETF
Jeder ETF ist einzigartig. Das heißt, selbst wenn zwei ETFs sich auf den gleichen Index beziehen und ähnlich klingende Namen haben, können sie sich voneinander unterscheiden, beispielsweise in der Art der Abbildungsmethode und Ertragsverwendung. Um keine Überraschung bei der künftigen Wertentwicklung zu erleben, sollten sich Anleger vor jeder Investmententscheidung genauestens über den ETF informieren.

• Währungseinflüsse
Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist der Währungseinfluss. Anleger sollten sich bewusst machen, dass sie durch die Investition in einen ETF, der sich auf einen ausländischen Index bezieht, neben dem Aktienrisiko auch ein Währungsrisiko tragen. Dies betrifft zum Beispiel einen Anleger aus dem Euroraum, der über einen ETF in einen US-amerikanischen Aktienindex investiert. Durch den Fremdwährungseinfluss haben Anleger die Möglichkeit, an den Chancen zu partizipieren, die in der Anlage einer fremden Währung liegen. Gleichzeitig sind sie jedoch auch an einer möglichen negativen Entwicklung voll beteiligt. Dabei wirkt sich eine Aufwertung der Fremdwährung für Euro-Anleger positiv aus, wohingegen eine Abwertung dieser Währung negative Folgen für Anleger haben kann. Aufgrund unterschiedlicher Landeswährungen können sich daher sowohl Währungschancen als auch -risiken für Anleger ergeben.

Kosten, Gebühren und Tracking Error
Auch wenn Kosten und Gebühren bei ETFs in der Regel deutlich geringer ausfallen als bei klassischen Investmentfonds, lohnt ein Blick in die Details.

• Gebühren:
Die Total Expense Ratio (TER) ist eine in der Fonds- und ETF-Branche fest definierte Kennzahl und gibt die Gesamtkostenquote eines ETF an. Darunter fallen unter anderem Verwaltungsgebühren, wie beispielsweise Kosten für die Fondsgeschäftsführung, Wirtschaftsprüfer und Betriebskosten, sowie die Depotbankgebühr, die der ETF zur Verwaltung seines Vermögens entrichten muss, und eine mögliche erfolgsabhängige Gebühr. Die Kennzahl TER wird einmal jährlich rückwirkend für vollständig abgeschlossene Geschäftsjahre berechnet. Bei der Auswahl eines ETF nach Kostengesichtspunkten sollten daher für Anleger immer die laufenden Kosten ausschlaggebend sein. Denn mit ihrer Hilfe werden die einzelnen Kostenbestandteile transparent zusammengefasst und ermöglichen einen effizienten Kostenüberblick und vor allem Kostenvergleich. Anleger sollten allerdings immer beachten, dass in den von ETF-Anbietern angegebenen Gebühren keine Depotführungskosten oder Kosten für den Erwerb, wie Transaktionskosten und eventuell anfallende Bank- oder Börsenspesen, berücksichtigt sind.

• Geld-Brief-Spanne (Spread):
Als Geld-Brief-Spanne (Spread) bezeichnet man im börslich und außerbörslich organisierten Handel die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis eines ETF. Der Kauf eines ETF erfolgt für Anleger dabei zum höheren Briefkurs, der Verkauf zum niedrigeren Geldkurs. Je höher die Geld-Brief-Spanne, desto geringer ist der Kursgewinn beim Handel mit ETFs. Daher wird der Spread sehr häufig als zusätzliches Kriterium bei der Auswahl von börsengehandelten Indexfonds herangezogen.

• Tracking Error
ETFs haben das Ziel, die Performance eines Vergleichsindex (einer Benchmark) möglichst exakt nachzubilden. Aktive Investmentfonds versuchen hingegen, den Vergleichsindex zu schlagen. Während die Outperformance den Erfolg eines aktiv gemanagten Fonds zeigt, misst der Tracking Error die Zielerreichung eines passiv gemanagten Indexfonds. Der Tracking Error gibt an, wie stark die Schwankungen der Abweichungen zwischen einem ETF und seiner vorgegebenen Benchmark in einem bestimmten Zeitraum ausfallen. Je kleiner die Abweichung zwischen ETF und Benchmark ist, desto besser bildet der ETF den Vergleichsindex ab. Der Tracking Error sagt dabei aber nicht aus, ob diese Abweichung vom Index positiv oder negativ ist. Er dient daher als Maßstab für die Qualität der Indexabbildung, er spricht nicht für die Ertragsqualität des ETF. Ein Fonds mit hohem Tracking Error kann also durchaus eine positive Performance erzielen. Für Anleger mit kürzerem Investmenthorizont spielt der Tracking Error eine größere Rolle. Eine gegenüber der Benchmark erhöhte Volatilität kann während kurzer Anlagezeiträume einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Ertrag haben. Insofern ist der Tracking Error gegenüber der Tracking Difference viel eher ein Risiko- als ein Renditemaß.

