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Politische Entspannung in Europa öffnet Weg zu neuen Rekordständen

Beim Blick auf das letztendlich positiv verlaufene Börsenjahr 2016 fällt ins Auge, dass es zwei wesentliche kursbestimmende Kursvariablen über den Jahresverlauf gegeben hat: die durchgehende Unterstützung der Notenbanken sowie wichtige politische Ereignisse. Die Konjunkturdynamik hat sich bis zum Jahresende hingegen nur wenig verändert. Das erste Halbjahr 2017 fällt ebenfalls wenig verändert aus, die Impulsgeber bleiben dieselben. Allerdings zu veränderten Bedingungen.
  

Bei den Notenbanken wird immer stärker die Divergenz in der Geldpolitik in den Vordergrund rücken. Angesichts der guten konjunkturellen Verfassung und der angezogenen Inflationserwartungen wird die Fed dieses Jahr einige weitere Zinserhöhungen durchführen.

Auf der anderen Seite dürften EZB, Bank of England (BoE) und Bank of Japan (BoJ) weiterhin eher expansiv ausgerichtet bleiben. Allerdings sollte hier im Jahresverlauf die Diskussion um eine geldpolitische Erschöpfung (Tapering der EZB, bzw. eine reaktivere Strategie der BoJ, die BoE wird sich an den Brexit-Modalitäten ausrichten müssen) immer intensiver geführt werden.

Der politische Einfluss indes ist noch weiter in den Fokus gerückt. Waren zu Beginn des Jahres die Sorgen darüber, dass die Wahlen in den Niederlanden und insbesondere in Frankreich die Gefahr einer europafeindlichen Regierung bergen, noch sehr hoch gewesen, so überwiegt jetzt die Erleichterung über den gegenteiligen Ausgang und treibt die Börsen auf neue Rekordstände. Doch auch wenn dies von den fundamentalen Daten (Gewinne steigen dank der Wende bei den Umsätzen wieder deutlicher an, Bewertungsspielraum, insgesamt positive Konjunkturdaten) durchaus gestützt wird, so sollte auch das verbleibende politische Risiko nicht unterschätzt werden. So stehen weiterhin Wahlen im Problemland Italien an. In den Niederlanden und Frankreich muss erst noch unter schwierigen Umständen eine Regierungsbildung bewältigt werden und ob diese neuen Kabinette dann eine reformwillige und wirtschaftsfördernde Agenda vorweisen werden, steht noch in den Sternen. Auch in den USA hat die Regierung Trump bisher noch wenig bewirkt und eher Rückschläge eingesteckt. Die erhofften stimulierenden Infrastrukturmaßnahmen stehen noch aus, das bisher nur skizzierte Steuerprogramm wird wohl die Erwartungen nicht erfüllen können. So bleibt nach wie vor das Umfeld für Aktienanlagen sehr attraktiv, aber auch unverändert risikoreich.

STOXX Europe 600 und ausgewählte Branchen im Vergleich
Gewinner ist mit großem Abstand die Informationstechnologie. Sowohl im Euroraum, aber mit noch größerer Outperformance in den USA dominieren die IT-Titel aktuell das Börsengeschehen. Einerseits liegt dies an zwei extrem starken Berichtsperioden, andererseits konnte auch der Trendsetter Apple wieder zu alter Stärke zurückfinden. Zuletzt gerieten die IT-Sicherheitsfirmen verstärkt in den Fokus (weltweite Cyber-Attacken). Bei unserem zweiten Favoriten, den Finanzen, gab es regional unterschiedliche Entwicklungen. Während die US-Banken trotz einer überzeugenden Berichtssaison dem Gesamtmarkt hinterherhinkten, gehörten europäische Banken (im Rahmen der politischen Entspannung) sowie insbesondere die Finanzdienstleister zu den klaren Outperformern.

Der Performancevergleich des aus 600 Unternehmen bestehenden STOXX Europe 600 mit den genannten Branchen zeigt folgendes Bild: Während beim 5-Jahres-Vergleich (siehe Grafik 1) vor allem der Versicherungsbereich (+129,64 Prozent) und der Technologiesektor (+137,55 Prozent) eine deutliche Outperformance gegenüber dem Gesamtindex STOXX Europe 600 (+75,02 Prozent) erzielen konnten, hinkte der europäische Bankensektor mit einem Plus von 60,01 Prozent seinem Vergleichsindex noch leicht hinterher.

