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Diese fünf Fehler sollten Anleger vermeiden

In Zeiten von niedrigen Zinsen wenden sich immer mehr Anleger dem Kapitalmarkt zu. Das ist gut so! Allerdings gilt es dabei einige wichtige Anlagefehler zu vermeiden, die langfristig eine große Auswirkung auf den Anlageerfolg haben.

Seit nun schon fast zehn Jahren gehen die Zinsen für Tagesgeld und Spareinlagen zurück. Teilweise berechnen Banken sogar schon Negativzinsen für größere Kontoguthaben. In diesen Zeiten fragt sich so mancher Anleger, wie er überhaupt noch eine auskömmliche Rendite für sein Vermögen erzielen kann. Im Gegenzug steigen die Preise von Immobilien, vor allem in Großstädten, in astronomische Höhen. Und auch der Aktienmarkt kennt seit vielen Jahren nur eine Richtung. Wer sich heute neu mit dem Aktienmarkt beschäftigt, sollte daher die wichtigsten Fehlerquellen bei der Geldanlage kennen und diese bei der Umsetzung seiner Anlagestrategie vermeiden. Auch der Deutsche Fondsverband verweist im Rahmen der Serie »Finanzwissen für alle« auf drei zentrale Fehler beim Sparen. Neben der Ungeduld zählen die Autoren dazu das Fehlen konkreter Ziele sowie unrealistisch hohe Sparraten. Aktive Anleger, deren Aktionsradius über Sparbuch und Sparbrief hinausgeht, sehen sich mit weiteren Stolperfallen konfrontiert. Im Folgenden nun fünf Fehler, die Anleger unbedingt vermeiden sollten.

Fehler 1: Zu wenig Streuung
Zu den gängigsten Fehlern zählt eine unzureichende Diversifikation. Anleger sollten nicht alles auf eine Karte setzen, sondern ihr Vermögen möglichst breit über verschiedene Assets und Regionen streuen. Diese zentrale Erkenntnis der Portfoliotheorie hat einen plausiblen Grund: Die Diversifikation hilft, unsystematische Risiken aus dem Depot zu verbannen. Dabei handelt es sich um die spezifischen Gefahren, welche mit Einzelinvestments einhergehen. Beispielsweise können die Erfolgsaussichten einer Aktie davon abhängen, ob das Unternehmen ein neues Produkt erfolgreich am Markt einführen kann. Untersuchungen zeigen, dass die unsystematischen Risiken des Portfolios mit einer steigenden Zahl von Einzelpositionen abnehmen. Was natürlich bleibt, sind die allgemeinen, mit dem Markt einhergehenden Gefahren. Hier spricht der Fachjargon vom systematischen Risiko.

Fehler 2: Übertriebene Heimatverbundenheit
Häufig fällt im Zusammenhang mit der Diversifikation auch das Schlagwort »Home Bias«. Es steht für den Anlagefehler, das Depot zu sehr auf heimische Investments auszurichten. Auf den ersten Blick ist der Patriotismus nachvollziehbar. Investoren haben zu inländischen Unternehmen häufig einen direkten Alltagsbezug. Zudem ist es vergleichsweise einfach, an Information zu kommen. Gleichwohl zieht die Home Bias eine stark einseitige Allokation nach sich. Darauf wiesen die US-Ökonomen Kenneth French und James Poterba bereits im Jahr 1991 eindrucksvoll hin. Trotz Globalisierung und Digitalisierung des Wertpapierhandels hat sich in mehr als einem Vierteljahrhundert nur wenig an der Heimatverbundenheit vieler Investoren geändert.

Dabei ist eine breite Streuung des Portfolios selbst für Privatanleger längst kein Problem mehr. Exchange Traded Funds (ETFs) sind für eine diversifizierte Vorgehensweise geradezu prädestiniert. Eine Order genügt, um das Kapital über ganze Märkte respektive Regionen zu verteilen. Beispielsweise decken passive Fonds auf den STOXX Europe 600 Aktien aus 17 Ländern des alten Kontinents ab. Dabei handelt es sich sowohl um kleine Gesellschaften als auch um Mid Caps und prominente  Börsenschwergewichte à la Nestlé oder Siemens.

Fehler 3: Zu viel Aktionismus
Ganz nebenbei lässt sich mit Hilfe der passiven Produkte ein weiterer gängiger Fehler vermeiden: das häufige Umschichten des Depots. ETFs basieren auf Indizes, welche wiederum klar definierten Regelwerken unterliegen. Auf Basis der jeweiligen Methodik nehmen die zuständigen Dienstleister turnusgemäß Änderungen vor, falls dies erforderlich ist. Anleger sollten ähnlich vorgehen und ihre persönliche Strategie lediglich ein- bis zweimal pro Jahr hinterfragen und gegebenenfalls anpassen. Nicht nur, dass sie damit an der Rendite zehrende Transaktionskosten vermeiden. Darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass eine kurzfristige Wette aufgeht. Kaum ein Zweifel besteht dagegen daran, dass sich gerade am Aktienmarkt eine dauerhafte Positionierung bezahlt macht. Einen Beleg für diese These liefert das Deutsche Aktieninstitut mit dem Renditedreieck. Diese Publikation veranschaulicht die Wertentwicklung des DAX über verschiedene Zeiträume. Wer sich den Deutschen Aktienindex zum Beispiel Ende 2005 ins Depot gelegt hat, erzielte innerhalb von zehn Jahren – trotz Finanzkrise – eine durchschnittliche Rendite von 7,1 Prozent p.a.

Fehler 4: Blinder Gehorsam
Vor diesem Hintergrund sollten Anleger mit sogenannten »Expertentipps« vorsichtig umgehen. Börsenbriefe und -magazine neigen dazu, Aktien in den Vordergrund zu stellen, die gerade angesagt sind und deren Charts entsprechend bereits nach oben zeigen. Wer solchen Empfehlungen blind folgt, droht zu spät einzusteigen oder den Diversifikationsgrundsatz über Bord zu werfen. In der Folge können eine chaotische Depotaufteilung und entsprechend schwache Renditen für Frust sorgen. Freilich, seriöse Medien bieten durchaus einen Mehrwert. Allerdings richten sie sich vor allem an Anleger, die sich tagtäglich mit dem Auf und Ab der Kapitalmärkte beschäftigen.

Fehler 5: Falsche Hoffnung
Während es erfahrenen Börsianern leichter fällt, mit Verlusten klarzukommen, machen weniger aktive Anleger gerne den Fehler, abgestürzte Positionen zu lange im Depot mitzuschleppen. Was nicht heißen soll, dass jedes Minus sofort realisiert werden muss. Allerdings macht die Hoffnung auf eine Kurswende ab einem bestimmten Niveau kaum mehr Sinn. Bricht eine Aktie beispielsweise nach dem Kauf um die Hälfte ein, braucht es für das Ausmerzen der Verluste bereits einen Verdoppler. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, sollten Anleger, die auf Einzelwerte setzen, Stoppkurse ziehen und diese auch konsequent anwenden. Wer mit Hilfe von ETF-Sparplänen einen langfristigen Vermögensaufbau verfolgt und das Portfolio entsprechend ausrichtet, dürfte ohnehin eher selten in die Verlegenheit tiefroter Vorzeichen kommen.