• Tracking Difference
Für langfristig orientierte Investoren ist die Tracking Difference von höherer Bedeutung als der Tracking Error. Sie spiegelt die absolute Renditedifferenz des ETF gegenüber seiner Benchmark innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums wider. Und sie sagt aus, um wie viel Prozent sich der ETF gegenüber seinem Vergleichsindex besser oder schlechter entwickelt hat. Nur wenn Anleger sowohl den Tracking Error als auch die Tracking Difference betrachten, erhalten sie ein gesamtheitliches Bild, wie gut ein ETF seine Benchmark abbildet.

• Wieso kommt es zu Abweichungen?
Abweichungen zwischen der ETF-Performance und dem abzubildenden Index entstehen zum Beispiel durch den Zeitpunkt der Ausschüttung von Dividenden und die steuerliche Behandlung von Dividendenzahlungen (zum Beispiel Quellensteuer). Dazu kommen die Kosten des ETF, die lediglich im ETF anfallen, aber nicht im abzubildenden Index. Bei vollreplizierenden ETFs kann ein weiterer Grund für die Abweichung die Neugewichtung einzelner Aktien im Index aufgrund von Kapitalmaßnahmen oder reguläre Indexanpassungen (Rebalancing) sein, die im Normalfall unter Berücksichtigung von Transaktionskosten im ETF nachvollzogen werden müssen.

Die Art der Ertragsverwendung
Zu den Erträgen eines ETF zählen unter anderem Dividenden und Zinsen. So fließen beispielsweise Aktien-ETFs regelmäßig Dividendenzahlungen der Unternehmen zu, deren Aktien sie halten. Renten-ETFs erhalten Zinszahlungen von den Herausgebern der von ihnen gehaltenen Anleihen. Wie klassische Investmentfonds auch unterscheiden sich ETFs darin, was sie mit diesen Zuflüssen machen. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten – Dividenden ausschütten oder thesaurieren. Für welche Variante sich Anleger entscheiden, hängt in erster Linie von der persönlichen Investmentstrategie ab.

• Ausschüttende ETFs geben anfallende Dividenden und Zinsen in der Regel einmal jährlich direkt an ihre Investoren weiter. Die Erträge werden dabei automatisch von der depotführenden Stelle dem Konto des Investors gutgeschrieben. Anleger müssen sich allerdings im Nachhinein entscheiden, was sie mit den ausgeschütteten Erträgen tun möchten. Legen sie sie beispielsweise direkt wieder an, können durch Börsengebühren zusätzliche Kosten entstehen.

• Thesaurierende ETFs schütten ihre Erträge nicht aus, sondern reinvestieren diese in den Fonds. Zinsen und Dividenden schlagen sich somit in höheren ETF-Anteilspreisen nieder. Das Geld bleibt also im Fonds, und Anleger müssen sich keine Gedanken über eine Wiederanlage machen.

Abbildungsmethoden
Ein für viele Investoren wesentliches Kriterium bei der Auswahl zwischen verschiedenen ETFs auf den gleichen Referenzindex ist die Art der Indexabbildung. Diese kann je nach ETF und ETF-Anbieter unterschiedlich sein. In der Regel wird zwischen der sogenannten vollen Replikation (physisch) und der synthetischen Replikation durch Swaps (indirekt) unterschieden.

Informationsversorgung und Service der ETF-Anbieter
Ein optimaler Auswahlprozess auf dem Weg zum richtigen ETF sollte auch die Qualität des jeweiligen ETF-Anbieters einbeziehen. Denn neben der reinen Produktqualität sind auch weiche Faktoren wie beispielsweise Service, Qualität der Website sowie Angebote sparplanfähiger ETFs und Direkthandelspartner für Anleger sehr wichtig. So spielt eine gute Informationsversorgung bezüglich Qualität, Aktualität und Umfang der auf den Internetseiten bereitgestellten Informationen und Download-Möglichkeiten ebenfalls eine nicht unwesentliche Rolle. Aber auch Erreichbarkeit, Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter tragen zu einer noch stärkeren Produkt- und Markttransparenz im Sinne der privaten Anleger bei. Auch hier müssen Anleger Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden, welche Kriterien für sie ausschlaggebend sind oder nicht.