Ein etwas anderes Bild zeigt die Entwicklung der vergangenen 12 Monate (siehe Grafik 2). Auch hier konnte sich der Technologiesektor mit einem Plus von 37,73 Prozent und der Versicherungssektor mit einer Steigerung von 34,34 Prozent behaupten. Allerdings wurde die Performance deutlich übertroffen vom Bankensektor (+52,97 Prozent), der in den vergangenen Monaten einiges an Performance wieder aufholen konnte. Der Gesamtindex STOXX Europe 600 konnte im vergangenen Jahr lediglich ein Plus von 24,16 Prozent verbuchen.

Grafik 1: Wertentwicklung 5-Jahres-Vergleich

Branchenindizes »Versicherungen« und »Technologie« mit deutlicher Outperformance zum STOXX Europe 600. Der europäische Bankensektor im 5-Jahres-Vergleich noch leicht abgeschlagen.

Grafik 1: Wertentwicklung 5-Jahres-Vergleich
Stand: 28. Juni 2017; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Grafik 2: Wertentwicklung 1-Jahres-Vergleich

Im 1-Jahres-Vergleich zeigt sich ein anderes Bild: Branchenindizes »Banken« mit deutlicher Outperformance vor »Technologie« und »Versicherungen« im Vergleich zum STOXX Europe 600.

Grafik 2: Wertentwicklung 1-Jahres-Vergleich
Stand: 28. Juni 2017; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung

Banken
Das letzte Börsenjahr ist für europäische Banken extrem volatil verlaufen. Doch aktuell zeigt sich viel Licht am Ende des Tunnels. Die Zinswende in den USA hat sich etabliert und die Kapitalmarktzinsen haben nach der überraschenden Wahl von Donald Trump einen zusätzlichen Schub erhalten. Die zehnjährigen Renditen in den USA steuern im Jahresverlauf auf die Marke von 3 Prozent zu und ziehen in gewissem Maße auch die Verzinsungen entsprechender europäischer Renten mit nach oben. Auch wenn die Renditedifferenz groß bleibt, sind zumindest die europäischen Langfristzinsen wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt und die Zinsstrukturkurve sollte sich weiter versteilern.

Somit stellen sich die Aussichten für das operative Geschäft der Finanzinstitute Europas wieder grundsätzlich besser dar. Richtige Dynamik dürfte sich aber erst dann einstellen, wenn die kurzfristigen Zinsen das negative Terrain verlassen.

Etwas Entspannung hat sich auch nach dem abgelehnten italienischen Verfassungsreferendum ergeben. Da die bisherigen Versuche der italienischen Regierung, den Banken zu helfen, bislang immer erfolglos blieben, war nach der Demission von Renzi ein erneuter Einbruch befürchtet worden. Doch der ist an den Börsen – wie zuvor in vergleichbaren Situationen nach der Brexit-Entscheidung und der Wahl Trumps – ausgeblieben. Der nun erfolgte relativ »geräuschlose« Übergang auf den neuen Regierungschef Gentiloni und sein geplantes Hilfspaket in der Höhe von 20 Milliarden Euro konnten zusätzlich entspannen. Unbenommen bleibt aber das große Risiko der enormen Last ausfallgefährdeter Kredite in Italien.

Die Handelsgeschäfte sind wieder gut angelaufen, wie sich bereits in den Zahlen der Berichtssaisons im zweiten Halbjahr 2016 zeigte. Dies war neben der Zinswende die Basis für die extrem starke Performance der europäischen Banken in den letzten sechs Handelswochen des Jahres 2016. Der Jahresstart der europäischen Banken ist mit den Gewinnberichten zum ersten Quartal sehr gemischt ausgefallen, auch wenn die meisten Institute zu überzeugen wussten.

Nach längerer Favorisierung der US-Banken stehen nun die europäischen Wettbewerber im Fokus. Neben dem verbesserten politischen Momentum verfügen diese über die wesentlich attraktivere Bewertung. Darüber hinaus rückt auch eine restriktivere Geldpolitik der EZB immer mehr in den Fokus.

Versicherungen
Die Versicherer hatten mit den geringen Anlagerenditen im historisch niedrigen Zinsumfeld zu kämpfen. Für sie ist vor allem die Entwicklung am langen Ende der Zinsstrukturkurve entscheidend. Wenn sich hier eine deutliche Wende ergeben sollte, dürfte dies von klarem Vorteil für die Kursentwicklung der Versicherungen sein. Doch auch wenn die aktuelle Entwicklung noch nicht spürbar im Kapitalanlageergebnis sein wird, so ist doch der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis der Neuanlage-Zins sich positiver darstellt als derjenige der auslaufenden Altanlagen.

