ETF-Kolumne

ETF-Kolumne

»Zurücksetzen kann positiv wirken.«

Fällt das Wort »zurücksetzen«, so empfinden viele Menschen einen negativen Beigeschmack. Denn wer möchte sich schon zurücksetzen lassen? Geht es aber um Anlagen, so kann das Wort »zurücksetzen« durchaus eine ganz andere Bedeutung haben. Denn zurücksetzen ist die deutsche Übersetzung des Begriffs »Rebalancing«. Manchmal ist auch die Übersetzung »Umschichtung« zu finden. Beides ist richtig, zurücksetzen trifft es aber noch besser, wie Sie weiter unten sehen werden.

Rebalancing ist in jedem Fall eine verbreitete, oft unterschätzte Investmentstrategie. Doch eins nach dem anderen. Ihr Vorhaben ist der langfristige Vermögensaufbau. Sie haben sich Gedanken gemacht zu Ihren Investmentzielen, zum Anlagehorizont und dazu, wie lange Sie auf das angelegte Geld verzichten können. Denn Kapitalmärkte sind volatil, schwanken also, wenn auch unterschiedlich stark. Bedacht haben Sie auch das Thema Streuung. Bekanntlich sind hier börsengehandelte Investmentfonds besonders geeignet, bilden Exchange Traded Funds doch Indizes ab, die in der Regel aus einer großen Anzahl von Indexmitgliedern bestehen. Schon der DAX besteht aus 30 Aktien, der MSCI World hat rund 1.700 Aktien aus 23 industrialisierten Ländern aufzuweisen. Beim S&P 500 ist die Anzahl der Indexmitglieder sogar bereits im Namen ablesbar. Der MSCI Emerging Markets-Index hat nahezu 800 Werte. Und diese stammen aus 23 unterschiedlichen Schwellenländern. Zu guter Letzt haben Sie noch versucht, Ihre Risikotragfähigkeit einzuschätzen. Darunter wird die Stresstoleranz verstanden, Schwankungen an den Märkten aushalten zu können. Interessant ist hierbei, dass die Toleranz der meisten Anleger im Zeitablauf recht stabil ist.

Was sich verändert, ist die Einschätzung von Ereignissen. Mal werden Veränderungen stärker wahrgenommen, manchmal schwächer. Wichtig ist natürlich, dass ein Investor Unsicherheiten eine Weile aushalten kann, also trotz schwankender Kurse schlafen kann, um das alte Börsen-Bonmot vom »gut essen oder gut schlafen« heranzuziehen. Nach all diesen Überlegungen und Schritten ist es dann soweit: Die entsprechenden ETFs werden ausgewählt und es wird angelegt, sei es als Einmalanlage oder über Sparpläne.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Sie haben sich zu einem Aktienanteil von 50 Prozent entschlossen und haben einen oder mehrere ETFs gekauft. Hinzu kommt ein Investment in einen oder mehrere Bond-ETFs. Auf den Anteil aus festverzinslichen Wertpapieren soll ebenfalls ein Gewicht von 50 Prozent entfallen. Im Zeitablauf »atmen« die Anlagen. Nehmen wir an, die Aktien-ETFs haben sich nach einem Jahr um 20 Prozent nach oben entwickelt. Die Bondanlage habe sich nicht verändert. Nach einem Jahr haben Sie also eine Verteilung von 60 Prozent Aktien-ETFs und 40 Prozent Bond-ETFs. Ihr Portfolio ist insgesamt im Wert gestiegen. Möchten Sie diese Veränderung beibehalten? Oder ist Ihnen das Risiko aus dem gestiegenen Aktienanteil zu hoch? Hier kann nun Rebalancing zum Zug kommen.

Handelt es sich um eine Einmalanlage, so könnten Sie Aktien-ETFs verkaufen und umgekehrt den festverzinslichen Anteil erhöhen. Und zwar solange, bis Ihre ursprüngliche Gewichtung wiederhergestellt ist, Sie also wieder recht gut schlafen können. Leser vergangener OnStage-Magazine werden nun einwenden, dass das Zurücksetzen mit Kosten verbunden ist. Ist es! Daher ist es sinnvoll, gewisse Handelstoleranzgrenzen festzulegen, innerhalb derer nicht angepasst wird. Denn sonst trifft schnell eine weitere Börsenweisheit zu: »Hin und her macht Taschen leer«.

Und was ist, wenn Sie Ihr Portfolio mit Sparplänen aufbauen? Dann können Sie natürlich die regelmäßigen Sparraten solange erhöhen oder reduzieren, bis das ursprüngliche Gleichgewicht, Ihre persönliche Vermögensaufteilung oder Asset Allocation wieder erreicht ist.

Wie häufig sollte ein ETF-Depot zurückgesetzt werden? Einmal, vielleicht auch zweimal pro Jahr kann sinnvoll sein. Das Ziel ist immer, die nach persönlichen Vorstellungen und Vorlieben festgelegte Risikoaufteilung wiederherzustellen. Wichtig ist dabei, die Kosten der erforderlichen Anpassungen im Blick zu haben, damit positive Effekte nicht konterkariert werden.

Und was ist, wenn Ihr Rebalancing-Termin ansteht, Sie aber glauben, dass der Markt, den Sie anpassen müssten, positiv weiterlaufen wird? Dann müssen Sie zwischen Chancen und Ihrer Risikotoleranz abwägen. Natürlich gehört auch ein bisschen Marktbeobachtung zur Umschichtungsentscheidung.

Aus vergangenen OnStage-Beiträgen wissen Sie, dass der richtige Einstiegszeitpunkt sehr schwer zu finden ist. Market Timing gehört zu den größten Herausforderungen und gelingt auf Dauer selten, um nicht zu sagen, nie. Was wiederum ein Argument für regelmäßige Sparpläne ist.

Viel Erfolg bei Ihren Investments! Bitte bleiben Sie ComStage ETFs gewogen!