Was die Versicherer auszeichnet, sind die gute Kapitalisierungssituation und die solide Profitabilität des Versicherungskerngeschäfts. Ebenfalls ist ihnen eine attraktive Dividendenrendite und Bewertung zuzuschreiben. Rückversicherer erlebten in den letzten beiden Jahren weniger Großschäden, wodurch es mehr Auflösungen von Schadenrückstellungen gibt. Die Kehrseite der Medaille ist das Überangebot an Rückversicherungsschutz, welches für steigenden Preisdruck sorgt. Da sich das Neugeschäft damit unattraktiver gestaltet, erhöhen die Unternehmen dafür ihre Ausschüttungsquoten.

In den letzten beiden Berichtsperioden warteten Versicherungen mit insgesamt soliden bis guten Gewinnen auf, die meist über den Erwartungen lagen, auch wenn die unterliegende Datenqualität nicht immer überzeugen konnte. Das Votum für Versicherungen bleibt weiterhin auf Übergewichten.

Informationstechnologie
Nach der vorherigen Schwächephase startete die Branche Anfang 2013 einen Aufwärtstrend, der weiter andauert und seit Beginn 2017 noch einmal einen deutlichen Schub erhalten hat. Seither stellt sich die Tendenz korrespondierend zu den Ergebnissen der Berichtssaison zwar volatil, aber insgesamt steigend dar. Nachholinvestitionen im verbesserten Umfeld, Akzentuierung des Shareholder Value-Gedankens, neue Innovationskraft und hervorragende qualitative Merkmale der IT-Konzerne sind die Hauptargumente für den längerfristig positiven Trend.

Die rasante Entwicklung der Branche setzt sich weiter fort. Die Unterscheidung zwischen Software- und Hardwarespezialisten ist fast aufgehoben, man erkennt nur noch die ursprünglichen Domänen im neu angepassten Produktmix. Der zunehmende Wettbewerb sorgt aber auch für einen massiven Innovationsschub. Nachdem der Markt für mobile Anwendungen soweit aufgeteilt ist, geht es jetzt um die Positionierung in der Cloud. Themen, die immer stärker in den Fokus rücken, sind soziale Netzwerke, die Netze für Verarbeitung immer größerer Datenmengen (damit auch das Thema Sicherheit), die Digitalisierung der Haushalte, die Vernetzung von Automobilen sowie als umspannendes Thema das »Internet der Dinge«.

Im Hardwarebereich findet eine immer stärkere Konzentration auf den Absatz mobiler Geräte statt. War der reine PC-Absatz bereits seit Jahren deutlich rückläufig, so verschiebt sich jetzt auch der Trend vor allem in Richtung Smartphones und mit Abstrichen auch in Richtung Tablets.

Nach einer längeren Problemphase im Halbleiter-Sektor zeigte sich bereits im zweiten Quartal vergangenen Jahres Licht am Horizont. Dieser Eindruck wurde jeweils in der Berichtssaison zum Jahresende als nun auch im ersten Quartal 2017 bestätigt. Hier überzeugte das Segment sowohl in den USA als auch in Europa. Die langjährige Schwächephase sollte somit überwunden sein. Auch wenn sich die Konjunktur nur zäh entwickelt, so besteht besonders in Bezug auf spezialisiertes Chip-Design für die zahlreichen neuen IT-Trends hoher Bedarf.

Anlageidee: ComStage ETFs auf verschiedene Branchen

Die ComStage ETFs auf die STOXX Europe 600 Branchenindizes bieten Ihnen die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von 19 unterschiedlichen europäischen Sektoren zu partizipieren. Anleger, die als Strategie die Branchenrotation wählen, und temporär in bestimmte Branchen investieren möchten, finden hier eine kostengünstige Anlagemöglichkeit.

Bei der Berechnung der jeweiligen Indizes werden neben den Kurswerten der in ihnen enthaltenen Unternehmen auch Dividendenzahlungen abzüglich der Quellensteuer (Nettodividenden) berücksichtigt. Somit erhöht sich für den Anleger auch der Wert des ETF.

Das gesamte Angebot an ComStage ETFs auf Branchenindizes sowie weitere Informationen zur genauen Länderverteilung und den Indexkomponenten der zugrunde liegenden Indizes steht Ihnen Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.

ComStage UCITS ETFs auf

WKN

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

STOXX Europe 600

ETF 060

0,20 %

Thesaurierend

77,72/77,75 EUR

STOXX Europe 600 Banks

ETF 062

0,25 %

Ausschüttend

41,66/41,68 EUR

STOXX Europe 600 Insurance

ETF 070

0,25 %

Ausschüttend

57,16/57,19 EUR

STOXX Europe 600 Technology

ETF 076

0,25 %

Ausschüttend

61,92/61,97 EUR

Stand: 28. Juni 2017; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten ETFs erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen und wesentlichen Anlegerinformationen (KIIDs) stehen im Internet unter www.comstage.de zur Verfügung.